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TSV 1860 München:Dezente Unzufriedenheit

1860 München will den Anschluss an die Aufstiegsplätze nicht verlieren und empfängt den Halleschen FC zu einem Duell unter umgedrehten Vorzeichen.

Von Felix Haselsteiner

Ein kurzer Rückblick in den November 2019, oder anders gesagt: in eine Zeit, in der sich die Welt noch nicht mit einer Pandemie beschäftigen musste - der TSV 1860 München allerdings mit der Frage: Könnte es wirklich sein, dass man sich in der Saison 2019/20 mit dem Kampf gegen den Abstieg statt dem Kampf um den Aufstieg auseinandersetzen muss?

Am 9. November jedenfalls traf der TSV als Tabellenfünfzehnter auf den Halleschen FC, damals Tabellendritter. 1:0 gewannen die Münchner das Auswärtsspiel - Spiel eins nach dem Rücktritt von Daniel Bierofka - und drehten seitdem die Tabelle um, zumindest wenn man die Hallenser als Referenzpunkt nimmt. Denn während 1860 unter Michael Köllner, der zwei Tage nach dem Halle-Hinspiel die Mannschaft übernahm, kurzfristig auf Platz drei marschierte, stürzte Halle ab und tritt nun am Sonntagnachmittag (14 Uhr) als Tabellenfünfzehnter beim TSV im Grünwalder Stadion an.

Nun ist die wirklich positive Lehre für die Sechzger aus diesen vergangen Monaten, dass man sich nicht mit Abstiegssorgen beschäftigen muss. Wirklich zufrieden aber wirken sie auch vor dem Rückspiel nicht: "Wir jammern also auf einem hohen Niveau", kommentierte Geschäftsführer Michael Scharold im Spieltagsmagazin die aktuelle Situation. Vielleicht hätte man im November sogar unterschrieben, am 34. Spieltag sicher auf Platz neun zu stehen. Doch drei Niederlagen in vier Spielen nach dem kurzfristigen Höhenflug haben eine dezente Unzufriedenheit aufkommen lassen.

"Wir sind natürlich enttäuscht über die letzten Ergebnisse", sagte Trainer Köllner nun auf der Pressekonferenz am Freitag, fügte dann aber sogleich in seinem gewohnt, positiv-appellierenden Stil an: "Schreibt die Saison nicht ab! Wir wollen das Maximale aus dieser Saison noch herausholen."

Fokussieren möchte sich Köllner jedenfalls auf das sportliche und nicht auf die Unklarheit im Kader des TSV, wo 17 Verträge zum Saisonende auslaufen. "Die Situation war ja im März nicht anders", sagte Köllner dazu, und: "Die Probleme, die wir derzeit haben, sind ja nicht vereinsintern, sondern der Corona-Krise geschuldet. Jede Metzgerei, jede Wirtschaft hat mit existenziellen Fragen zu kämpfen." Sportlich existenziell, um noch einmal auf die positiven Aspekte zu kommen, sind die Münchner allerdings vor der Partie am Sonntag wesentlich sorgenfreier als noch im November.

© SZ vom 20.06.2020

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