TSV 1860 München Endlich Erdmann

Fußball-Drittligist TSV 1860 München verpflichtet einen knallharten Innenverteidiger. Deutschlandweit bekannt wurde er nach einer Tätlichkeit gegen Marco Reus.

Von Philipp Schneider

Manchmal passen Name und Sportler auf eine Weise zusammen, dass gar nicht mehr denkbar ist, er könnte beruflich etwas anderes machen. Das berühmteste Beispiel ist natürlich Dong Dong aus China. Ein Olympiasieger im Trampolinspringen. Aber Erdmann ist auch nicht schlecht. Erdmann ist Verteidiger, Vorname: Dennis. Erdmann, 28, spielt ab sofort für den Drittligisten TSV 1860 München, er ist aller Wahrscheinlichkeit einer von insgesamt zwei Spielern, den sich der Klub vor dem Saisonstart wird leisten können. Bei seiner Vorstellung sagte er: "Ich brauche einen Verein, der so ist wie 1860, wo es Action und Trouble gibt - und nicht, wo Oma und Opa an der Seite stehen und mit dem Schirm wedeln." Kann er genau so haben.

Erdmanns Name passt nicht nur zu der Position, auf der er spielt (in der Innenverteidigung eingraben soll er sich neben Felix Weber, dem Kapitän), er passt auch gut zu seiner Herkunft. Geboren wurde Erdmann in Frechen, mitten im rheinischen Braunkohlerevier. Seine Karriere als Fußballer startete er bei BW Kerpen, 2012 zog es ihn zum FC Schalke 04. Vor dort wechselte er 2014 zu Hansa Rostock - und schließlich 2017 zum 1. FC Magdeburg, mit dem er den Aufstieg in die zweite Liga feierte.

Vor allem aber heißt Erdmann Erdmann, weil er knallhart, ihm keine Aufgabe zu dreckig ist. Darüber täuscht auch der auf seinen Hals tätowierte Kussmund nicht hinweg. "Zur Not foule ich auch den Papst", hat er mal auf seine Jacke drucken lassen. Gefoult hat er zumindest den Dortmunder Marco Reus, im Achtelfinale des DFB-Pokals - auf eine Weise, abseits des Balles, mit der er deutschlandweit in die Schlagzeilen geriet. "Er ist mir gegen das Knie gelaufen. Ich habe früher Kreisliga gespielt, da haben wir uns kurz gerieben und weitergespielt", erzählte Erdmann danach. Im selben Spiel soll Erdmann laut dem Borussia-Manager Michael Zorc auch noch Ciro Immobile gleich in der ersten Spielminute "eine Backpfeife gegeben" haben, ohne dass der Ball in der Nähe gewesen sei.

Das dementierte Erdmann, gab aber zu: "Ich habe ihm ein paar Sprüche gedrückt, ihn ein bisschen malträtiert, wie das halt so im Fußball ist. Hätte er mich geschlagen, hätte ich mich natürlich fallen lassen." 88 gelbe Karten hat Erdmann in 255 Spielen gesammelt. Sollte er in der kommeden Saison ausfallen, dann muss wohl der derzeit an der Hand verletzte Marco Vincenzo Raimondo-Metzger aus Sechzigs Bayernliga-Mannschaft aushelfen. Raimondo-Metzger gilt als 450-Euro-Verteidiger, einen sprechenden Namen hat auch er. Aber der erzählt eine andere Geschichte.