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Königsetappe der Tour de France:Manche Profis äußern Kritik am Spektakelfieber der Tour

Der Streckenplaner versucht seit einigen Jahren, die Etappen bei der Tour aufzumischen, nicht nur in den Bergen. Der größte Horror, hatte Gouvenou in einem Interview vor zwei Jahren erklärt, sei doch das immer gleiche Geschehen, das er in die Formel "4x4x4" kleidete: Vier Ausreißer fahren dem Peloton um vier Minuten davon und werden spätestens vier Kilometer vor dem Ziel wieder eingefangen. Als Gegengift flößen sie seit Jahren diverse Hindernisse in den Parcours ein: Bergetappen schon in der ersten Woche, wie in diesem Jahr, Kopfsteinpflaster, Schotterpisten, ultrakurze Kletterabschnitte, wie jene 65 Kilometer durch die Alpen vor zwei Jahren.

Das sei für ihn "moderner Radsport", sagte Christian Prudhomme damals, der Sportchef der Tour. Über manche Experimente haben sie freilich schnell den Mantel des Vergessens gelegt, wie beim sogenannten "Grid-Start" vor zwei Jahren in den Alpen. Das Peloton rollte sich damals nicht wie üblich ein; die besten zwanzig Fahrer des Klassements reihten sich vielmehr wie beim Start in der Formel 1 auf und sollten dann lospreschen. Und die Fahrer? Rollten gelangweilt los und fanden sich schnell in der gewohnten Formation zusammen.

Manche Profis äußerten schon damals Kritik am Spektakelfieber der Tour, man brauche auch jenseits der Ruhetage ab und zu Entspannung (was ja auch den Betrugsdruck mindern könnte). Bei dieser Tour hatte man das Gefühl, dass sich das Peloton - vor allem nach dem sturzgetränkten Auftakt in Nizza - diese Tage selbst gewährt, und sei es auf Etappen, die vorher als aufregend beworben worden waren. Andere, unscheinbarere Abschnitte arteten dafür in kleine Tempoinfernos aus, zum Beispiel, als die deutsche Bora-hansgrohe-Crew im Wettstreit ums Grüne Trikot gegnerische Sprinter abschüttelte.

Es ist eine abgestandene Binse, aber am Ende machen halt noch immer die Fahrer das Rennen - nicht allein der Kurs.

© SZ vom 16.09.2020/tbr

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