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TSV 1860 München:Erschöpfte Kämpfer

36 Philipp Steinhart, 19 Noel Niemann, 9 Sascha Moelders Mölders, 7 Stefan Lex, (TSV 1860 München), - Torjubel / Fussba

Umjubelter Siegtorschütze: Sascha Mölders (2.v.r.) entscheidet die Partie gegen Halle für den TSV 1860 im Grünwalder Stadion.

(Foto: Lackovic/imago images)

1860 gewinnt 2:1 gegen Halle und bleibt damit zumindest theoretisch noch im Drittliga-Aufstiegsrennen.

Von Felix Haselsteiner

1860-Trainer Michael Köllner gilt nicht unbedingt als Freund besonders martialischer Worte. Sicher, der ein oder andere Kraftausdruck mag auch beim Oberpfälzer mal fallen, bekannter ist Köllner jedoch eher für Feinsinn: dafür, dass er seine Trinkflasche während des Spiels stets akkurat, fast schon liebevoll, in seiner Coaching-Zone aufstellt; oder dass er als ehemaliger Schüler eines katholischen Internats christlich wohlerzogen ist und zum Beispiel Journalisten, wenn nicht gerade eine globale Pandemie grassiert, stets die Hand schüttelt. Dass nun der besonnene und auch stets auf möglichst attraktiven Fußball ausgerichtete Michael Köllner vor dem sonntäglichen Heimspiel gegen den Halleschen FC davon sprach, es würde ein "Abnutzungskampf" werden, war also durchaus bemerkenswert. Allein, nach den 90 Minuten musste man Köllner schon fast schon zum Propheten erklären: Acht der elf Löwenspieler sanken wenige Sekunden nach dem Abpfiff erschöpft zu Boden, was über die Intensität beim 2:1-Sieg schon genug aussagte.

Gleich viermal hatte Köllner gegenüber der 0:2-Niederlage unter der Woche bei Viktoria Köln in seiner Startaufstellung gewechselt, er begann mit Herbert Paul und Aaron Berzel in der Defensive, Dennis Dressel im Mittelfeld und Noel Niemann auf der linken Außenposition. Dass auch die Hallenser in ihrer Formation mit fünf Wechseln nicht eingespielt waren, war in der Anfangsphase kaum zu bemerken. Kompakt standen die ganz in rot gekleideten Sachsen und ließen wenig zu - bis in der achten Minute Philipp Steinhart aus der eigenen Hälfte einen scharfen Pass spielte, den Sascha Mölders geschickt durchließ und so Stefan Lex in Szene setzte. Lex, nun frei vorm Tor, verwandelte sicher zum 1:0.

Mölders hätte "das eine oder andere Tor mehr machen können

Die Löwen, zum ersten Mal seit der Corona-Pause wieder 1:0 in Führung statt 0:1 in Rückstand, spielten nun zehn Minuten lang guten Fußball, dann erarbeitete sich Halle wieder mehr Stabilität im Mittelfeld - und kam zum Ausgleich: Einen lang getretenen Eckball verteidigten die Münchner nicht gut, Innenverteidiger Jannes Vollert legte auf seinen Nebenmann Anthony Syhre, der zum 1:1 traf (31.).

Bis zur Halbzeit gestaltete sich das Spiel weiter offen, nach Wiederanpfiff zeigten die Löwen aber, dass sie durchaus berechtigterweise in der Tabelle einige Plätze vor Halle stehen. Niemann dribbelte in der 51. Minute von links Richtung Strafraum und legte dann hervorragend für den eingelaufenen Sascha Mölders auf, der an Torwart Kai Eisele vorbei nur noch einschieben musste - es war Mölders' erster Treffer nach der Corona-Pause.

Die erneute Führung hatten sich die Löwen verdient, kurzzeitig schien es jedoch erneut, als würde Halle zurückkommen können: In der 53. und der 58. Minute vergaben die Gäste zwei Großchancen, dann kamen die Sechziger wieder besser rein in ein weiter extrem umkämpftes, aber wesentlich offensiveres Spiel. Allein zwischen der 70. und der 85. Minute hätte Mölders den Sieg gleich mehrfach absichern können, scheiterte jedoch entweder an der Latte (77.) oder an Eisele. "Ich hätte mit Sicherheit das ein oder andere Tor mehr machen können", sagte Mölders bei Magenta Sport, war aber zufrieden: "Heute haben wir den Kampf einfach angenommen."

Beinahe hätten die Hallenser den leichtfertigen Umgang des TSV mit seinen Chancen noch bestraft, der eingewechselte Terrence Boyd etwa hatte in der 85. und der 89. Minute noch zwei Abschlussmöglichkeiten aus kurzer Distanz. Am Ende blieb es jedoch bei einem äußerst verdienten Heimsieg der Sechziger, die sich damit zumindest theoretisch weiter im Rennen um den Aufstieg halten können, fünf Punkte Rückstand hat der TSV 1860 nun auf Duisburg und Würzburg. Fragen zu den Ambitionen wich Köllner eher aus, als Spielstil-Prophet versuchte er sich jedoch erneut: "So umkämpft wie heute werden im Rest der Saison noch viele Spiele ablaufen", kündigte Köllner an, um daraus mit einiger Konsequenz zu folgern: "Da musst du einfach kämpfen."

© SZ vom 22.06.2020

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