Transfers im Fußball:Er bleibt, er bleibt nicht...

Für einen Weggang mit Knalleffekt ist es für Kevin De Bruyne zu spät. Vom Dauerbegehrten bis zum Treuebrecher: eine Typologie der Fußballtransfers.

Von Christopher Gerards

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Der Dauerbegehrte

Hecking und De Bruyne

Quelle: dpa

Erfreut alle Zeitungsmacher, weil er zuverlässig Sommer-, Winter-, Herbst- und/oder Frühlingslöcher füllt. Beschäftigt zudem die sogenannten Gerüchteküchen an den Standorten Madrid, Manchester und München. Der Dauerbegehrte fällt dabei nicht durch sogenannte Treueschwüre auf. Er spricht nur noch selten in Mikrofone, erhöht dadurch aber den Nachrichtenwert seiner Sätze. Typischer Spielersatz: Man muss abwarten. Typischer Reportersatz: Er lässt seine Zukunft weiter offen. Der Dauerbegehrte sucht Upgrades: sportliche, finanzielle, oder solche, die beides beinhalten. Jüngste Beispiele: Robert Lewandowski, Angel di Maria und natürlich Kevin De Bruyne.

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Der Treuebrecher

Hamburger SV v VfL Wolfsburg - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Ist mit dem Dauerbegehrten insofern verwandt, als dass die Öffentlichkeit an seiner beruflichen Zukunft großen Anteil nimmt. Schwört im Gegensatz zu ihm allerdings intensiv die Treue zum aktuellen Verein, auch ungefragt. Verlängert mitunter sogar noch seinen Vertrag. Beispiel Hakan Calhanoglu, HSV: "Ich möchte noch lange für den Verein in der Bundesliga spielen und in den kommenden Jahren zu einem festen Bestandteil der Mannschaft werden." Diesen Satz hat Calhanoglu nach seiner Vertragsverlängerung beim HSV gesagt, im Februar 2014. Seit Juli 2014 ist Calhanoglu fester Bestandteil der Mannschaft von Bayer 04 Leverkusen.

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Der Überraschungstransfer

Das Duell Bayern gegen BVB

Quelle: dpa

Er weiß um seinen Marktwert und wird als interessanter Spieler behandelt. Muss im Unterschied zum Dauerbegehrten seine Zukunft aber nicht wöchentlich kommentieren. Dies hängt auch von der Diskretion des interessierten Vereins ab. Die Vollzugsmeldung des Überraschungstransfers wirkt umso effektiver, wie Mario Götzes Wechsel von Borussia Dortmund zum FC Bayern belegt hat: Nachdem er publik geworden war, sank der Aktienkurs des BVB um vier Prozent. Der Überraschungstransfer wird zum Dauerbegehrten, wenn sich erste Anzeichen von Unzufriedenheit am neuen Spielort andeuten. Auch hier gilt: siehe Mario Götze.

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Der Heimatverliebte

FC Bayern Muenchen - Champions Party

Quelle: Bongarts/Getty Images

Spielt die längste Zeit seiner Fußballkarriere bei einem einzigen Verein. Spricht mal kurz über diesen Traum (Manchester, Barcelona) oder jenen interessanten Verein (Manchester, Barcelona), bleibt aber bis zur Rente oder darüber hinaus, wo er herkommt. Prominente Beispiele des Heimatverliebten stammen aus den Großräumen München (Vgl. Lahm, Philipp/Müller, Thomas) und Gelsenkirchen (Vgl. Höwedes, Benedikt). Beliebtes Attribut: Identifikationsfigur. Eine Sonderkategorie des Heimatverliebten ist der späte Kosmopolit: Er bleibt lange bei seinem Verein, will im höheren Fußballeralter aber nochmal eine andere Liga/eine andere Währung kennenlernen (Vgl. Schweinsteiger, Bastian).

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Der Entschlossene

Arsenal FC v Borussia Dortmund - UEFA Champions League

Quelle: Getty Images

Ist verwandt mit dem Dauerbegehrten, unterscheidet sich aber in der Rhetorik. Lässt seine Zukunft nicht einfach offen, sondern denkt offen über seinen Abschied nach. Will teils mehr Geld verdienen, teils aber auch schlicht seine Position in der Mannschaftshierarchie verbessern. "Ein weiteres Jahr will ich nicht auf der Bank sitzen", sagte zum Beispiel Petr Czech, bevor er vom FC Chelsea zum FC Arsenal wechselte. Der Entschlossene bleibt aber nicht immer entschlossen: "Gündogan will gerne in diesem Sommer wechseln", sagte Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc. Das war im Mai. Im August hat Ilkay Gündogan sein erstes Ligaspiel in der Saison 2015/16 bestritten. Für Borussia Dortmund.

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Der Losgewordene

Rafael van der Vaart

Quelle: dpa

Wird neuerdings oft im Großraum Hamburg gesichtet. Besitzt einen für den Spieler sehr einträglichen und für den Verein sehr belastenden Vertrag, der nicht verlängert wird. Heißt schon mal Heiko Westermann, Rafael van der Vaart, Marcel Jansen oder Slobodan Rajkovic. Ein Sonderfall ist aus München bekannt und heißt Christian Lell: Er sollte 2009 vom FC Bayern zu Stoke City wechseln, war aber nach offizieller Lesart nicht auffindbar. Den Vertrag mit Stoke konnte er nicht unterschreiben. War im Jahr darauf nach offizieller Lesart auffindbar und konnte bei Hertha BSC unterschreiben.

© SZ.de/leja
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