TSV 1860 in der Relegation:Erinnerungen an Kioyo

Nach einem schlimmen Fehlpass von Bandowski flankte Torres von der rechten Seite, Kai Bülow wollte klären vor Hennings, der den Ball nur noch über die Linie hätte schieben müssen. Bülow aber klärte nicht. Er schob den Ball mit der Fußsohle ins eigene Netz - das frühe 1:0 für Karlsruhe (9.).

Erinnerungen an Kioyo

Erinnerungen wurden wach an Francis Kioyo, den traurigsten aller traurigen Löwen, der am vorletzten Spieltag von Sechzigs Abstiegssaison 2004 einen Elfmeter verschoss. Würde die Münchner elf Jahre später wegen eines Eigentors von Bülow noch eine Liga tiefer rauschen? Bülow wirkte, als könne er recht lässig mit der Szene umgehen. Er rappelte sich auf, meckerte kurz, wohl mehr über sich selbst als über jemand anders, dann erhielt er von den Kollegen ein paar Klapse auf den Hinterkopf und spielte weiter.

Sechzig erhielt jetzt deutlich mehr Raum vom KSC, konnte ihn allerdings nicht sinnvoll ausgestalten. Einzig Bandowski, der das frühe Gegentor ebenso verschuldet hatte wie Bülow, probierte es mal mit einem Distanzschuss (25.). Mehr war nicht. Der KSC dagegen gab sich dem selbst erarbeiteten Luxus hin, dieses Spiel aus der eigenen Hälfte locker verwalten zu dürfen. Er setzte allenfalls ein paar Stiche, startete Konter. Interessanterweise nicht über die Seite von Debütant Kovac, sondern immer wieder über rechts.

Der schnelle Torres spielte den an sich ebenso rasanten Bandowski immer häufiger schwindelig. "Wir haben Riesenprobleme gehabt mit ihren Laufwegen, sie haben immer wieder die Bälle hinter unsere Abwehr gespielt", war auch Schindler aufgefallen, der ja als Innenverteidiger Teil der Abwehr ist. Und kurz vor der Pause brach Torres auf der rechten Seite durch, flankte auf den diesmal völlig unbewachten Hennings - der seinen Kopfball kurios über die Latte setzte. Ein Raunen ging durch das ausverkaufte Wildparkstadion.

Sechzig genügte das 0:1 vorerst nur zur Qualifikation für die Abstiegs-Relegation. Weil es im Spiel zwischen Abstiegs-Mitkonkurrent FSV Frankfurt und Fortuna Düsseldorf zur Pause 2:2 stand. Wie würde Fröhling reagieren? Er wechselte nicht, er brachte keinen zweiten Stürmer, offenbar vertraute er auf die Fortuna, die an diesem Tag nur Andreas "Lumpi" Lambertz letzte Partie zu feiern hatte.

Erst als er sah, dass weiter nur Karlsruhe spielte, brachte Fröhling Stephan Hain für Mittelfeld Julian Weigl (53.), und kurz darauf den Spanier Rodri für den mal wieder vollkommen unsichtbaren Okotie (68.). Zu Chancen kam weiter nur der KSC: Yamada verpasste knapp (58.), dann verhinderte Eicher mit einem prächtigen Reflex einen Freistoßtreffer von Hennings. Ehe wieder Yamada einen feinen Querpass auf Enrico Valentini schickte, der klug durchsteckte auf Torres - das 2:0, die Entscheidung (69.).

"Kein Kontakt" zum Investor

Zwei Spiele bleiben Sechzig, um diese schlimmste aller schlimmen Spielzeiten noch zu einem halbwegs versöhnlichen Ende zu bringen. Doch auch in der Relegation gegen Drittligist Holstein Kiel muss eine Mannschaft irgendwann mal auf Tor schießen, um zu bestehen. Zwei Spiele noch, dann weiß auch das selbsternannte "Glückskind" Poschner, ob er wirklich das unglückliche Kunststück fertig gebracht hat, nach 2004 zum zweiten Mal abzusteigen mit den Löwen. Erst als Spieler, nun als Sportchef.

Präsident Gerhard Mayrhofer stellte nach dem Spiel in Aussicht, es werde "über vieles" gesprochen werden, " was in dieser Saison nicht so gut gelaufen ist". Das wären so ziemlich alle Themenbereiche. Ob er die Probleme gemeinsam mit Investor Hasan Ismaik besprechen wird, ist unklarer denn je. Es gebe "keinen Kontakt" zum Mehrheitsgesellschafter aus Jordanien, sagte Mayrhofer im Bayerischen Fernsehen. Dem Vernehmen nach reagierte Ismaik zuletzt nicht einmal mehr auf Mails des Präsidenten.

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