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Fußball-Bundesliga:Kaiserslautern als Warnung: Dauerhaft in der Versenkung

Erschwerend kommt hinzu, dass die zweite Liga nicht mehr als Gesundbrunnen taugt. Zu groß sind inzwischen die finanziellen Unterschiede: Wer absteigt, der verliert selbst beim direkten Wiederaufstieg mit den folgenden Einbußen beim Fernsehgeld summa summarum 30 Millionen Euro - so ging jedenfalls die Rechnung von Frankfurts Vorstandsmitglied Axel Hellmann nach dem Abstieg 2011. Alles auf die Karte Wiederaufstieg setzen, galt bei der Eintracht für die Saison 2011/2012 als oberste Prämisse. Wäre das nicht gelungen, hätte ein Schicksal wie dem 1. FC Kaiserslautern gedroht, nämlich dauerhaft in der Versenkung zu verschwinden.

Die meisten Abstiegskandidaten werden in der zweiten Transferperiode nun auch deshalb so umtriebig sein, weil in RB Leipzig der nächste fremdfinanzierte Verein ins Oberhaus drängt. Die Sachsen würden in der Bundesliga eher das Establishment angreifen als sich im Abstiegskampf einordnen. Der Brause-Ableger muss sich dafür heftiger Attacken erwehren.

Auf einer öffentlichen Diskussionsrunde am zweiten Spieltag lästerte Eintracht-Präsident Peter Fischer vor der Frankfurter Arena unverhohlen: "Mir kann doch keiner erzählen, dass die Spieler nach Leipzig gehen, weil dort die Luft so schön ist oder man auf deren Seen Wasserskifahren kann. Da geht es nur ums Geld." RB Leipzig sei eben "einer von diesen Dosen-und-Plastik-Vereinen. Wir als Eintracht Frankfurt haben da keine Chance. Das ist kein fairer Wettbewerb."

Leipzig hat Geld - und Rangnick

Bruchhagen äußert sich moderater, aber ähnlich: "Bei RB kommen zwei Dinge zusammen, die uns wehtun. Zum einen verfügt Leipzig über erhebliche Finanzmittel. Zum anderen hat der Klub in Ralf Rangnick eine Person, die es gut macht." Auch deswegen würde er förmlich spüren, "dass die 50+1-Regel in den kommenden Jahren stark Gegenstand der Diskussion sein wird."

Hannover 96 ist der Klub, der die so genannte 50+1-Regel - Kapitalanleger dürfen nicht die Stimmenmehrheit übernehmen - ab 2017 umgehen darf. Dann dürfen 96-Förderer, die seit mehr als 20 Jahren finanziell engagieren, weitere Anteile erwerben. Das hat Klubchef Martin Kind gegenüber der Deutschen Fußball Liga (DFL) durchgepaukt. Aktuell genügen in Hannover ein Budget von rund 80 Millionen Euro und Personalkosten von rund 35 Millionen Euro ebenso wenig für eine sorgenfreie Saison wie in Frankfurt der auf 38 Millionen Euro erhöhte Gehaltsetat und ein Umsatz jenseits der 100-Millionen-Marke.

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In der Bankenstadt wurde deshalb am Heiligabend des Transfer des Mexikaners Marco Fabian verkündet, einen Tag vor Silvester die Verpflichtung des Ungarn Szabolcs Huszti. Das alles nur, um am Ende "drei Mannschaften hinter uns zu lassen", wie Trainer Armin Veh sagt. Sein Vorgänger Thomas Schaaf hat wiederum nun in der niedersächsischen Landeshauptstadt angeheuert, um den Abstieg abzuwenden. Nicht nur der Trainer wird in der Rückrunde neu sein, sondern ein halbes Dutzend neue Spieler sollen kommen, um den Kraftakt an der Leine irgendwie hinzubekommen.

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