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Triathlon:Auf der Rolle

226 Kilometer bewältigt, aber nicht mehr als fünf Meter von der Stelle bewegt: Jan Frodeno sammelt mit seinem "Ironman daheim" Spenden.

Von Frank Hellmann

Der Triathlet Jan Frodeno hat gerade das ungewöhnlichste, vielleicht sogar das einprägsamste Osterfest seines Lebens gefeiert. Ähnlich ging es seinem Manager Felix Rüdiger. Die beiden 38-Jährigen, seit einer gemeinsamen Zeit am Olympiastützpunkt Saarbrücken freundschaftlich wie geschäftlich verbandelt, verbrachten den Tag danach mit ihren Familien, um etwas herunterzukommen. Auch organisatorisch war es schließlich ein Kraftakt, was Frodeno am Ostersamstag gelungen war. Für einen sog. "Ironman daheim" war er 3,8 Kilometer in einem Pool geschwommen, 180 Kilometer auf einem Rollentrainer Rad gefahren und 42,195 Kilometer auf einem Laufband gelaufen, alles zu Hause am Rande der spanischen Stadt Girona - und im Livestream nachzuverfolgen. Es ging darum, Hilfsgelder im Kampf gegen die Coronakrise einzusammeln.

Für den dreimaligen Ironman-Weltmeister hatte der außergewöhnliche Tag um acht Uhr morgens mit dem Schwimmen in einem kleinen Becken begonnen, in das er kurz vor den rigiden Ausgangsbeschränkungen noch eine Gegenstromanlage hatte installieren lassen. Frodeno stieg ins 13 Grad kalte Wasser, sein Hund bellte dabei - und von Minute zu Minute stieg die Spendensumme. Mit der Zielankunft waren 200 500 Euro zusammengekommen. Der Gesamtbetrag wird sich wohl noch deutlich erhöhen. Denn die Plattform viprize.org/frodeno, auf der Teilnehmer auch einen exklusiven Trainingstag mit Frodeno gewinnen können, ist noch bis zum 30. Mai freigeschaltet. Der eine Teil des Geldes geht als Soforthilfe an Helfer, Ärzte und vom Virus betroffene Menschen in Frodenos Wahlheimat, wo es an Atemmasken oder Schutzkleidung fehlt. Der andere Teil fließt in die Organisation "Laureus Sports for Good", die sozial-sportpädagogische Projekte nach der Krise anstoßen will.

Ironman daheim - Frodeno

„Keine Weltrekorde gebrochen, aber es gibt keine Worte dafür, was heute passiert ist“: Jan Frodeno in seinem privaten Pool mit Gegenstromanlage. 3,86 Kilometer schwamm er hier am Ostersamstag auf der Stelle.

(Foto: Nik Howe/dpa)

"Keine Weltrekorde gebrochen, aber es gibt keine Worte dafür, was heute passiert ist", sagte Frodeno ergriffen, als er nach 8:33:40 Stunden die Hände geballt hatte, obwohl die Zeit natürlich zweitrangig war. "Ich bin überwältigt von der Unterstützung. Danke an alle, die online unterstützt, zugeschaut, gespendet, geradelt oder gelaufen sind. Vielleicht sogar geschwommen." Zwar hatte er nicht direkt dazu ermuntert, ihn nachzuahmen, aber rund 1000 Mitstreiter ließen es sich nicht nehmen, sich über ein Simulationsprogramm beim Radfahren und Laufen digital in Frodenos Windschatten zu begeben.

Weltweit verfolgten Hunderttausende den über diverse Kanäle verbreiteten Live-Stream, den etwa auch die Bild-Zeitung oder die spanische Zeitung Marca auf ihren Internetseiten teilten. Felix Rüdiger hatte technisches Equipment aus Deutschland geliefert. Der Manager koordinierte von Saarbrücken aus den Gesamtauftritt, die Bildmischung erfolgte über einen Plattformbetreiber aus London und die Fragen zum sogenannten "Tri@home" überbrachte der in Girona gleich in der Nähe Frodenos lebende Triathlon-Moderator Till Schenk, der auch die zugeschaltete Sport-Prominenz begrüßte.

Frodeno nicht ganz allein beim ´Tri@home"

180,2 Kilometer auf dem Rad mal anders: Jan Frodeno riet vor dem Start seines Triathlons zu Hause ausdrücklich davon ab, es ihm nachzumachen. Für die 3,8 Kilometer schwimmen, das Radfahren auf der Rolle und 42,195 Kilometer auf einem Laufband brauchte er 8:33:40 Stunden.

(Foto: Nik Howe/dpa)

Die Fußball-Weltmeister Mario Götze und André Schürrle, Boris Becker und Andrea Petkovic, Zeitfahr-Radweltmeister Fabian Cancellara und Frodenos Triathlon-Konkurrent Sebastian Kienle plauderten mit dem schwitzenden Hauptdarsteller. Dessen Ehefrau Emma brachte derweil Kaffee und selbst gebackenes Bananenbrot, dessen Rezeptur in einem Einspieler verraten wurde: Zu den Zutaten gehören demnach auch zwei Esslöffel Bier. "Das ist der erste Ironman, bei dem ich mehr Kalorien zu mir nehme, als ich verbrenne", scherzte der Triathlon-Olympiasieger von 2008 zwischendurch.

Mental sei es eine große Herausforderung gewesen, "diese 226 Kilometer zu bewältigen, ohne mich mehr als fünf Meter von der Stelle zu bewegen", sagte Frodeno danach. Deshalb habe er auch nicht vor, diese Grenzerfahrung in der Isolation zu wiederholen. Vielleicht bleibt ihm aber bald gar nichts anderes übrig.

Die gerade an amerikanische Besitzer gelangte Triathlon-Dachmarke Ironman mit ihren global mehr als 200 Veranstaltungen hält an mittlerweile realitätsfremd anmutenden Plänen fest, dass sich die Triathleten noch in diesem Jahr in weltumspannenden Rennen für den Höhepunkt am 10. Oktober auf Hawaii qualifizieren. Kürzlich wurden die Kriterien insofern aufgeweicht, dass erstmals Startberechtigungen über ein so genanntes Legacy-Programm erteilt werden.

Frodeno nicht ganz allein beim ´Tri@home"

Einsam auf dem Laufband zu Hause in Girona: Ein Teil des Spendengelds geht an Betroffene in Frodenos spanischer Wahlheimat.

(Foto: Felix Rüdiger/dpa)

Vielleicht sind also schon bald gar Qualifikationsmöglichkeiten über einen wie auch immer gearteten Heim-Ironman keine Utopie mehr. Jan Frodeno wäre der Konkurrenz mit seinem Osterfest 2020 jedenfalls weit voraus.

© SZ vom 14.04.2020

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