Bundesliga:Wie Tanker, die vom Kurs abgekommen sind

Und Robin Dutt, der beim VfB seit Januar 2015 den Weg definiert, versucht den Leuten nach tagesaktuellen Debakeln immer zu erklären, "dass die Traditionsvereine nicht über Nacht da gelandet sind, wo sie jetzt stehen". Eichin und Dutt müssen zurzeit immer doppelt antworten, wenn sie gefragt werden. Sie müssen neutral die Abwärtsentwicklung der Vereine benennen; aber sie wollen auch ein bisschen parteiisch andeuten, dass nicht sie selbst am Anfang dieser Entwicklung standen. Das ist gar nicht so einfach: öffentlich auf Missstände zu verweisen, die (bei Werder) unter Schaaf und Allofs und (beim VfB) unter Hundt und Heldt und Bobic begannen, ohne die Namen Schaaf, Allofs, Hundt, Heldt und Bobic in den Mund zu nehmen.

Robin Dutt löst das Problem elegant, er sagt: "Bei den Traditionsklubs wird Kritik nie einzelnen Leuten gerecht. Man kann nie sagen, dass einzelne Leute den Verein da hin gebracht haben."

Bundesliga: SZ-Grafik

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Jenseits der klubinternen Details fällt tatsächlich auf, wie sich die Wege gleichen. In Bremen und Stuttgart haben sie die Meistertitel 2004 bzw. 2007 genutzt, um in den folgenden Europacup-Jahren herrlich ihr Geld zu verbraten. Sie haben zahllose Millionen in Spieler gesteckt, die in Bremen Carlos Alberto, Wesley, Arnautovic oder Elia und in Stuttgart Kuzmanovic, Pogrebnjak oder Marica hießen. Gleichzeitig haben sie Spieler, die Özil, Mertesacker, Gomez oder Khedira hießen, verkauft, und die abenteuerlichen Einnahmen haben sie in abenteuerliche Ablösesummen und Gehälter für die neuen Spieler investiert; blöderweise haben die alten Spieler dann auch mehr verdienen wollen, und als die Ausgaben fürs ganze Unternehmen ins Obszöne geschossen waren, haben beide Klubs - noch mal blöderweise - die europäischen Wettbewerbe leider verpasst.

Was sie jetzt hatten, war: ein Kader, der auf Champions-League-Niveau verdient. Was sie nicht mehr hatten: einen Kader, der Champions League spielen kann.

"Es gibt in so einem Fall keine Alternative: Du musst runter von den Kosten", sagt Thomas Eichin, "und es ist klar, dass damit ein Verlust an Spielstärke einher geht." Eichin spricht von "drei Schritten", die er einleiten musste, "erst haben wir uns von allen Großverdienern getrennt, dann haben wir Spieler aus dem eigenen Nachwuchs herangeführt, und parallel versuchen wir, auf dem Markt ablösefreie Spieler zu finden, für die wir eine Fantasie entwickeln, die andere Klubs vielleicht nicht haben". Werder Bremen muss also eine Mainz-05-Politik betreiben, mit der lästigen Einschränkung, dass es Mainz 05 schon gibt. "Die meisten Klubs machen heute ja diese Art von Politik", sagt Robin Dutt, und so gibt es für begabte 20-Jährige zurzeit nicht rasend viele Gründe, in den Abstiegskampf nach Bremen oder Stuttgart zu wechseln, wenn man sich im ruhigen Mainz vielleicht viel besser für Leverkusen oder Schalke empfehlen kann.

Liga mit Neureichen und aufstrebendem Bürgertum

Es ist schön und auch schön schwer, ein Verein zu sein, für den früher mal Hansi Müller, die Förster-Buben, Klinsmann, Buchwald und Balakov gespielt haben (VfB) oder eben, bei Werder, Völler, Bratseth, Bode, Eilts und Micoud. An solchen Orten versteht es vielleicht der Kopf, keinesfalls aber der Bauch der Fans, dass der alte, verarmte Adel auf einmal nichts mehr gelten soll in einer veränderten Liga mit vielen Neureichen (Wolfsburg) und einem aufstrebenden Bürgertum (Mainz).

"Das Problem ist, dass die Leute oft Soforthilfe erwarten", sagt Dutt. "Aber der Weg nach unten war ein langer Prozess, also muss man davon ausgehen, dass der Rückweg nach oben auch dauert. Zumal man ehrlicherweise sagen muss, dass einem auf dem Rückweg natürlich auch Fehlentscheidungen unterlaufen - wie bei uns in der Trainerfrage." Dutt hatte den VfB Alexander Zorniger anvertraut, der sich als schwer kontrollierbares, schwäbisches Fundamentalischdle entpuppte.

Traditionsklubs seien "schwere Tanker", sagt Dutt, "und bis die Tanker mit all ihrem Ballast gewendet haben, sind die kleinen Schnellboote wie Mainz schon losgefahren". Aber wenn die Tanker dann mal Fahrt aufnehmen, davon ist er überzeugt, "dann liegen sie auch wieder vorn".

Am Sonntag gibt's jetzt also erst mal das Elefantenrennen, Stuttgart gegen Werder, und danach wird's noch mal ernst für den VfB. Es folgt das Auswärtsspiel in Mainz.

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