TSV 1860 MünchenDer gelungene Start steht auf dünnen Beinen

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Applaus, Applaus: Florian Niederlechner nach dem Schlusspfiff in Aubstadt.
Applaus, Applaus: Florian Niederlechner nach dem Schlusspfiff in Aubstadt.
Julien Christ/Imago

Auch das 3:2 in Aubstadt zeigt, dass der TSV 1860 München noch eine Mannschaft der Momente ist. Aber der Regionalligist hat und nutzt sie.

Von Sebastian Leisgang

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Die Schiedsrichterin stand an der Mittellinie und war im Begriff, den Ball freizugeben. Sie trug ein gelbes Hemd. Das war, konnte man meinen, das untrügliche Zeichen, an dem sie sich identifizieren ließ. Der TSV Aubstadt spielte ja in Rot, der TSV 1860 München in Weiß und Blau. Nur eines wirkte dann doch etwas merkwürdig: Es war nicht so, dass die eine Mannschaft in der einen Hälfte des Spielfelds wartete und die andere in der gegenüberliegenden. Irgendwas schien also nicht zu stimmen.

Als man genauer hinsah, bemerkte man: Es war gar nicht die Schiedsrichterin Angelika Söder, die mitten auf dem Platz stand – es war Vladyslav Vertiei, Aubstadts Torhüter. Und es gab auch nicht Anstoß, sondern Freistoß.

Ja, die Löwen gerieten bei ihrem vierten Regionalliga-Spiel an diesem Dienstagabend gehörig unter Druck. Unter derart großen, dass es selbst Vertiei in dieser zweiten Minute der Nachspielzeit weit aus seinem Strafraum zog. Das Spiel stand auf Messers Schneide, eine einzige Szene konnte nun über Wohl und Wehe entscheiden – am Ende aber brachte Sechzig das 3:2 über die Zeit und durfte seinen zweiten Sieg bejubeln. Wenn die 90 Minuten von Aubstadt aber etwas gezeigt haben, dann war es das: In diesen ersten Wochen der neuen Saison sind die Löwen eine Mannschaft der Momente.

Erst Außenbahnspieler Emre Erdogan, der Mitte der ersten Hälfte mit einer fast schon abenteuerlichen Kopfball-Abstauber-Bogenlampe das Führungstor für Sechzig erzielte (23.). Dann Torhüter Vitus Eicher, der zur Stelle war, als er kurz vor der Halbzeitpause von Severo Sturm geprüft wurde (44.). Und schließlich Mittelstürmer Florian Niederlechner, der Fabio Wagner mit einem exzellenten Pass durch die Schnittstelle der Aubstädter Abwehr bediente und damit das 2:0 auf den Weg brachte (45.).

Im Großen und Ganzen war es erneut ein offenes Spiel

Wie schon beim 3:0 in Memmingen waren es auch an diesem Dienstagabend eher einzelne Augenblicke, in denen Sechzigs Klasse erkennbar wurde. Und wer weiß schon, welche Dynamik aufgekommen wäre, hätte Sturm anfangs der zweiten Hälfte nicht die Latte getroffen (54.), sondern das Löwentor? Im Großen und Ganzen war es erneut ein offenes Spiel, das durchaus auch in die andere Richtung hätte kippen können, wenn es der Fußballgott, die Latte und Vitus Eicher nicht so gut mit den Löwen meinen würden.

Es muss die Sechziger nicht grämen, dass sie noch nicht so spielen, wie sie selbst gerne spielen würden. Nach dem großen Umbruch liegt es in der Natur der Sache, dass sich das eine noch nicht ins andere fügt. Doch der gelungene Saisonstart mit nun acht Punkten aus den ersten vier Spielen – das sollte einem eben auch bewusst sein – steht auf recht dünnen Beinen.

Wie dünn sie sind, bebilderte die Schlussphase, die nach Aubstadts Anschlusstreffer durch Franz Helmer Fahrt aufnahm (78.). Schon beim ersten Saisonspiel gegen den FC Augsburg II hatten die Löwen ein 2:0 verspielt. Würden sich jetzt also ähnliche Muster zeigen? Sollte Sechzig nervös werden?

An der letzten Viertelstunde ließ sich ablesen, dass das Team in diesen ersten Saisonwochen doch noch nicht so große Fortschritte macht, wie Funktionäre und Spieler für sich reklamieren. Die Löwen wankten, dabei schienen sie die Partie schon für sich entschieden zu haben, als Dennis Dressel den Ball tief in der eigenen Hälfte eroberte, ihn dann mit einem beherzten Lauf über den halben Platz trug und schließlich Arian Ortivero Calderon bediente. Der Stürmer zog aus der zweiten Reihe ab, zielte recht mittig und ließ Vertiei damit äußerst schlecht aussehen – denn Aubstadts Torwart ließ den Ball passieren (83.).

Es war, Stichwort Momente-Mannschaft, der erste Löwenschuss, der in der zweiten Hälfte den Weg aufs Tor fand. Es war jedoch nicht, wie man hätte annehmen können, die letzte Pointe dieses Abends, im Gegenteil: Aubstadt gelang es tatsächlich, Sechzig noch einmal in die Bredouille zu bringen. Marco Nickel verkürzte erneut (89.), kurz darauf brach eine Nachspielzeit an, die sich für Sechzig quälend lang anfühlen musste. Vertiei lief nach vorne, Pfiffe ertönten, Bälle flogen. Es hätte jetzt nicht mehr viel gebraucht, um die Löwen tatsächlich noch um den Sieg zu bringen. Die Gastgeber warfen alles nach vorne und brachten Eicher durchaus nochmal ins Schwitzen – erst dann erlöste Schiedsrichterin Söder die Löwen.

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