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TSV 1860 München:Die Berufung Fausers deutet auf eine Insolvenz in Eigenregie hin

Ismaiks Firma HAM International antwortete am Freitagmorgen um 11.12 Uhr, knapp viereinhalb Stunden vor Fristablauf: "Wir sind immer noch bereit, 1860 zu unterstützen, auch in der 4. Liga oder in welcher Liga auch immer der Verein in der nächsten Saison spielen wird. Das ist sicherlich nicht das Ergebnis, das wir uns gewünscht haben aber wir müssen nun auch alternative Szenarien besprechen."

11.12 Uhr! Und geschrieben wurde über die vierte Liga, als sei sie eine selbstverständliche Option, mit der beide Seiten gut leben können.

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Schmidt schrieb dennoch noch einmal zurück, um 13.57 Uhr meldete sich HAM International wieder und legte einen Forderungskatalog vor, in dem etliche Punkte zu Absichtserklärungen geworden waren. Die Rückführung der Markenrechte aus dem e.V. in die KGaA wurde allerdings zum 30. Juni gefordert, und die Mitgliederversammlung ist erst für den 2. Juli angesetzt.

Und nun ist also Fauser da, der neue Geschäftsführer. In Kreisen von Insolvenzverwaltern genießt die Stuttgarter Kanzlei Anchor, wo er als Partner und Geschäftsführer fungiert, einen hervorragenden Ruf. Allein seine Berufung ist ein Indiz dafür, dass ein Insolvenzantrag der KGaA durchaus eine Option sein könnte. Und das schwächt Ismaiks Verhandlungsposition ungemein - ungeachtet seiner selbstbewussten Äußerungen der vergangenen Tage. Als Geldgeber wird er ja für die Regionalliga nicht mehr gebraucht. Indem er also seine Forderungen bis zum entscheidenden Tag des Lizenzierungsverfahrens aufrecht erhielt, stellte sich Ismaik letztlich selbst eine Falle, in die er hinein tapste.

Um einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren stellen zu können, müsste Fauser eine Überschuldung oder eine Zahlungsunfähigkeit der KGaA feststellen. In diesem Fall zwingt ihn das Gesetz zum sofortigen Gang zum Insolvenzrichter. Experten halten es im Fall 1860 für wahrscheinlicher, dass die Zahlungsunfähigkeit droht. Sie könnte dann gegeben sein, wenn Ismaik seine mit Fälligkeitsdaten versehenen Darlehen tatsächlich auf fällig stellen würde - das nächste soll im Sommer 2018 vorgesehen sein, und der Prognosezeitraum bei der Beurteilung einer Fortführung liegt im allgemeinen bei 18 Monaten.

Bislang waren die Fälligkeitsdaten ein Druckmittel für den Jordanier gegenüber dem e.V. Das ist wohl vorbei. Die Lage hat sich geradezu umgedreht - und das stärkt Fausers Position gegenüber Ismaik noch weiter. Denn wenn es zu einer Insolvenz käme, würde Ismaik vermutlich viel Geld verlieren. Egal, ob im Regelverfahren mit einem externen Insolvenzverwalter oder in Eigenverwaltung des Managements mit einem gerichtlich bestellten Sachwalter - die KGaA könnte sich entschulden. Ismaik müsste sein Geld vermutlich in den Wind schreiben. Denn seine Gesellschafterdarlehen sind als nachrangig eingestuft. Das heißt, bei etwaigen Zahlungen aus der Insolvenzmasse würden zunächst andere, vorrangige Gläubiger bedient.

Auf die Frage, ob der e.V. Ismaik als Gesellschafter im Zuge eines Insolvenzverfahrens loswerden könnte, verweisen Experten auf den sogenannten "Suhrkamp-Fall". Bei dem renommierten Literaturverlag gab es einen Minderheitsgesellschafter mit Sonderrechten, die dem Mehrheitseigner nicht passten. Als es zum Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung kam, wurde ein Insolvenzplan erstellt und der Verlag gesellschaftsrechtlich von einer KG in eine AG umgewandelt. Dadurch war der Minderheitsgesellschafter seiner Sonderrechte beraubt.

Juristische Auseinandersetzungen würden niemanden helfen

Allein die Personalie Fauser werten Experten als ein Indiz dafür, dass es zu einer Insolvenz in Eigenregie kommen könnte. Bei einer solchen könnte der Insolvenz- und Sanierungsexperte als Geschäftsführer im Amt bleiben; ihm würde vom Gericht lediglich ein beratender und als Wächter fungierender Berufskollege an die Seite gestellt. Ismaiks Einflussmöglichkeiten wären dann noch minimal. Er könnte natürlich den Rechtsweg beschreiten, was jahrelange juristische Auseinandersetzungen zur Folge hätte, die niemandem wirklich helfen würden.

Am allerwenigsten dem TSV 1860 München. Aber bei diesem Verein stellt sich ja ohnehin schon seit Jahren die Frage, womit er das alles verdient hat.

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