Anspannung beim TSV 1860 München:"Dann stirbt die Partnerschaft"

Lesezeit: 4 min

TSV 1860 München - Energie Cottbus

Muss um die Zustimmung der Delegierten fürchten: 1860-Präsident Hep Monatzeder (rechts).

(Foto: dpa)

Weil 1860-Präsident Hep Monatzeder das Verhältnis zu Investor Hasan Ismaik an die Wand zu fahren droht, muss er um Bestätigung bei der Delegiertenversammlung zittern. Ein Gegenkandidat zu Monatzeder positioniert sich bereits.

Von Gerald Kleffmann und Philipp Schneider

Als die Zuschauerzahl vermeldet wurde, war die nächste Ungereimtheit in diesem von tausend Ungereimtheiten geplagten Klub perfekt. 14 200 Besucher sollen sich nach Mitteilung des TSV 1860 am Samstag in der Münchner Arena eingefunden haben, was angesichts der leeren Ränge als netter Versuch gewertet werden konnte, das Desinteresse der Kundschaft nicht ganz so groß erscheinen zu lassen.

Vielleicht mögen es 9000 bis 10 000 Menschen gewesen sein, die sich das 1:2 der Zweitliga-Löwen gegen den FSV Frankfurt antaten, sicher nicht mehr. Einer, der das Herz am rechten Fleck trägt, sprach offen sein Verständnis für die Fans aus, die lieber zu Hause blieben und sich nicht durch ein Löwenspiel die Laune verderben lassen wollten.

"Wir sind auf einem Platz, wo es nicht mehr um viel geht", sprach Profi Daniel Bierofka, "und außenrum sind viele Querelen. Dass da nicht viele kommen, ist klar." Er meinte den Zoff zwischen 1860 und Investor Hasan Ismaik, der 49 Prozent des Klubs besitzt.

Eine Bagatelle stellen die schleichend sinkenden Zuschauerzahlen nicht dar, hängen doch von ihnen Einnahmen ab, die bei der Lizenzierung eine wichtige Rolle spielen. 22 940 kamen in dieser Löwen-Saison im Schnitt, was halbwegs passabel klingt. Doch zieht man allein nur das erste Spiel gegen Regensburg (45 300) und das Wiesn-Spiel gegen Braunschweig (31 600) ab, wird klar, dass sich der Verein Sorgen machen sollte.

Am Samstag allerdings ging es erst einmal darum, den nächsten sportlichen Rückschlag zu verarbeiten, trotz aller Turbulenzen nehmen die Löwen ja immer noch am Spielbetrieb teil. "Heute hat man genau gesehen, wer sich von den Spielern hier richtig einbringt und dem Team helfen will - und wer nur Eigeninteressen verfolgt", äußerte Geschäftsführer Robert Schäfer.

Ja, der Begriff Eigeninteresse war dann wieder ein gutes Stichwort. Ausgerechnet in dieser Woche dürfte es im Grunde um nichts anderes gehen. Und wer weiß, vielleicht gelingt Schäfer der nächste Schachzug und er übersteht auch diesen Sturm, der gerade über ihm und 1860 aufzieht.

Am Donnerstag findet in Planegg die außerordentliche Delegiertenversammlung statt, auf der jene neue Satzung verabschiedet werden soll, die das Delegiertensystem abschafft; 1860 kehrt zum Mitgliedersystem zurück. Bedeutsamer freilich wird Tagesordnungspunkt 5.3. werden, "Bestätigung des neuen Präsidiums".

Der neue Präsident, Grünen-Politiker Hep Monatzeder, will nach seinem aus dem Aufsichtsrat heraus geglückten Putsch gegen Dieter Schneider offiziell das Vertrauen abholen für seine Amtszeit. Doch nachdem es ihm binnen kürzester Zeit gelang, das ohnehin komplizierte Verhältnis zum schwierigen 1860-Mitgesellschafter Ismaik an die Wand zu fahren, muss er um die Bestätigung zittern. Zumal sich ein Gegenkandidat anbietet. Erich Meidert, Unternehmer mit facettenreicher Historie bei 1860, soll motiviert sein, einen anderen, investorenfreundlicheren Kurs einzuleiten. Er selbst gibt "keinen Kommentar" dazu ab.

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