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Trainer Torsten Fröhling bei 1860:Fröhlings Rochaden funktionieren

Der Gelobte selbst war, was seine eigene Zukunft anging, auch positiv gestimmt. Was er denn nach dem Urlaub mache, wollte ein Reporter wissen. "Ich komme hierher und arbeite", sagte Fröhling prompt. Also ist das sicher, dass er weitermacht? "Nein, das wird man sehen, es gab aber keine Zeichen vom Verein, dass man nicht mit mir weiterarbeiten möchte. Aber natürlich ging es erstmal um diesen Tag heute", sagte er.

Seine Rochaden im Spiel waren dann doch aufgegangen, wenn auch mit viel Glück. Fröhling hatte auf den im Hinspiel wirkungslosen Ungarn Krisztián Simon verzichtet. In der zweiten Halbzeit konnte er gerade rechtzeitig seine eigene Linie korrigieren, als er den wirkungslosen Rubin Okotie unter Pfiffen vom Feld nahm und in den letzten 20 Minuten neue Leute brachte. Man darf durchaus feststellen: Mit den eingewechselten U21-Spielern Julian Weigl, Marius Wolf und Korbinian Vollmann hat Fröhling das Spiel gedreht.

Kann der Verein diesen Rettungsverantwortlichen nun einfach so gehen lassen? Von den Zuständigen gibt es zu der Personalie noch nichts Konkretes, was nach so einem Tag irgendwie verständlich war. Präsident Gerhard Mayrhofer sagte nur, es gebe "großen Gesprächsbedarf". Am Dienstag hatte sich auch der lange verschollene Investor Hasan Ismaik in einem offenen Brief gemeldet. Jener Investor, von dem Mayrhofer sagte, dass in entscheidenden Wochen vor dem Relegationsspiel kein Kontakt mit dem Jordanier möglich war. Auch Sportchef Gerhard Poschner sagte nur, man werde nach einer "miserablen Saison" nun "alles besprechen".

Sehr wahrscheinlich wird es dabei auch um seine Position gehen, denn er verantwortet einen Kader, der wortwörtlich Zentimeter vor dem Abstieg in die dritte Liga stand (das Saisonziel, damals noch ausgegeben von Trainer Ricardo Moniz, war übrigens: Meisterschaft). Dass es viele Personen im und um den Verein gibt, die nicht mit Poschner weitermachen wollen, ist kein Geheimnis mehr. Sogar von einer geplanten vorzeitigen Ablösung war die Rede, die am Widerstand von Ismaiks Vertrautem Noor Basha gescheitert sein soll.

Zu all diesen Sachverhalten, die mit einem Startplatz in der zweiten statt in der dritten Liga natürlich leichter zu diskutieren sind, äußerte sich Trainer Fröhling nicht. Musste er auch nicht. Er vergaß nur für einen kurzen Moment, dass seine Position noch unsicher ist, als er nach der Zukunft der Mannschaft gefragt wurde. "Wir müssen schauen, dass wir gestärkt aus dieser Situation hervorgehen und es uns nicht ergeht wie dem HSV, die ja wieder in der Relegation gelandet sind."

Fröhling selbst glaubt an seine Spieler: "Dieses Team ist so jung. Wer durch dieses Stahlbad geht, der hat Qualität und Perspektive. Man muss vielleicht an ein paar Stellschrauben drehen, aber einen Umbruch wird es mit mir nicht geben. Das verspreche ich." Dann fiel ihm auf, was er gerade verkündet hat, und schob hinter. "Achso, also falls ich was zu sagen habe."

© SZ.de/jbe/rus
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