Transfers Dortmund plant ohne Schürrle

Andre Schurrle wird den BVB sehr wahrscheinlich verlassen.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Borussia Dortmund will die kommende Saison nicht mit André Schürrle bestreiten.
  • Während der US-Reise hat man den Spieler freigestellt, damit er Vertragsverhandlungen führen kann.
  • Die Spur führt nach England zum Verein Crystal Palace in Süd-London.
Von Johannes Kirchmeier

Den Moment, der André Schürrle berühmt machte, haben Milliarden gesehen. Ein Sololauf in einem weit fortgeschrittenen Spiel, eine Flanke mit links - was man halt so macht als Außenstürmer. Dem ARD-Kommentator Tom Bartels war die Aktion damals zunächst nicht mehr wert als ein "Schürrle". Als der Ball anschließend durch die Luft flog, prognostizierte er: "Der kommt an." Erst danach wurde er langsam lauter: "Mach ihhhhn. Mach ihn! Er macht ihn. Mario Götzeeeee."

Der Rest ist bekannt, er lief in den vergangenen vier Jahren rauf und runter. Deutschland wurde Weltmeister 2014. Götze versteigerte seine Schuhe anschließend für einen guten Zweck. Zwei Millionen Euro kamen so zusammen; mittlerweile stehen die Schuhe im deutschen Fußballmuseum in Dortmund. Schürrle, der ruhige Ludwigshafener, der Vorlagengeber, hielt sich lieber im Hintergrund.

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Der fehlende Name im Spielberichtsbogen

In der Nacht zum Samstag europäischer Zeit hat Mario Götze nun nach schwereren Jahren wieder mal ein goldenes Siegtor geschossen, das 1:0 der Dortmunder in Chicago im Vorbereitungsspiel gegen Pep Guardiolas Manchester City. Gemeinsam mit André Schürrle ist er ja mittlerweile in Dortmund angestellt, allerdings aller Voraussicht nach nicht mehr sehr lange. Schürrle fehlte auf dem Spielberichtsbogen, Borussia Dortmund bestätigte am Samstag über den Kurznachrichtendienst Twitter, dass der 27-Jährige für Verhandlungen mit einem anderen Klub freigestellt sei. Laut Sportdirektor Michael Zorc soll Schürrle "Sondierungsgespräche mit konkretem Hintergrund" führen. Die Spur führt angeblich zu Crystal Palace in die englische Premier League.

Auch Schürrles Berater Ingo Haspel äußerte sich inzwischen zu dem Thema. "Der Verein hat André in den vergangenen Tagen mitgeteilt, dass man auf seiner Position anders plant. Ich bin allerdings überrascht, dass er schon am Samstag nach Deutschland zurückfliegt. Ich muss dann erst mal mit ihm sprechen", erklärte Haspel den Ruhrnachrichten. Derweil ist der BVB nach übereinstimmenden Medienberichten an einer Verpflichtung des belgischen Nationalspielers Axel Witsel interessiert. Das meldete die Bild-Zeitung, zuerst hatte die Funke Mediengruppe über das BVB-Interesse an dem Mittelfeldspieler berichtet. Derzeit steht Witsel, 29, bei Tianjin Quanjian in China unter Vertrag.

Und Schürrle? Mit dem goldenen Moment 2014 kam seine Karriere wie auch die von Götze abrupt ins Stocken - als hätten sie bei hoher Geschwindigkeit die Handbremse gezogen. Schürrle wechselte ein halbes Jahr nach seiner Vorlage in Rio vom FC Chelsea nach Wolfsburg, doch so richtig überzeugen konnte er dort nicht. Trotzdem verpflichtete ihn Dortmund im Sommer vor zwei Jahren. Einen Tag nach Mario Götze, der vom FC Bayern zurückkam.

Der BVB setzte große Hoffnungen in das Weltmeister-Duo, doch eine ähnliche Kombination wie im Maracana-Stadion in Rio de Janeiro produzierte es in Dortmund nicht. Inzwischen spielt auch keiner der beiden mehr in der Nationalmannschaft. Der neue Trainer Lucien Favre, so war die Hoffnung der Anhänger und auch der beiden Offensivspieler, solle sie wieder zurück zur Weltklasse bringen.

Sechs Konkurrenten auf der Außenbahn

Und Götze will er tatsächlich noch einmal eine Chance geben, sagte Favre bereits sehr früh. Er plant ihn auf einer neuen Position als defensiven Mittelfeldspieler ein. Gegen Manchester City spielte Götze mit der Kapitänsbinde dann doch etwas offensiver. Während er also unverhofft wieder jubiliert, scheint Schürrles Tristesse anzudauern. Die Abreise zeigt, dass Favre mit ihm nichts mehr vorhat. Schürrle hat in Christian Pulisic, Marco Reus, Jadon Sancho, Maximilian Philipp, Jacob Bruun Larsen und Zugang Marius Wolf letztlich zu viel Konkurrenz auf der Außenbahn. Drei Treffer in 33 Ligapartien für den BVB verstärkten seine Position ohnehin nicht.

Ein Neuanfang indes könnte Schürrle zurück in die richtige Bahn bringen. Die englische Boulevardzeitung Sun mutmaßt, dass er im Tausch für den Ivorer Wilfried Zaha zu Crystal Palace gehen könnte. Nach London. Also in die Stadt, in der er damals während seines goldenen Moments 2014 beim FC Chelsea unter Vertrag stand. Es wäre eine Rückkehr, ja ein Sololauf, aus dem André Schürrle noch einmal Hoffnung schöpfen könnte.

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