In der dritten Fußball-Liga kursiert nicht nur die eine, normale Tabelle. Es gibt noch ganz viele subjektive Tabellen, in denen die vermeintlichen Fehlentscheidungen der Schiedsrichter festgehalten sind und, je nach Sichtweise, immer ein anderer Verein ganz oben steht. Beim TSV 1860 München ist man besonders stark überzeugt – und kann auch gute Argumente ins Feld führen –, das größte Opfer des fehlenden Videobeweises zu sein, den die teilnehmenden Vereine mehrheitlich ablehnen, aus Kostengründen. Am Sonntagmittag nun empfingen die Sechziger Hansa Rostock, das Spiel galt, wieder einmal, also diesmal wirklich ganz sicher, als letzte Chance, um noch einmal in den Aufstiegskampf eingreifen zu können; Rostock war vor dem Spieltag vier Punkte entfernt. Und diesmal profitierten die Münchner von einer fragwürdigen Elfmeter-Entscheidung zu ihren Gunsten.
Kapitän Thore Jacobsen erzielte mit einem Panenka-ähnlichen Strafstoß (48.) das 1:0-Siegtor. David Philipp hatte zuvor den Ellenbogen von Ahmet Gürleyen angeschossen, der sich weggedreht hatte – der Schiedsrichter konnte die Szene zwar nicht überprüfen, dafür lieferte Magenta aber dank „Ref-Cam“ das Bild aus seiner Sicht. „Kann man geben, muss man nicht“, sagte Sechzigs Trainer Markus Kauczinski, der seiner Mannschaft „harte Arbeit“ bescheinigte. Rostocks Trainer Daniel Brinkmann fand, dass Sechzig „nur auf Verteidigen“ aus gewesen sei. „Ein enorm geiles Gefühl, ein richtiger Brustlöser“, freute sich hingegen der coole Torschütze, der zur Elfmeterentscheidung sagte: „Als Sechzig-Fan hätte ich es auf jeden Fall gepfiffen.“
Selbst Angreifer Sigurd Haugen wird mehrmals im eigenen Strafraum gesichtet
Seit 16 Jahren haben die Löwen nicht mehr gegen Rostock gewinnen können, und es sah in der ersten Halbzeit nicht so aus, als ob sie nun alles daran setzen würden, die Sieglos-Serie endlich zu beenden. Den einzigen nennenswerten Torabschluss bis zur Pause hatte Siemen Voet mit einem Kopfball, nach einem verunglückten Fernschuss von David Philipp (11.). Rostock hatte mehr Ballbesitz und war ein bisschen gefährlicher: Sechzigs Raphael Schifferl musste nach Getümmel im eigenen Strafraum für seinen geschlagenen Keeper Thomas Dähne klären (28.).
Gleich nach dem Seitenwechsel fiel dann die etwas überraschende Führung – die sich Sechzig aber damit verdient hatte, relativ häufig bis in den gegnerischen Sechzehner kombiniert zu haben, ohne ständig lange Bälle nach vorn zu schlagen. Die Rostocker Kogge brachte die Sechziger fortan immer wieder zum Schwimmen, selbst Angreifer Sigurd Haugen wurde mehrmals im eigenen Strafraum gesichtet, um auszuhelfen. Der Norweger war aber auch die zentrale Schaltstelle bei den folgenden, teils gefährlichen Kontern – kurz: Es wurde spannend. Dann hatten die Löwen auch noch Glück: Nach einem Sololauf von Hansas Maximilian Krauß kullerte der Ball nur knapp am fernen Pfosten vorbei (86.)
Danach rettete Sechzig die knappe Führung recht clever über die Zeit. Vor dem Spiel hatte Kauczinski das Sechzig-Umfeld als „Meister des Konjunktivs“ betitelt, die Mannschaft bleibt erst einmal auf Tabellenrang neun stehen, der Trainer sprach von einem „langen, weiten Weg“, der noch anstehe. Am Freitag bei Hoffenheim II kann die Mannschaft weiter an Aufstiegsfakten arbeiten.

