Triathlon:Sprint in die Zukunft

Triathlon: Vincent Luis, der hier als Erster aus dem Wasser steigt, ist auch am Ende der Sieger in München.

Vincent Luis, der hier als Erster aus dem Wasser steigt, ist auch am Ende der Sieger in München.

(Foto: Martin Hangen/hangenfoto)

Die Super League Triathlon liefert in München das erwartete Spektakel, auch wenn die deutschen Starter nicht ganz nach vorne laufen können.

Von Jonas Kraus

Am Sonntagmorgen atmeten die Organisatoren der Super League Triathlon (SLT)auf. Das Wetter hatte gehalten, anders als am Samstag zogen keine unvorhergesehenen Regenschauer über München. "Was ein Glück", sagte Adam Leitch, einer der Organisatoren. Eine nasse Radstrecke hätte das Rennen deutlich gefährlicher gemacht, schließlich führte die Route im Wechsel über Asphalt und Kopfsteinpflaster durch den Olympiapark, dazu hatten die Macher mehrere scharfe Kurven eingebaut. Die Sturzgefahr bei Nässe wäre groß gewesen. Doch der Himmel über der bayerischen Landeshauptstadt präsentierte sich dann doch bilderbuchmäßig weiß-blau - dem Spektakel stand nichts im Weg.

Und die Rennen dieses neuen Triathlon-Formats hielten, was die Organisatoren sich davon versprochen hatten. Schnell sollte es sein, kurzweilig, spektakulär. Die Ingolstädterin Anabel Knoll, die mit einer Wildcard am Start war, sagte: "Das ist die Zukunft." Und meinte damit nicht ihren 13. Platz, sondern diese neue Form des Triathlons. Die SLT ist eine Rennserie mit vier Sprint-Triathlons in vier Wochen. Jedes Mal in einer anderen Stadt. Der Start war vor einer Woche in London, die nächsten beiden Rennen steigen in Jersey und Malibu. Das Format ändert sich dabei jedes Mal geringfügig.

In München wurde die Startreihenfolge über ein Radzeitfahren entschieden, dann erst folgte der eigentliche Sprint-Triathlon. 300 Meter Schwimmen im Olympiasee, danach 3,6 Kilometer Radfahren und 1800 Meter Laufen. Das ganze zwei Mal. Nicht jeder Zuschauer hatte am Anfang den vollen Durchblick. "Warum laufen die jetzt nicht?", fragte einer nach dem vorgelagerten Zeitfahren - und erntete dafür nur Schulterzucken.

Je länger der Tag dauerte, umso besser verstanden aber alle, wie der Modus funktionierte. Angelockt von lauter Musik und einem sehr motivierten Ansager versammelten sich immer mehr Zuschauer an der Strecke oder machten es sich auf den Hügeln im Olympiapark gemütlich. Die Veranstalter schätzten, dass mehr als 800 Zuschauer die Rennen verfolgten. "Besser geht's nicht", befand Olympia-Teilnehmerin Knoll, die davon ausgeht, dass man mit dieser neuen Form des Triathlons Leute begeistern könne, die ansonsten den Sport eher links liegen lassen.

Im Frauenrennen war dann eine Olympiasiegerin nicht zu schlagen. Die Britin Jess Learmonth, die in Tokio Gold im Mixed-Team holte, setzte sich mit großem Vorsprung durch. Einfach sei es aber nicht gewesen. "Es war technisch sehr anspruchsvoll", erklärte sie, nachdem sie sich die 20 000 Euro Preisgeld gesichert hatte. "Hoffentlich findet die Super League ab jetzt jedes Jahr in München statt", sagte sie. Das stehe den Organisatoren zufolge nach der Premiere noch nicht fest. Aber einen Triathlon gibt es im Olympiapark sicher bald wieder: den de European Championships 2022.

Bei den Männern konnten die drei Deutschen Jonas Schomburg (Hannover), Jannik Schaufler (Ravensburg) und der Nürnberger Simon Henseleit auch nicht ganz nach vorne laufen, wenngleich vor allem Henseleit als Wildcard-Teilnehmer mit Platz elf zu überraschen wusste. Enttäuscht war dagegen Olympiastarter Schomburg nach Platz 17. "Ich war einfach platt, langsam wird die Saison lang", klagte er. Eigentlich hatte er sich schon mehr ausgerechnet, die Form stimmte . "Aber immer klappt das halt nicht." Das Rennen habe er dennoch genossen. Viele Freunde und Bekannte hätten zugeschaut. "Die hatten bestimmt ihren Spaß bei diesem Format."

Gewonnen hat der Franzose Vincent Luis. "Mehr geht nicht", sagte Luis danach, der sich nun auf anstrengende Tage einstellen muss. Das nächste Rennen steigt nächsten Sonntag in Jersey (USA), direkt hinreisen kann er aber nicht. Erst wartet noch eine Begegnung der besonderen Art. "Morgen darf ich zum Präsidenten", sagte er sichtlich stolz. Emmanuel Macron zeichnet ihn für seine Team-Bronze-Medaille von Tokio aus. Stressig? "Ja, aber eine größere Ehre gibt es nicht."

© SZ/lib
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