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Treue Seelen im Fußball:"Ein Kavalier verlässt seine Dame nicht"

Alessandro del Piero ging mit Juve in die zweite Liga, Thomas Schaaf blieb 41 Jahre bei Werder. Eine Auswahl der treuesten Seelen des Fußballs.

Von Martin Anetzberger

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Karl-Heinz Körbel - Eintracht Frankfurt

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Quelle: imago sportfotodienst

Ironie des Schicksals: Karl-Heinz Körbel (links) ist Rekordspieler der Bundesliga, konnte aber nie den Meistertitel gewinnen. Den DFB-Pokal holt er hingegen gleich vier Mal und im Jahr 1980 den Uefa Cup. Im Trikot von Eintracht Frankfurt kam Körbel in der Liga 602 Mal zum Einsatz und spielte als Profi zwischen 1972 und 1991 niemals für einen anderen Verein. Dabei sind Berlin, Hamburg oder München doch auch schöne Städte.

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Klaus Augenthaler - FC Bayern München

FC Bayern München, Real Madrid, 1987, Klaus Augenthaler, Emilio Butragueno

Quelle: Imago

Im Alter von 18 Jahren stieß Klaus Augenthaler von seinem Heimatverein FC Vilshofen zur A-Jugend des FC Bayern. Von 1977 an kam er in der Bundesliga zum Einsatz. Er spielte auf der mittlerweile ausgestorbenen Libero-Position und führte den FC Bayern zu zahlreichen nationalen Titeln - darunter sieben deutsche Meisterschaften. Nach dem Ende seiner Laufbahn blieb er als Trainer bei den Bayern, von 1992 bis 1997 fungierte er als Co-Trainer. Danach geschah das Unvorstellbare: Er verließ die Münchner, um Cheftrainer des Grazer AK in Österreich zu werden. Nach 22 Jahren FC Bayern.

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Bastian Schweinsteiger - FC Bayern München

FC Bayern Muenchen v 1. FSV Mainz 05 - Bundesliga

Quelle: Lars Baron/Getty Images

Bastian Schweinsteiger spielte seit seinem 14. Lebensjahr für den deutschen Rekordmeister und ist zur zentralen Identifikationsfigur des Vereins herangereift. Nach zwei verlorenen Champions-League-Endspielen gelang dem Mittelfeldspieler mit dem Titelgewinn 2013 die Krönung seiner Laufbahn bei den Münchnern. Was lange unvorstellbar ist: Jetzt spielt er bei Manchester United.

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Xavi Hernández - FC Barcelona

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Quelle: AFP

Den FC Barcelona verlassen? Zu einem anderen Topklub ins Ausland wechseln? Xavi Hernández entschied sich jahrelang dagegen. Er kam im Alter von elf Jahren zu den Katalanen, gehörte zu den prägenden Figuren jener Mannschaft, die Europa mit ihrem Tiki-Taka-Fußball verzauberte. Neben zahlreichen nationalen Titeln gewann er vier Mal die Champions League. Zum letzten Mal in diesem Jahr, als Barça im Finale 2015 Juventus Turin mit 2:1 bezwang. Am Tag danach verabschiedete sich der kleine Mittelfeldspieler mit dem herausragenden Ballgefühl im Camp Nou von den Fans - mit dem Henkelpott als Abschiedsgeschenk. Der mittlerweile 65-Jährige zog weiter zum katarischen Klub Al-Sadd SC.

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Iker Casillas - Real Madrid

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Quelle: AFP

Auch Barcelonas Erzrivale Real Madrid hat herausragende Spielerpersönlichkeiten lange an sich binden können. Torwart Iker Casillas wuchs in einer Madrider Vorstadt auf und begann im Alter von acht Jahren in der Jugend von Real. Mit dem Verein gewann er unter anderem fünf Mal die Meisterschaft und drei Mal die Champions League. Von den Fans wird er "San Iker" genannt, der heilige Iker. In der Saison 2013/14 schien sich seine Karriere bereits dem Ende entgegen zu neigen, als er sich die Hand brach und monatelang ausfiel. Nach seiner Genesung war er zwar für die Champions League und den Pokal gesetzt, in der Liga aber nur Ersatz. Casillas spielt jetzt für den FC Porto.

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Raúl - Real Madrid

REAL  MADRID - BAYER LEVERKUSEN

Quelle: DPA

Bevor Raúl González Blanco zu einer treuen Seele werden konnte, musste er - zumindest in den Augen der Fans von Atlético Madrid - einen Verrat begehen. Von der Jugend des Arbeitervereins, dem auch sein Vater die Daumen drückt, wechselte Raúl 1994 zu den "Königlichen" von Real. Dort stieg er zu einer Ikone des Klubs auf. Zwischen 1994 und 2010 schoss er in mehr als 700 Pflichtspielen 322 Tore und gewann alles, was es zu gewinnen gibt - davon drei Mal die Champions League. Danach erfreute der charismatische Stürmer noch zwei Jahre lang die Fans des FC Schalke 04 und gewann 2011 den DFB-Pokal. Der mittlerweile 38-Jährige spielte zuletzt bei New York Cosmos und beendete dort seine Karriere.

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Alessandro Del Piero - Juventus Turin

FBL-ITA-JUVENTUS-CAGLIARI

Quelle: AFP

Zu seiner großen Liebe steht man in guten wie in schlechten Zeiten. Niemand hat das so eindrucksvoll unter Beweis gestellt wie der italienische Stürmer Alessandro Del Piero. Nach dem Zwangsabstieg von Juventus Turin 2006 versprach er den Fans zu bleiben. "Ein Kavalier verlässt seine Dame nicht", sagte er damals. Juventus, was übersetzt "Jugend" bedeutet, wird von den Fans oft als "vecchia signora" ("alte Dame") bezeichnet. Ein Jahr später schaffte der Klub auch dank der 20 Tore von Del Piero den direkten Wiederaufstieg in die Serie A. 2012 verließ er Juve dann doch - und wechselte zum FC Sydney. Davor hatte er mit dem italienischen Rekordmeister in 19 Jahren acht Meistertitel, einmal den italienischen Pokal, einmal die Champions League sowie den Uefa Cup gewonnen.

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Paolo Maldini - AC Mailand

AC Milan's Maldini waves to the supporters at the end of the Italian Serie A soccer match against AS Roma in Milan

Quelle: REUTERS

Er kam in Mailand zur Welt und lebt noch heute dort. Dazwischen arbeitete er in der norditalienischen Stadt als Fußballer für den immer gleichen Verein - AC Mailand. Kaum ein Name ist so eng mit dem Klub verbunden wie der von Paolo Maldini. Schon in der Jugend kickte er ausschließlich bei Milan. Es folgten 25 Jahre als Profi-Abwehrspieler (sieben Meistertitel, ein Pokalsieg, zwei Landesmeistertitel, drei Champions-League-Siege). 2009 beendete er schließlich seine Karriere - im Alter von 40 Jahren.

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Francesco Totti - AS Rom

Francesco Totti

Quelle: dpa

Nach einem Heimsieg oder Unentschieden des AS Rom schallt stets Antonello Vendittis Lied "Grazie Roma" durch das Stadion. Mit dabei ist dann auch meist der gebürtige Römer Francesco Totti, die lebende Legende des Vereins. Kein Spieler ist öfter für die Roma aufgelaufen als er. Seit seine Profikarriere 1993 begann, trägt er das rote Trikot des Vereins, seit seiner Kindheit ist er Fan. Diese Verbundenheit zur Roma hat ihm einen internationalen Titel verwehrt, die Champions League oder die Europa League wird er mit seinen bereits 39 Jahren nicht mehr gewinnen. Gut möglich, dass sie nach seinem Karriereende Vendittis Lied trotzdem in "Grazie Francesco" umdichten.

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Steven Gerrard - FC Liverpool

PICTURES OF THE YEAR 2005

Quelle: REUTERS

"Ich weiß, was es bedeutet, für diesen Klub und diese Anhänger zu spielen. Ich werde niemals gehen", sagte Steven Gerrard einst in einem Interview mit der britischen BBC. Seit seiner Kindheit, genauer seit dem Jahr 1989, hatte der Mittelfeldspieler für den FC Liverpool gespielt. Es folgten 17 Jahre als Profi bei den Reds, in denen Gerrard die Champions League (2005, im Bild), den Uefa Cup (2001) sowie zwei Mal den FA Cup und drei Mal den League Cup gewann. Nur die Meisterschaft blieb im verwehrt - drei Mal reichte es nur zu Platz zwei. Irgendwann ging er dann doch. Nach der Saison 2014/15 war Schluss für ihn, die Anfield Road bereitete ihm einen bewegenden Abschied. Ab der kommenden Spielzeit läuft er in der amerikanischen MLS für Los Angeles Galaxy auf. Er hat Liverpool genug gedient.

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Ryan Giggs - Manchester United

CHAMPIONS LEAGUE BAYERN MÜNCHEN - MANCHESTER UNITED

Quelle: dpa

Ähnlich wie der Spanier Raúl spielte Ryan Giggs (links, im Duell mit Stefan Effenberg vom FC Bayern) in der Jugend zunächst beim Stadtrivalen, bevor er den Verein seiner Bestimmung fand. Nach zwei Jahren Manchester City wechselte der Waliser zu United. Es war der Auftakt für eine beeindruckende Karriere, die er vorwiegend auf dem linken Flügel absolvierte. Seine Titelsammlung ist so gigantisch, er konnte damit ein wenig die Enttäuschungen mit der walisischen Nationalmannschaft kompensieren. In 24 Profijahren (1990-2014) bei Manchester United gewann er unter anderem 13 Mal die Meisterschaft, vier Mal den Pokal und zwei Mal die Champions League. Wie Alessandro Del Piero war er bei seinem Abschied als Aktiver bereits 40 Jahre alt. Er ist mit 916 Pflichtspielen Rekordspieler bei United. Bei so vielen Titeln macht Treue auch Spaß.

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Paul Scholes - Manchester United

Manchester United's Scholes holds his head during their English Premier League soccer match against Tottenham Hotspur at Old Trafford in Manchester

Quelle: REUTERS

Einer der wichtigsten Weggefährten Giggs' bei Manchester United war der zentrale Mittelfeldspieler Paul Scholes. Er spielte sowohl in der Jugend als auch während seiner Profikarriere ausschließlich für Manchester United, lief in mehr als 700 Pflichtspielen für den Verein auf. Die Titelliste ist nur wenig kürzer als die seines Waliser Teamkameraden.

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Thomas Schaaf - SV Werder Bremen

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Quelle: SZ

Thomas Schaaf und Werder Bremen, das ist eine lange Geschichte: Sechs Jahre als Spieler in der Jugend, zwei Jahre bei den Amateuren, 17 Jahre bei den Profis. Dann wechselte er ins Trainerlager. Sieben Jahre Jugend-, vier Jahre Amateur- und schließlich 14 Jahre als Trainer der Profimannschaft. Zusammen macht das 41 Jahre SVW inklusive dreier Meistertitel, fünf DFB-Pokalsiege und dem Gewinn des Europapokals der Pokalsieger (1992). Sein anschließendes Jahr als Trainer von Eintracht Frankfurt wirkt da wie eine Fußnote der Geschichte.

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Michael Zorc - Borussia Dortmund

Borussia Dortmund v Bayer Leverkusen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Heute ist Michael Zorc Sportdirektor bei Borussia Dortmund. Doch er ist schon seit 1978 beim Revierklub zu Hause. Damals spielte er noch in der Jugend. In dieser Zeit bekam er wegen seiner langen Haare auch den Spitznamen "Susi", der ihm bis heute geblieben ist. Zorc erzielte in 17 Bundesliga-Jahren 131 Tore für den BVB und zählt damit zu den torgefährlichsten Mittelfeldspielern der Geschichte. Er spielte nie für einen anderen Verein. 1995 und 1996 führte er die Mannschaft zur deutschen Meisterschaft, außerdem gewann er den DFB-Pokal (1989) sowie die Champions League (1997).

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Ralf Bucher - SpVgg Unterhaching

ZICKLER OF BAYERN MUNICH CHALLENGES UNTERHACHINGS BUCHER DURING THEIR MATCH IN UNTERHACHING

Quelle: REUTERS

Ralf Bucher erlebte nie den Glamour großer Vereine wie Real Madrid oder Bayern München. Doch seine Treue ist beeindruckend. 20 Jahre lang spielte der Innenverteidiger bei der SpVgg Unterhaching, als Profi niemals für einen anderen Verein. Titel gewann er keine. Grund zum Feiern gab es aber wiederholt. 1989, 1992 und 1995 stieg er mit dem Münchner Vorstadtklub in die zweite Bundesliga auf. 1999 folgte dann gar der Sprung in die Bundesliga (rechts, im Duell mit Bayern-Stürmer Alexander Zickler). Nach zwei Bundesliga-Jahren stieg Bucher mit den Hachingern allerdings wieder bis in die dritte Liga ab. 2009 beendete er seine Karriere, er blieb aber in Haching. Erst als Marketingleiter, dann als Co-Trainer. Mittlerweile ist die SpVgg nur noch viertklassig.

© Süddeutsche.de

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