12. Etappe der Tour de FranceLipowitz strahlt bei Pogacar-Show

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20. Tour-Etappensieg seit 2020: Tadej Pogacar gewinnt auf dem Weg in die Pyrenäenregion Hautacam.
20. Tour-Etappensieg seit 2020: Tadej Pogacar gewinnt auf dem Weg in die Pyrenäenregion Hautacam. (Foto: Thibault Camus/AP/dpa)

24 Stunden nach seinem Sturz in Toulouse dominiert der Titelverteidiger die erste Pyrenäen-Etappe der Tour de France und erobert das Gelbe Trikot zurück.  Der Deutsche Florian Lipowitz wird Etappendritter und hängt seinen designierten Red-Bull-Kapitän ab.

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Der Rollenwechsel ereignete sich fünf Kilometer vor dem Ziel dieser ersten Pyrenäen-Etappe der Tour de France. Der deutsche Radrennfahrer Florian Lipowitz blickte sich um, er suchte seinen Kapitän vom bayerischen Team Red Bull-Bora-Hansgrohe. „Nachdem ich den größten Teil von vorne gefahren bin, habe ich gedacht, ich probiere mal eine Attacke“, sagte der 24 Jahre alte Lipowitz, der die Bergankunft von Hautacam soeben als Etappendritter erreicht hatte. Primoz Roglic, der elf Jahre ältere designierte Red-Bull-Anführer, konnte seinem Kollegen nicht mehr folgen. „Es ging die Lücke auf“, sagte Lipowitz im Ziel. Er habe sich dann aber zunächst noch zurückgehalten mit einer weiteren Tempoverschärfung, „falls Primoz wieder zurückkommt“, wie er sagte.  „Aber dann habe ich meine Chance genutzt, noch mal attackiert – und dann bis zum Ziel Vollgas gegeben.“

Zweite nicht ganz unwichtige Nachricht dieser zwölften Etappe der 112. Tour de France: Dem Slowenen Tadej Pogacar, unter anderem Weltmeister, ist ein Schritt zu seinem vierten Tour-de-France-Sieg geglückt. Am Schlussanstieg des Tages nahm der 26-Jährige seinem Dauerkonkurrenten Jonas Vingegaard aus Dänemark mehr als zwei Minuten ab. Sein Solo hinauf ins 1560 Meter hoch gelegene Hautacam ließ kaum erahnen, dass sich hier ein Skigebiet befindet, so sehr brannte die Sonne herab auf die Tour-Pedalisten und Zehntausende Menschen, die den Berg hinauf gepilgert waren; und zwar nicht wegen des unweit gelegenen Wallfahrtsortes Lourdes.

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Sie sahen den Favoriten vom Team UAE-Emirates, der tags zuvor fünf Kilometer vor dem Ziel noch gestürzt war und mit blutenden Schürfwunden, sichtlich ramponiert, das Ziel erreicht hatte. Und nun, 24 Stunden später, machte sich Pogacar zwölf Kilometer vor dem Ziel auf und davon. Als wäre der Sturz in Toulouse nicht passiert, ließ er seinen letzten Begleiter Vingegaard vom Team Visma wie einen Statisten aussehen, trat in die Pedale und war alsbald entschwunden. Kurz darauf hatte er seinen 20. Tour-Etappensieg seit 2020 eingefahren – und das Gelbe Trikot des Gesamtführenden vom Iren Ben Healy zurückerobert.

Übernimmt er jetzt die Kapitänsrolle? „Wir sind ein Team, wir müssen das jetzt in Ruhe besprechen“, sagt Lipowitz

Der zweimalige Tour-Sieger Vingegaard zeigte durchaus seine Qualitäten, verlor bis zum Zielstrich allerdings 2:10 Minuten. Er wurde Etappenzweiter vor einem Mann, den nicht wenige Beobachter bereits vor dem Tourstart auf dem sogenannten Zettel hatten. Also dort, wo sonst Namen wie etwa Remco Evenepoel zu finden sind. Lipowitz strampelte die Lücke auf Vingegaard während der finalen Kilometer auf 13 Sekunden zusammen und kam am Ende mit 2:23 Minuten Rückstand auf Pogacar ins Ziel – mehr als eine Minute vor Zeitfahrweltmeister und Olympiasieger Evenepoel (Soudal-Quick Step) aus Belgien, dem Tour-Dritten 2024. Und gut hundert Sekunden vor Red-Bull-Kapitän Roglic, wenngleich sich die Frage stellt, ob der 35-jährige Slowene nach diesem Donnerstag noch die Chefrolle behalten wird.

Ob er jetzt die Kapitänsrolle übernehme, wurde Lipowitz im Ziel noch gefragt. „Wir sind ein Team, wir müssen das jetzt in Ruhe besprechen“, sagte Lipowitz wie bisher bei dieser Tour mit auffälliger Zurückhaltung, schüchtern fast. „Jetzt ist es noch nicht so weit, es kommen noch viele schwere Etappen.“

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Im Wettkampf ums Majllot jaune liegt Pogacar mit einem Abstand von mehr als drei Minuten vor Vingegaard. Dahinter kletterte der Baden-Württemberger Lipowitz in Hautacam vom bisherigen Gesamtrang acht auf Platz vier mit nun 5:34 Minuten Rückstand auf Pogacar. Der Gesamtdritte Evenepoel hat noch 49 Sekunden Vorsprung auf Lipowitz, der bei seiner Tour-Premiere nach anfänglichen Problemen wie selbst prognostiziert vor allem im Hochgebirge sein Spezialterrain sieht.

Am Freitag steht die zweite Prüfung in den Pyrenäen an, die Favoriten auf den Gesamtsieg werden besonders im Fokus stehen. Für die 13. Etappe sieht der Tour-Zeitplan ein Bergzeitfahren über 10,9 Kilometer von Loudenvielle hinauf zum Flugplatz nahe Peyragudes vor. Eine Etappe, bei der die Pelotonisten also anders als im klassischen Massenstart als Einzelkämpfer gegen die Stoppuhr fahren. Es bleibt also noch etwas Zeit, um die Rollenverteilung im Red-Bull-Team zu sortieren.

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