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Transfer von Mario Gomez:Flucht nach Florenz

Mario Gomez AC Florenz FC Bayern München

Auch im Trainingslager in Italien gab es für Mario Gomez einsame Momente.

(Foto: REUTERS)

Tore hat er stets zuverlässig geschossen, aber zuletzt wurde die Distanz zwischen Mario Gomez und dem FC Bayern immer größer: Nun wechselt der Stürmer in die Toskana. Warum ging er nicht nach Neapel? Der Klub bot mehr Geld und spielt Champions League.

Das wohl Unvermeidliche zog sich hin, und jene Tage, die nun als die letzten des Stürmers Mario Gomez beim FC Bayern in die Vereinschronik eingegangen sind, werden sicher nicht die angenehmsten gewesen sein. Weder für Gomez selbst, noch für den Trainer Pep Guardiola, der ja am Gardasee weilt, um ungestört an Kader und System der kommenden Saison zu feilen.

Doch am Montagnachmittag bestätigte Markus Hörwick, der Mediendirektor der Bayern, schließlich, was zuvor bereits durchgesickert war: Mario Gomez wird zum AC Florenz wechseln. Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge und der Boss des italienischen Erstligisten, Andrea Della Valle, hätten "eine grundsätzliche Einigung" über den Transfer erzielt. Ein Kontrakt stehe zwar noch aus, "in den kommenden ein, zwei Wochen" soll aber unterzeichnet werden. Gomez wird in Florenz wohl einen Vertrag bis 2017 unterschreiben, der mit vier Millionen Euro pro Jahr dotiert sein soll. Noch am Nachmittag reiste er ab, Mario Gomez ging nicht einfach. Er floh aus Riva.

Es sei eine "schwierige Entscheidung" für ihn gewesen, erklärte er in einem Interview auf der Vereins-Homepage, "den besten Verein der Welt zu verlassen". Und fügte hinzu: "Bayern München hat mir den größten Wunsch, den man als Fußballer haben kann, ermöglicht: den Champions-League-Titel." Wozu er allerdings selbst nicht mehr viel beitragen durfte.

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In den Tagen, die er im Trentino noch erdulden musste, hat sich Gomez professionell gegeben. Bei den neuen Trainingsspielchen mit Guardiola hat er fleißig mitgewirkt, und als die Bayern am Freitag gegen eine Amateur-Elf 13:0 gewannen, drehte er brav auf dem Nebenplatz Runden, obwohl er nicht einmal mehr im Kader stand. Zu groß war wohl das Verletzungsrisiko vor einem Transfer, und überhaupt: Warum sollte Guardiola ihn spielen lassen, wenn Trainer und Stürmer keine gemeinsame Zukunft mehr haben würden?

Ob Gomez in der Theorie einen Platz hätte finden können im System Guardiolas, diese Frage ist nicht geklärt. Der Spanier hat ihn ja gelobt, er nannte ihn gar einen "großen Fußballspieler". Ob größer als die Konkurrenten Mandzukic und Pizarro, das sagte er zwar nicht, aber es ist ja wirklich so: Gomez hat in seiner Zeit bei den Bayern meist das geliefert, was von einem Stürmer erwartet wird. Er schoss die Tore wie bestellt: 115 in 174 Spielen.

Warum also musste er gehen? Und wann genau stand fest, dass die Bayern ihn loswerden wollen? Schon, als er unter Trainer Heynckes als Stürmer Nummer drei kaum noch eingewechselt wurde, als Pizarro für Mandzukic ins Spiel rotierte? Und war das monatelang andauernde Buhlen um Dortmunds Offensivkraft Lewandowski nicht auch ein klares Zeichen an Gomez: Schau her, Mario, du hast bei uns keine Zukunft mehr?

Zwischentöne in der Mannschaft

Wer den Zwischentönen lauschte in den vergangenen Monaten, auch in Riva wieder, der konnte hören, dass irgendetwas zwischen Mannschaft und Gomez geraten war, das sich schwer greifen ließ. Auch Philipp Lahm, der Bayern-Kapitän und Nationalmannschaftskollege, lobte ihn als "Topstürmer", das war ja auch nicht zu bestreiten. "Wir sind ganz entspannt", sprach Lahm kürzlich: "Solange bei Mario nichts entschieden ist, ist er Teil der Mannschaft." Doch es lag auch eine Spur von Distanz in diesem Ausspruch, weil Lahm, genau wie alle anderen Kollegen eines eben niemals sagte: Es wäre schön, wenn Mario bei uns bliebe, wir brauchen ihn.

Auch bei den Fans war Gomez durchaus akzeptiert, niemand hat vergessen, dass er in seinem letzten Pflichtspiel, im Pokalfinale gegen Stuttgart, den Sieg fast im Alleingang besorgte. Auf dem Trainingsplatz in Arco feierten sie ihn, wenn er denn mal nahe genug an die Tribüne rückte (worauf er selten noch Lust hatte), "Mario, Mario!", skandierten dann viele. Und ein enthemmter Fan im grünen Werder-Trikot, der hier wohl zufällig urlaubt, schrie von allen am lautesten: "Mario, komm doch zu uns!" Ein Scherz: Gomez ist natürlich immer noch zu gut für das Werder Bremen der Gegenwart.

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In Florenz soll Gomez nun den allseits beliebten Ohrenschrauber Luca Toni ersetzen, den es zu Hellas Verona zog. Von der Spielveranlagung ist Gomez ähnlich strukturiert: vorne drinstehen, kurz warten, dann präzise schießen, meist ins Tor. So war Toni bei den Bayern, so war Toni in Florenz, und so war Gomez bei den Bayern.

Allein, warum nur ging er nicht nach Neapel? Der SSC hatte den Bayern 22 Millionen Ablöse geboten und dem Spieler ein Jahresgehalt von 6,4 Millionen. Gomez hätte in der Champions League gespielt und unter Trainer Rafael Benítez noch einiges gelernt. Aber jetzt? Maximal die Chance auf eine Teilnahme an der Europa League. Dafür wohnt er in der schönen Toskana und nicht in einer wilden Stadt an einem Vulkan, in der bekanntlich die Mafia recht präsent ist.

Zu diesen Fragen dürfte Mario Gomez gerne einmal sprechen. Wenn nicht auf der Bayern-Homepage, dann bei seiner Antrittsrede in Florenz. Dem Ziel seiner Flucht, dem Ort seiner Zukunft.