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Trainerwechsel in der Bundesliga:Überrumpelter Heynckes

Zwar sind Hoeneß und Heynckes inzwischen nicht mehr ganz so eng befreundet wie einst, doch die Geheimhaltung diente natürlich vor allem dazu, diesen bemerkenswerten Deal nicht zu gefährden. Neben den Bayern hatte ja nahezu die komplette Spitze des europäischen Fußballs um Guardiola gebuhlt: Manchester City, das sogar vor einiger Zeit zwei frühere Guardiola-Vertraute aus gemeinsamen Barça-Zeiten für die Klubleitung verpflichtete; der FC Chelsea, der ihm 66 Millionen Euro für drei Jahre geboten haben soll; die aufstrebenden Geldverschwender von Paris St. Germain, der AC Mailand, der AS Rom.

FC Basel v Bayern Munich Friendly Match

Beendet wie geplant seine Karriere: Jupp Heynckes

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Dass Guardiola woanders mehr Geld verdienen könnte, ist unbestritten. Den Ausschlag sollen nun die gewachsenen Strukturen der Bayern gegeben haben, ihre gute Nachwuchsarbeit, ihre diskreten Verhandlungen und generell die Seriosität des Klubs samt seiner finanziellen Möglichkeiten - sowie der Aufstieg der Bundesliga in der kontinentalen Hierarchie und die modernisierte Kultur des Fußballs hierzulande. Sein Landsmann, der frühere Schalke-Profi Raúl, soll Guardiola von den Bedingungen und den Stadien in Deutschland vorgeschwärmt haben. Offenbar mit Erfolg. Guardiola, der bei Barça stets nur für ein Jahr unterschrieb, will nun gleich drei Jahre in München bleiben.

Heynckes, ein Kenner und Liebhaber des spanischen Fußballs, wird den Transfer goutieren, obwohl der Vollzug ihn etwas überrumpelt haben mag. Zuletzt hatte es zwar geheißen, angesichts der starken Hinrunde des Tabellenführers überdenke er wieder sein geplantes Karriere-Ende. Doch letztlich stand er bei seiner Frau und auch bei sich im Wort, der frühere Nationalspieler möchte sich ab Sommer auch wieder seinem Bauernhof am Niederrhein und seinem Hund Cando widmen.

Rummenigge dankte Heynckes in einer Erklärung: "Für diese Entscheidung müssen wir als Klub, aber auch als Freunde von Jupp Heynckes Verständnis aufbringen", erklärte er, "wir haben dies zu akzeptieren (..). In dem sehr persönlichen Gespräch mit Jupp Heynckes haben wir uns aber auch gegenseitig versichert, alles - und jetzt erst recht alles - dafür zu tun, dass sowohl der FC Bayern als auch Jupp Heynckes eine erfolgreiche Rückrunde spielen und die Meisterschaft holen wollen." Uli Hoeneß ergänzte: "Als adäquater Nachfolger für Jupp Heynckes kam nur ein Trainer vom Kaliber eines Pep Guardiola in Frage."

Bevor der Spanier beginnt, wollen die Bayern mit Heynckes ihren ersten Titel nach zwei Jahren mit vielen Enttäuschungen gewinnen. Am Samstag, am Tag nach der angeblich geplanten Vorstellung Guardiolas, steigen sie mit einem Heimspiel gegen Schlusslicht Fürth in die Rückserie ein. Doch schon jetzt ist im Klub die Vorfreude groß auf diesen jungen Intellektuellen des Fußballs. "Pep Guardiola ist einer der erfolgreichsten Trainer der Welt und wir sind sicher, dass er nicht nur dem FC Bayern, sondern auch dem deutschen Fußball viel Glanz verleihen kann", sagte Rummenigge, "wir freuen uns auf die künftige Zusammenarbeit ab Juli 2013."

Die Freude wird ganz auf Gegenseitigkeit beruhen. Pep Guardiola zieht im Frühjahr samt Familie um. Er hat damit begonnen, Deutsch zu lernen.

© SZ vom 17.01.2013

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