bedeckt München

TSV 1860 München:Ismaiks Problem ist: Keiner weiß, ob die 50+1-Regel fällt

Womöglich ist der Jordanier tatsächlich gewillt, die Sache so lange ohne weitere Investitionen in der vierten oder dritten Liga auszusitzen, bis die 50+1-Regel fällt - dann würde ihm gemäß des Kooperationsvertrags sofort die Mehrheit an der Geschäftsführungs-GmbH, mithin das Weisungsrecht gegenüber dem Geschäftsführer und damit die Kontrolle über die Profifußball-KGaA zufallen. In dem Vertrag heißt es: "Sofern es rechtlich, insbesondere verbandsrechtlich zulässig ist, wird die HAM (Firma Ismaiks, d. Red.) 51% der Geschäftsanteile der GmbH vom Verein zum Nennwert übernehmen. Ein entsprechendes Optionsrecht wird zugunsten von HAM bereits hiermit vereinbart." Ismaiks Problem ist nur: Keiner weiß, ob und wann die 50+1-Regel fällt. Noch in diesem Jahr will das Bundeskartellamt entscheiden, ob es Ismaiks Beschwerde überhaupt zulässt.

Mey glaubt, dass der TSV 1860 nicht so lange warten kann. Erstmals erzählt er, dass noch weitere Investoren hinter ihm stehen, die im Gegensatz zu ihm aber nicht in der Öffentlichkeit auftreten wollen, bis Fakten geschaffen sind. "Ich bin ja nicht alleine, es sind Firmen interessiert, es sind Einzelpersonen interessiert, die jetzt natürlich noch nicht genannt werden wollen. Ich stehe da vorne dran", sagt Mey. "Ich habe mich bereit erklärt, das zu machen. Dann bin ich losgegangen und habe diese Diskussion eingeleitet, denn sonst passiert ja nie etwas."

"Die Tür ist nicht zu"

Angesichts von Ismaiks irritierender Reaktion auf sein Angebot sei er "nicht ehrkäsig und nicht verärgert", betont Mey: "Das kommt im Geschäftsleben vor, dass einer nicht mag. Aber das Angebot steht, dass man in diesen Verein investiert. Wer zu uns kommt und sagt, ich möchte mit euch reden und ich möchte verhandeln, mit dem reden wir, selbst nach dieser Geschichte. Wenn sich Hasan Ismaik auf uns zubewegt, können wir weiterhin reden. Die Tür ist nicht zu."

Mey ist überzeugt davon, dass Ismaik sein Angebot, bei dem er einen guten Teil des investierten Geldes im Erfolgsfall über Besserungsscheine zurückbekommen würde, als rationaler Kaufmann nicht ausschlagen kann. "Ich komme aus einem stark unternehmerisch geprägten Umfeld, da ist so etwas wie ein Secondary Deal nichts Besonderes", sagt Mey. "Ein Investor hat investiert, und offensichtlich, das ist ja nicht bestreitbar, hat die Investition nicht alle Erwartungen erfüllt. Ich glaube, das kann wirklich keiner negieren. Seine Investition hat nicht funktioniert, Ende der Durchsage."

Es sei "neben den ganzen Emotionen und der Liebe zum Verein" aber "die richtige Betrachtungsweise, 1860 als Asset anzuschauen und auf die betriebswirtschaftliche Ebene zu gehen", meint er. "Das ist der Punkt. Und wenn er das nicht will, dann will er es nicht. Dann muss man irgendwann auch sagen, dass der Deal halt erledigt ist."

Wie lange der Deal noch lebt, zumindest aus der Perspektive Meys und seiner Partner, bleibt offen. Er wolle "momentan aber keine Frist setzen", sagt Mey. "Es kommt meistens irgendwann der Punkt, wo Menschen wieder anfangen, miteinander zu reden. Wenn er nicht will, kann ich auch nicht helfen, das ist ganz klar. Aber wenn dann doch einmal ein Einsichtsprozess gekommen ist: Natürlich, warum nicht?"

© SZ vom 02.12.2017/sonn
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema