TSV 1860 München:Dr. Robert Buhmann

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Um den FC Bayern im Arena-Streit zu besänftigen, nimmt 1860-Geschäftsführer Robert Niemann den Zwist mit den eigenen Fans in Kauf. An der zermürbenden Konstellation trägt Niemann jedoch keine Schuld.

Markus Schäflein

Voller Elan trat Robert Niemann im Sommer seinen Job als Geschäftsführer des TSV 1860 an. Er wollte alles, was neue Geschäftsführer immer wollen, er sprach von Imagebildung, Markenpositionierung, solchen Sachen.

Robert Niemann 1860

Erst nach rechts, dann nach links, und nun? 1860-Geschäftsführer Robert Niemann korrigiert eilig seinen Kurs.

(Foto: imago sportfotodienst)

Dass Sechzig eine ganz spezielle Marke ist, hat er dann schnell festgestellt. In der vergangenen Woche freute er sich noch, den Verein in der ersten Runde seiner Tätigkeit vor der Insolvenz gerettet zu haben, am Sonntag erhielt er nun von den Fans die dunkelgelbe Karte - nach seiner ersten Blutgrätsche: Er wollte das Plakat mit der Aufschrift "Raus aus der Arena" verbieten lassen.

Auf den ersten Blick hinterließ Niemann da einen bemitleidenswert tölpelhaften Eindruck, denn fünf Minuten Beschäftigung mit der merkwürdigen Historie dieses Vereins reichen ja aus, um die hysterischen Reaktionen zu erahnen. In der Wildmoser-Diktatur der Meinungsfreiheit beraubt, aus der Heimat vertrieben, im Exil vom Feind unterdrückt und verarmt - so ist das Selbstbild der Löwenfans. Ihr Plakat erzählt diese ganze Geschichte in nur vier Worten.

Es ist kaum davon auszugehen, dass Niemann nicht damit gerechnet hatte, dass er der Buhmann sein würde. Viel wahrscheinlicher ist, dass er es bewusst in Kauf nahm - um seinen Verhandlungspartnern beim FC Bayern und der Stadion GmbH zu signalisieren, dass es mit ihm keine Klientelpolitik mehr geben wird. Sein Vorgänger Manfred Stoffers hatte versucht, im eigenen Lager zu glänzen, wozu er die ewige Opferrolle kultivierte und sich notgedrungen mit dem FC Bayern anlegen musste.

Dieser Versuch ist bekanntlich gescheitert. Niemann steuert nun wieder in die andere Richtung. Doch wer mit dem Vermieter eine konstruktive Gesprächsebene sucht, verdirbt es sich automatisch mit der eigenen Kundschaft. Das ist eine zermürbende Konstellation, an der Niemann keine Schuld trägt.

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