Tour de France:Drohender Spießrutenlauf

Lesezeit: 1 min

Tour de France: Christopher Froome bereitet sich im westlichen Frankreich auf die Tour de France vor. Sein Fall hat viele Reaktionen provoziert.

Christopher Froome bereitet sich im westlichen Frankreich auf die Tour de France vor. Sein Fall hat viele Reaktionen provoziert.

(Foto: Jeff Pachoud/AFP)

Titelverteidiger Christopher Froome fühlt sich nach seinem Doping-Freispruch wieder als Vertreter des sauberen Sports. Doch die Affäre belastet die Stimmung vor der Tour. Die Kritik richtet sich gegen ihn - und den Rad-Weltverband.

Beim ersten öffentlichen Auftritt Chris Froomes drängten mehr als hundert Reporter in die kleine Turnhalle des Örtchens Saint-Mars-La-Reorthe: Drei Tage vor dem Beginn der Tour de France proklamierte der nach einer neunmonatigen Prüfung vom Dopingvorwurf freigesprochene Radprofi nochmals seine Unschuld und bat um faire Behandlung. Eine "große Last" sei von seinen Schultern gefallen, sagte der Brite. Schon vor der Abreise nach Frankreich hat Froome vorsichtige Erklärungsversuche unternommen. Tatsächlich habe der am 7. September 2017 in Spanien gemessene Wert des Asthmamittels Salbutamol in seinem Urin weit weniger über dem erlaubten Limit gelegen als bisher publiziert, argumentierte er. Zudem hätten eine Dehydrierung nach der Etappe auf den Los Machucos und die Einnahme weiterer Medikamente gegen eine Infektion die Messung beeinflusst. Zuvor schon hatte die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) den Grenzwert für Salbutamol ohne Angabe von präzisen Gründen relativiert und herabgesetzt. Froome sagte dazu der Zeitung Times: "Ich freue mich, weiter ein Botschafter für einen sauberen Radsport zu sein."

So einfach sehen es indes nicht alle. Der niederländische Mitfavorit Tom Dumoulin hat heftige Kritik am Weltverband UCI geübt. Froome sei freigesprochen worden, "aber wie der Fall behandelt worden ist, das ist einfach ein Chaos", erklärte der Kapitän des deutschen Sunweb-Teams. "Das verletzt die Reputation des Radsports, und so rennen uns die Fans wegen einer so dummen Sache wahrscheinlich wieder davon. Ich bin wirklich sauer", sagte er.

Froome, der 2015 schon einmal in einer Ekel-Attacke mit Urin überschüttet wurde, droht nun ein Spießrutenlauf durch Frankreich. UCI-Chef David Lappartient rief dazu auf, alle Fahrer in Ruhe zu lassen. "Ich fordere alle Zuschauer auf, jeden Athleten zu schützen, die Gerichtsentscheidungen zu respektieren und sicherzustellen, dass Froome sich wie jeder andere bei der Tour sicher fühlen kann", erklärte er.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB