TSG HoffenheimMal wieder Krach im Kraichgau

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Als Manager der TSG Hoffenheim abberufen: Alexander Rosen, 45.
Als Manager der TSG Hoffenheim abberufen: Alexander Rosen, 45. (Foto: Uwe Anspach/dpa)

Mitten im Transfersommer entlässt die TSG Hoffenheim Sport-Geschäftsführer Alexander Rosen, für ihn übernimmt Akademiechef Frank Kramer. Der Zeitpunkt überrascht – obwohl Konflikte schon länger schwelen.

Von Ferdinand Schwarz, Sinsheim/München

So richtig bekommt selbst der überdurchschnittlich interessierte Bundesliga-Beobachter nur dann etwas von der TSG Hoffenheim mit, wenn es dort kracht. Entweder sportlich, wie einst durch starke Jahre unter Ralf Rangnick oder Julian Nagelsmann. Oder abseits des Spielfelds – und das war in der jüngeren Vergangenheit häufiger der Fall. Am Montag hat es im Kraichgau nun wieder heftig gescheppert: Hoffenheim hat unter anderem Sport-Geschäftsführer Alexander Rosen, 45, mit sofortiger Wirkung entlassen, kurz vor dem Saisonstart und mitten in einer Sommertransferperiode, in der die TSG bisher recht untätig war.

Zudem werden Marketingchef Denni Strich und Jan Meyer von ihren Positionen in der Geschäftsführung zurücktreten, der Technische Direktor Bastian Huber ist bereits freigestellt. Und auch der frühere Bundesliga-Profi Pirmin Schwegler, 37, bisher Leiter Profifußball der TSG, ist von seinem Amt zurückgetreten. Schwegler galt als Rosen-Vertrauter, zudem soll sein Ex-Klub Eintracht Frankfurt an ihm interessiert sein.

Von vier TSG-Geschäfsführern bleibt damit nur Markus Schütz im Amt. Der Jurist wurde Anfang Juli zum Vorsitzenden der Geschäftsführung ernannt, nachdem er zuvor von Klubpatron Dietmar Hopp als Mediator eingesetzt worden war – um einen Streit zwischen Hopp und dem e.V. zu schlichten. Dabei soll es laut übereinstimmenden Medienberichten im Frühjahr um eine mögliche Entlassung von Rosen gegangen sein, die Hopp angeblich forcierte, der damalige e.V.-Präsident Kristian Baumgärtner und dessen Nachfolgerin Simone Engelhardt aber ablehnten. Zuletzt wurde Schütz Rosens Vorgesetzter in der Geschäftsführung – ein weiteres Indiz für das angespannte Verhältnis zwischen Rosen und Hopp. Der inzwischen 84 Jahre alte Mäzen Hopp gab zwar 2023 seine Stimmenmehrheit an den Verein zurück, der Milliardär besitzt allerdings immer noch 96 Prozent der Anteile an der Spielbetriebs GmbH, der ausgegliederten Profiabteilung der TSG. Und irgendwie scheinen die wichtigsten Fäden im Klub noch immer bei Hopp und dessen Vertrauten zusammenzulaufen.

Die offizielle Begründung zum Kahlschlag im TSG-Management klang freilich anders. Im Branchen-Sprech teilte Präsidentin Engelhardt auf der Klubhomepage mit, dass „unsere Auffassungen über die künftige Ausrichtung am Ende zu unterschiedlich waren“. Vor allem die vergangenen Wochen seien entscheidend gewesen, in denen Manager Rosen auf dem Transfermarkt augenscheinlich defensiv agierte und bisher nur David Jurasek nach seiner Leihe von Benfica Lissabon neu zum Kader stieß.

Der Kader bräuchte Verstärkungen – bisher ist in diesem Sommer nicht viel passiert

Verstärkungen hat die TSG aber nötig, nicht nur, weil durch die Europa-League-Teilnahme eine Zusatzbelastung bevorsteht. In der Offensive endete die Leihe mit Angreifer Wout Weghorst, der Niederländer kehrt zum FC Burnley zurück. Zudem könnte der durchgestartete Jung-Nationalstürmer Maximilian Beier Hoffenheim verlassen, Meister Leverkusen und Premier-League-Vereine sollen Interesse haben. In der Defensive lief der Vertrag mit Innenverteidiger John Anthony Brooks aus, auch in diesem Mannschaftsteil täten neue Kräfte gut. Denn als Siebter der Bundesliga kassierte Hoffenheim in der Vorsaison die viertmeisten Gegentore.

Nach Rosens Entlassung soll sich nun interimsweise Frank Kramer um Transfers kümmern, der 2012 kurz mal TSG-Cheftrainer war und Anfang 2024 als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums und Nachfolger von Jens Rasiejewski nach Hoffenheim zurückgekehrt war. Rasiejewski musste damals gehen, auch diese Personalie soll zwischen Rosen und Hopp umstritten gewesen sein. Erfahrung als Manager hat Frank Kramer nicht, der 52-Jährige war lange Zeit als Trainer aktiv, zuletzt recht erfolgreich in Bielefeld und erfolglos bei Schalke 04. Rosen hingegen gilt in der Branche als gut vernetzt. Er führte die TSG in seinen mehr als zehn Jahren als Manager dreimal ins europäische Geschäft und erwirtschaftete in diesem Zeitraum mit 160 Millionen Euro das größte Transferplus aller Bundesligisten.

Ohne Rosen und mit Manager-Novize Kramer wird es bei der TSG wohl erneut auch auf das Netzwerk von Roger Wittmann ankommen, dem Chef der Berateragentur Rogon. Der pflegt seit Hoffenheims Bundesligaaufstieg 2008 enge Verbindungen zum Klub und zu Hopp. Seine Agentur brachte Spieler wie Roberto Firmino, Joelinton oder Georginio Rutter nach Hoffenheim und fädelte später deren gewinnbringenden Verkauf ein. Andere von Rogon betreute und von der TSG teuer erworbene Spieler wie Stanley Nsoki oder Attila Szalai floppten, was unter anderem Teile der Fans im Februar dazu veranlasst hatte, bei einem Spiel mit Bannern gegen den Einfluss von Rogon und Wittmann auf den Verein zu protestieren.

Auch auf Cheftrainer Pellegrino Matarazzo könnte Rosens Abschied Auswirkungen haben. Matarazzo soll bei seiner Verpflichtung im Februar 2023 vor allem Rosens Wunschkandidat gewesen sein, Hopp und dessen Umfeld sollen Kenan Kocak favorisiert haben. Nicht auszuschließen also, dass Matarazzo, der mit der TSG eineinhalb Jahre mit großen Hochs und Tiefs hinter sich hat, beim nächsten Hauskrach in Hoffenheim zur Hauptperson wird.

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