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Tour de France:Plötzlich kommt Teunissen

Tour de France - The 194.5-km Stage 1 from Brussels to Brussels

Peter Sagan (l.) und Mike Teunissen beim Zielsprint.

(Foto: REUTERS)
  • Mike Teunissen gewinnt die erste Tour-Etappe vor Peter Sagan.
  • Dessen Team erlebt einen unglücklichen Start in die Rundfahrt - auch weil Klassementfahrer Emanuel Buchmann zu den diversen Sturzopfern des Finales gehört.
  • Buchmann kam mit blutender Lippe und aufgeschürftem rechten Knie ins Ziel. Es sei aber "nichts Ernstes", teilte er hinterher mit.

Die kleine slowakische Fan-Delegation musste ein bisschen warten. Mit Fahne und Hut in Landesflagge stand sie in der Nähe des Mannschaftsbusses von Bora, doch es dauerte nicht lange, bis sie kreischen und klatschen konnte. Peter Sagan war nur geschwind ins Team-Fahrzeug geklettert, um den ersten Ärger wegzuduschen. Dann kam er mit dunkler Sonnenbrille vor den Augen wieder heraus - und tat zumindest so, als würde ihn die Situation nicht weiter belasten.

"Ich bin sehr happy", sagte er sogar nach seinem zweiten Platz zum Auftakt der 106. Tour de France, mit dem er knapp seinen zwölften Etappensieg und das Gelbe Trikot verpasste.

Ein bisschen Schwindelei mag da schon dabei gewesen bei diesem Statement des oft so forschen Slowaken. Mit zwei Kapitänen ist das Team Bora zur diesjährigen Frankreich-Rundfahrt angetreten, aber beide erlebten beim wie üblich nervösen Auftakt der Tour einen eher unglücklichen Tag.

Der Kletterspezialist Emanuel Buchmann, der einen Platz unter den ersten Zehn in der Gesamtwertung anpeilt, zählte zu den diversen Sturzopfern des Finales und kam mit blutender Lippe und aufgeschürftem rechten Knie ins Ziel. Es sei aber "nichts Ernstes", teilte er hinterher mit und übermittelte dabei dieselbe Diagnose wie der ebenfalls gestürzte Vorjahressieger Geraint Thomas (Team Ineos).

Eigentlich ist es Teunissens Aufgabe, den Sprint für seinen Kapitän anzuziehen

Der Sprinter Sagan wiederum, der neben ein paar Etappen zum siebten Mal das Grüne Trikot gewinnen will, war im Finale denkbar knapp geschlagen worden. Leicht bergauf ging es auf dem letzten Kilometer, es war also ein Profil, wie es Sagan behagt - und gut 200 Meter vor dem Ziel trat er auch an. Doch plötzlich kam der niederländische Außenseiter Mike Teunissen und schob sich noch um Zentimeter vorbei, wie erst das Fotofinish offenbarte.

Den Mann aus der Jumbo-Mannschaft hatte nun wirklich niemand auf dem Schirm, als es vor der Etappe um die möglichen Kandidaten für den Etappensieg gegangen war. Eigentlich ist es nämlich seine Aufgabe, den Sprint für seinen Kapitän Dylan Groenewegen anzuziehen. Aber dieser zählte in der Schlussphase auch zu den Sturzopfern, und so durfte es Teunissen dann selbst versuchen. "Ich habe gemerkt, dass alle am Ende gestorben sind, dann habe ich mir Sagan auf der Ziellinie geholt. Da brauche ich noch ein paar Tage, um das zu verstehen", sagte Teunissen.

Bora-Sprinter Sagan wiederum tat so, als habe er die Niederlage schon abgehakt. Er habe den Zwischensprint gewonnen, sei Zweiter der Etappe geworden und habe deswegen im Kampf ums Grüne Trikot nun genauso viele Punkte wie Teunissen. Er weiß, dass er im Laufe der Tour noch ein paar gute Chancen auf einen Etappensieg bekommen wird.

An diesem Sonntag zwar eher nicht, weil dann das Mannschafts-Zeitfahren ansteht, in dem Bora nicht zu den favorisierten Teams gehört. Aber der Abschnitt am Montag nach Epernay, mit drei schweren Hügeln gegen Ende, dürfte ein Parcours sein, in dem die klassischen Sprinter wie Groenewegen und auch Teunissen nicht mehr mitkommen mit der schnellsten Gruppe. Der vielseitigere Peter Sagan hingegen schon.

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