Trainersuche beim FC Bayern Könnte es Bayern verantworten, mit einer Übergangslösung durch die Saison zu gehen?

Ja, natürlich habe es "bereits Gespräche gegeben", bestätigte Sportdirektor Hasan Salihamidzic am Sonntag, wobei er das mehr so allgemein meinte und nicht konkret auf den Namen Tuchel bezogen. Dennoch, hört man, haben sich die Parteien offenbar bereits ausgetauscht, und am Ende dürfte es wohl um zwei entscheidende Fragen gehen. Die eine lautet: Trauen sich die Bayern an diesen herausfordenden Trainercharakter heran? Das Verhältnis zwischen den Rivalen aus München und Dortmund ist zurzeit wieder recht intakt, und so darf man davon ausgehen, dass der mit Tuchel aufs Innigste verfeindete BVB-Boss Aki Watzke seinem westfälischen Landsmann Karl-Heinz Rummenigge ein paar kompromittierende Tuchel-Geschichten erzählt haben dürfte. Und ebenso sicher darf man sein, dass Watzke die anderen Geschichten nicht erzählt haben wird - jene, die den BVB belasten würden und Tuchel das Arbeiten definitiv erschwert haben.

Und die zweite entscheidende Frage lautet: Wer ist zurzeit eigentlich der FC Bayern? Sind sich Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge in der Trainerfrage einig?

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Fürs zweite mögliche Denkmodell wäre eine massive Einigkeit in der Chefetage jedenfalls nicht so schlecht, denn das Modell würde ein hohes Risiko beinhalten: Könnten es die Bayern angesichts ihrer satzungsgemäß verankerten Maximalziele verantworten, mit einer Übergangslösung durch die Saison zu gehen - um etwa auf Julian Nagelsmann zu warten, den die Hoffenheimer trotz traditionell guter Drähte nach München kaum mitten in der Saison freigeben werden? Aber welche Übergangslösung sollte das sein: ein Dreivierteljahr mit dem gebürtigen Bayer Weinzierl oder dem ehemaligen Bayern-Coach Jonker - oder gar mit Interimstrainer Willy Sagnol, dessen Qualitätsnachweis bisher ausschließlich in einem 2:2 in Berlin besteht und darin, als Spieler ausgesprochen schöne Halbfeld-Flanken geschlagen zu haben?

Die Wahrscheinlichkeit, schon bald einen Bayern-Trainer namens Nagelsmann zu erleben, sei zuletzt ohnehin etwas kleiner geworden, heißt es - unter anderem, weil Michael Reschke, inzwischen Sportchef in Stuttgart, die Bayern verlassen hat. Reschke galt als offensivster Nagelsmann-Befürworter im Klub, und umgekehrt heißt es von Nagelsmann, ihm habe Reschkes Abschied in München nicht gefallen.

Der junge Coach ist inzwischen schon leicht genervt von den zahlreichen Spekulationen, und den Münchner Machern wiederum dürften Hoffenheims jüngste Niederlagen in Europa League und Bundesliga nicht entgangen sein. So deutet zurzeit vieles auf den Trainer mit Wohnung in München hin, aber es dürfte von den Verhandlungen abhängen, wann die Bayern mit einem neuen Trainernamen heraus rücken. Bis Ende der Länderspielpause wolle man eine Lösung präsentieren, hatte Uli Hoeneß am Anfang des Wochenendes gesagt. Gegen Ende des Wochenendes sagte nun Hasan Salihamidzic, dieser Zeitpunkt sei "der Wunsch von Uli Hoeneß". Man werde sich "Zeit lassen".

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