Süddeutsche Zeitung

Trainerwechsel in der Bundesliga:Guardiola kommt zum FC Bayern

Der begehrteste Trainer der Welt trainiert bald den FC Bayern: Beim Werben um Trainer Josep Guardiola stechen die Münchner zahlreiche andere Top-Klubs aus. Der 41-Jährige unterschreibt einen Vertrag bis 2016 und nimmt im Sommer die Arbeit auf - Jupp Heynckes beendet dann seine Karriere.

Von Andreas Burkert

Vorstand, Trainer und Präsidium des FC Bayern kommen gewöhnlich zu Wochenbeginn zusammen, der Montagstermin hat eine gewisse Tradition. Der Münchner Vorstand mit Karl-Heinz Rummenigge und Finanzchef Karl Hopfner, Trainer Jupp Heynckes und Präsident Uli Hoeneß, sie alle sind diesmal sehr kurzfristig am Mittwochnachmittag zusammengekommen - um kurz vor vier war die kompakte Sitzung im dritten Stock der Geschäftsstelle beendet, zumindest für Heynckes.

Der Termin in Rummenigges Zimmer diente dazu, den verdienten Fußballlehrer über einen veritablen Coup der Bayern zu informieren: Pep Guardiola, der bis Mittwoch begehrteste Coach des Planeten, wird ab kommenden Juli das Traineramt übernehmen von Heynckes, dessen Vertrag ausläuft. Guardiola soll nach SZ-Informationen diesen Freitag nach München kommen, und er hat bereits einen Dreijahresvertrag bis Ende Juni 2016 unterschrieben - sogar schon vor einigen Wochen, kurz vor dem Fest, noch im alten Jahr.

Dass der 41-jährige Katalane nach seinem Sabbatical den FC Bayern übernehmen würde, hatte sich in den vergangenen Tagen konkretisiert. Der innerste Zirkel des FC Bayern wurde zuletzt eingeweiht zur längst vollzogenen Einigung in der Trainerfrage, die Aufsichtsratschef Hoeneß zur Chefsache gemacht hatte. Wegen der zunehmenden Spekulationen mussten die Bayern ihren Zeitplan ändern und schon jetzt - nach einer fernmündlichen Absprache über das Kommuniqué mit Guardiola - die Personalie verkünden.

Am Mittwoch musste also auch Heynckes, der schon zu Saisonbeginn in einem SZ-Interview das Karriere-Ende nach der Saison avisiert hatte, informiert werden. "Vor Weihnachten" habe er Rummenigge diese Tendenz bestätigt und sie am Mittwoch abermals bekräftigt, teilte der FC Bayern dann am frühen Mittwochabend in einer seltsamen Passage seiner Erklärung mit. Denn man hätte einem Wunsch von Heynckes, 67, zur Vertragsverlängerung ja gar nicht mehr nachkommen können. Denn Wunschkandidat Guardiola war längst verpflichtet.

Die ersten Kontakte stellte im Mai 2012 der inzwischen entlassene Sportdirektor Christian Nerlinger zu Guardiola her. Der frühere Barça-Profi hatte kurz zuvor seinen Abschied nach vier erfolgreichen Jahren beim FC Barcelona angekündigt; er sei abgespannt und erschöpft von der großen Bühne, erklärte er damals. Guardiola zog mit seiner Familie nach New York, in ein Apartment am Central Park. Aber der Kontakt zu den Bayern riss nicht mehr ab.

In New York sollen die Bayern die spektakuläre Verpflichtung auch perfekt gemacht haben. Vergangene Woche hätten sich Hoeneß und Guardiola zudem in der Schweiz treffen können: Der Klubchef feierte in Graubünden den 61. Geburtstag und blieb noch einige Tage dort - Guardiola weilte am Montag vor einer Woche nur zwei Autostunden entfernt, bei der Kür der Weltfußballer in Zürich. Bei dem Termin hatte er sich noch ausweichend zu den Bayern geäußert, mit Respekt gegenüber Heynckes, der damals noch nicht informiert war.

Überrumpelter Heynckes

Zwar sind Hoeneß und Heynckes inzwischen nicht mehr ganz so eng befreundet wie einst, doch die Geheimhaltung diente natürlich vor allem dazu, diesen bemerkenswerten Deal nicht zu gefährden. Neben den Bayern hatte ja nahezu die komplette Spitze des europäischen Fußballs um Guardiola gebuhlt: Manchester City, das sogar vor einiger Zeit zwei frühere Guardiola-Vertraute aus gemeinsamen Barça-Zeiten für die Klubleitung verpflichtete; der FC Chelsea, der ihm 66 Millionen Euro für drei Jahre geboten haben soll; die aufstrebenden Geldverschwender von Paris St. Germain, der AC Mailand, der AS Rom.

Dass Guardiola woanders mehr Geld verdienen könnte, ist unbestritten. Den Ausschlag sollen nun die gewachsenen Strukturen der Bayern gegeben haben, ihre gute Nachwuchsarbeit, ihre diskreten Verhandlungen und generell die Seriosität des Klubs samt seiner finanziellen Möglichkeiten - sowie der Aufstieg der Bundesliga in der kontinentalen Hierarchie und die modernisierte Kultur des Fußballs hierzulande. Sein Landsmann, der frühere Schalke-Profi Raúl, soll Guardiola von den Bedingungen und den Stadien in Deutschland vorgeschwärmt haben. Offenbar mit Erfolg. Guardiola, der bei Barça stets nur für ein Jahr unterschrieb, will nun gleich drei Jahre in München bleiben.

Heynckes, ein Kenner und Liebhaber des spanischen Fußballs, wird den Transfer goutieren, obwohl der Vollzug ihn etwas überrumpelt haben mag. Zuletzt hatte es zwar geheißen, angesichts der starken Hinrunde des Tabellenführers überdenke er wieder sein geplantes Karriere-Ende. Doch letztlich stand er bei seiner Frau und auch bei sich im Wort, der frühere Nationalspieler möchte sich ab Sommer auch wieder seinem Bauernhof am Niederrhein und seinem Hund Cando widmen.

Rummenigge dankte Heynckes in einer Erklärung: "Für diese Entscheidung müssen wir als Klub, aber auch als Freunde von Jupp Heynckes Verständnis aufbringen", erklärte er, "wir haben dies zu akzeptieren (..). In dem sehr persönlichen Gespräch mit Jupp Heynckes haben wir uns aber auch gegenseitig versichert, alles - und jetzt erst recht alles - dafür zu tun, dass sowohl der FC Bayern als auch Jupp Heynckes eine erfolgreiche Rückrunde spielen und die Meisterschaft holen wollen." Uli Hoeneß ergänzte: "Als adäquater Nachfolger für Jupp Heynckes kam nur ein Trainer vom Kaliber eines Pep Guardiola in Frage."

Bevor der Spanier beginnt, wollen die Bayern mit Heynckes ihren ersten Titel nach zwei Jahren mit vielen Enttäuschungen gewinnen. Am Samstag, am Tag nach der angeblich geplanten Vorstellung Guardiolas, steigen sie mit einem Heimspiel gegen Schlusslicht Fürth in die Rückserie ein. Doch schon jetzt ist im Klub die Vorfreude groß auf diesen jungen Intellektuellen des Fußballs. "Pep Guardiola ist einer der erfolgreichsten Trainer der Welt und wir sind sicher, dass er nicht nur dem FC Bayern, sondern auch dem deutschen Fußball viel Glanz verleihen kann", sagte Rummenigge, "wir freuen uns auf die künftige Zusammenarbeit ab Juli 2013."

Die Freude wird ganz auf Gegenseitigkeit beruhen. Pep Guardiola zieht im Frühjahr samt Familie um. Er hat damit begonnen, Deutsch zu lernen.

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Quelle:
SZ vom 17.01.2013
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