Tour de France:Seltsam, wie die UCI mit dem Thema umgeht

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Laut UCI gründete der Verdacht gegen Sloweniens Radsport aber nicht nur auf der Operation Aderlass, sondern auch auf anderen Vorgängen. In der Tat sind im vergangenen Jahrzehnt weitere Slowenen wegen Dopings suspendiert worden, darunter Janez Brajkovic, früher Teamkollege von Lance Armstrong und der erste Slowene, der im Peloton Aufsehen erregte.

Allerdings ist es auch seltsam, wie die UCI mit diesem Thema umgeht. Im Frühjahr 2019 veröffentlichte sie ihren ungewöhnlichen Schritt, dass sie gegen Sloweniens Radsport ermittele. Seitdem tat sich offenkundig nichts mehr - und wer dieser Tage Fragen zum Verfahrensstand stellt, erhält keine Antworten darauf. Bei Roglic und Pogacar sind bisher noch keinerlei Hinweise auf Fehlverhalten bekannt.

In jedem Fall gibt es in Slowenien einen großen Pool an guten jungen Radsportlern - und aufgrund der überschaubaren Laufwege ein gutes Beobachtungsnetzwerk. Eine wichtige Rolle spielt etwa das Team Adria Mobil, ein Zweitligist, der unter der Verantwortung des Generalmanagers Bogdan Fink seit eineinhalb Jahrzehnten als Sammelstelle für viele junge slowenische Talente gilt. Auch Primoz Roglic erhielt dort seinen ersten Vertrag.

Eine andere wichtige Figur ist Milan Erzen, der als Trainer und Manager im slowenischen Radsport über viele Jahre vieles vorantrieb. Zuletzt war er daran beteiligt, das Team Bahrain-McLaren aufzubauen. Im Vorjahr veröffentlichte die französische Tageszeitung Le Monde eine Recherche, in der es darum ging, dass mögliche Verbindungen Erzens zur Aderlass-Affäre geprüft würden. Erzen wies jede Verstrickung stets strikt zurück: "Alle und jedwede Implikationen bezüglich meiner Involvierung an Aderlass sind absolut falsch und unbegründet." Die UCI eröffnete auch kein Verfahren gegen ihn. Erzen fügte am Mittwoch am Telefon noch an, dass er seit 2013 auch nichts mehr mit slowenischen Sportlern zu tun hatte.

Sloweniens Radsport stehen jedenfalls bemerkenswerte Tage bevor. In Frankreich wollen Roglic und Pogacar die weiteren Tour-Tage prägen; in dieser Woche stehen noch die schwere Ankunft auf dem Aigoual in den Cevennen (Donnerstag) und zwei Pyrenäen-Etappen am Wochenende an. Womöglich holt die Blutdopingaffäre den Radsport aber bald doch noch ein. Am 16. September, während der letzten Woche der Tour, beginnt in München der Prozess gegen den Sportarzt Mark Schmidt.

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