Transfergerücht um Bayern-Spieler Ribéry: Viel Wirbel um einen oiden Huat

Franck Ribéry will bald wieder spielen - manche dachten heute kurzfristig, er wechselt nach London.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Wechselt Franck Ribéry für 64 Millionen Euro zum FC Chelsea? Ein fast 33-jähriger Dauerverletzter? Diese Schlagzeile sorgte heute für Erstaunen.
  • Es stellt sich heraus: Hinter der Falschmeldung der Zeitung Daily Mail steckt ein Versehen.
Von Jonas Beckenkamp

Da haben die Engländer aber wieder eine originelle Sau durchs Dorf getrieben, das muss man ihnen lassen. Das Transfergerücht, das an diesem Donnerstag durchs Netz geisterte, hatte das Potential, so etwas wie die Absurdität des Jahres zu werden. Es geht um Bayerns Franck Ribéry, es geht um eine obszön hohe Summe und es geht um die Mechanismen moderner Medien. Wer durch Timelines auf Facebook oder Twitter stöberte, kam um diese Meldung kaum herum: Angeblich soll der FC Chelsea bereit sein, 64 Millionen Euro für Ribéry zu latzen. Für einen 32-jährigen Dauerverletzten.

Verbreitet wurde diese Nachricht der überschaubar seriösen Londoner Zeitung Daily Mail am Vormittag über diverse Kanäle des News-Rauschens: Guardian, ESPN, Eurosport (auf beiden letztgenannten Seiten wurde es später entfernt). Auch Sport1 und die Abendzeitung berichteten, Focus Online schrieb: "Chelsea lockt mit Mega-Angebot vor Comeback". Die Rede war von "sagenhaften 45 Millionen Pfund", mit denen Chelsea-Boss Roman Abramowitsch den Wechsel noch im Januar vollziehen wolle. Nun muss man über Ribéry wissen, dass er zwar mal ein formidabler, explosiver Außenflitzer war, aber dass er auch bald seinen 33. Geburtstag feiert. Seine Karriere dürfte ihren Höhepunkt schon hinter sich haben.

In den vergangenen eineinhalb Jahren absolvierte er wegen andauernder Verletzungen gerade einmal 22 Spiele. Das aktuelle Wehwehchen, eine Knochenhaut-Entzündung am Sprunggelenk, entpuppte sich als so gravierend, dass der Franzose seit März im Krankenstand ist. Bis vor wenigen Wochen konnte er kaum laufen, immer wieder gab es Gerüchte über ein vorzeitiges Karriereende. Für diesen Mann will der FC Chelsea nun angeblich 64 Millionen hinblättern? Wenn das stimmt, müsste Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge aber mal ganz schnell "Champs-Élysées" sagen und Ribéry höchstpersönlich an die Stamford Bridge chauffieren.

Allerdings: Es steht ja schlecht um die Londoner, die in der Liga eine monumentale Krise durchleben und derzeit nur auf Platz 15 herumdümpeln. Und groteske Verzweiflungs-Transfers gab es im Fußball schon genügend. Aber dass die Herren Mourinho, Abramowitsch & Co. einen solchen Deal andenken, ist dann doch ein Fall für den Kokolores-Kessel.

FC Bayern München Bayerns neue Nüchternheit
Analyse
Vor der Mitgliederversammlung

Bayerns neue Nüchternheit

Mit viel Hurrafußball und wenig Folklore bereitet der FC Bayern seine Mitgliederversammlung vor. Der Verein erfreut sich derzeit einfach an sich selbst - reicht das, um Trainer Guardiola länger zu halten?   Von Sebastian Fischer

Und tatsächlich entuppte sich die Sache schließlich als Kapitel aus dem Schmarrn-Einmaleins. Grund: Der ursprüngliche Artikel des Daily Mail, auf den sich alle bezogen, stammt aus dem Jahr 2009. Ein klassischer oida Huat, sozusagen - oder auch: eine Ente.

Ein technisches Versehen soll den Text der Zeitung mit einem neuen Datum ausgestattet und ins Netz gespült haben. Beweise für den Fehler gibt es genug: So bezieht sich das Blatt in dem Artikel beispielsweise auf einen Menschen namens Ron Gourlay, der vermeintlich "neue Vorstandsboss" des FC Chelsea. Dumm nur, dass der sein Amt zwar im Oktober 2009 antrat, aber seit 2014 nicht mehr bei den Londonern arbeitet. Weiter heißt es, dass Ribéry "noch einen Vertrag bis Sommer 2011" habe - im Jahr 2015 ist das natürlich nicht mehr unbedingt breaking news.

Übrigens (und das stimmt jetzt aber wirklich): Ribéry hofft dieser Tage trotzdem auf sein Comeback beim FC Bayern. Insgeheim peilt er einen Kurzeinsatz im letzten Bundesliga-Heimspiel des Tabellenführers in der Hinrunde am 12. Dezember gegen Ingolstadt an. "Warum nicht?" fragte der Franzose am Mittwochabend am Rande eines Sponsorentermins in München. Er sei guten Mutes. Sein Sprunggelenk reagiere positiv auf die Belastungen im Aufbautraining.

Am Sonntag will er erstmals wieder mit der Mannschaft trainieren. "Die Verletzung ist immer besser. Ich arbeite seit zwei Wochen gut auf dem Platz. Ich kann alles machen, was ich will, mit Ball, Grundschnelligkeit, Sprint", so Ribéry, "das ist super, das ist sehr schön. Ich freue mich."

Auch wenn Restzweifel an seiner Fitness für den ganz großen Wettbewerb angebracht bleiben, könnten Ribéry schon bald wieder sehenswerte Spiele gelingen. Selbst für den Fall, dass kein Klub der Welt mehr bereit ist, 64 Millionen Euro für ihn zu bezahlen.

10. Todestag von George Best

Der Fußballer, der sein Geld und Talent verprasste