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BVB-Gegner in der Champions League:Tottenham hat das Limit erreicht

  • Tottenham empfängt Borussia Dortmund in der Champions League, muss das Spiel aber wieder in Wembley austragen, weil das eigene Stadion noch nicht fertig ist.
  • Die anhaltenden Bauarbeiten an der Arena und der dünn besetzte Kader sorgen für eine angespannte Situation bei den Spurs.
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Auf den Käse hätte Tottenham Hotspur verzichten können. Bei der Präsentation des Umbaus der 118 Jahre alten White Hart Lane ins Tottenham Hotspur Stadium kündigte der Verein im Januar 2017 an, im Exklusivtreff, "The H Club" genannt, ein Käsezimmer einzurichten. Darin sollten Karteninhaber der Premiumloge in der Halbzeit ihren "eigenen, speziellen Käse aus der Region" zum Verzehr auswählen können. Diese sehr exklusive Idee sollte das Interesse am H Club steigern. Um hinein zu kommen, müssen mindestens zwei Tickets auf fünf, sieben oder zehn Jahre erworben werden. Pro Saison sollen diese einzeln je 15 000 Pfund netto kosten - als einmalige Aufnahmegebühr werden vorab weitere 30 000 Pfund netto fällig.

Am Montag gab der Guardian nun unter Berufung auf Kluboffizielle bekannt, dass aus der Idee mit dem Käse - wie hätte es anders kommen sollen! - Käse geworden ist. Als Begründung für das plötzliche Aus hieß es, dieses Zimmer sei nie wirklich geplant gewesen. Der Käseirrtum fügt sich nahtlos ein in die bestehende Pannenserie der Bauarbeiten an der Arena, die man eher in der Fernsehsendung "Verstehen Sie Spaß?" verorten würde als beim Tabellendritten der Premier League. Nur lustig findet das bei Tottenham niemand mehr. Die Eröffnung des Stadions war bereits für vergangenen September vorgesehen.

In der Vorwoche gab Tottenham die Hoffnung auf, im März zum ersten Heimspiel an die neue White Hart Lane einladen zu können. Auf der Pressekonferenz meinte Trainer Mauricio Pochettino genervt, er vermute, der Umzug werde in dieser Saison nicht mehr vollzogen. Das Tottenham Hotspur Stadium, ausgerichtet für 62 062 Zuschauer mit einer Kleinbrauerei im Inneren und einer 65 Meter langen Theke, leidet an Sicherheitsmängeln. Diese sind darauf zurückzuführen, dass die Renovierung offenbar in einem Blitzverfahren durchgezogen werden sollte. Linear zur Verzögerung entwickeln sich die Kosten: Auf inzwischen gut eine Milliarde Pfund, etwa doppelt so viel wie anfangs kalkuliert, wie britische Medien errechnet haben. Viel zu viel für das Budget der Spurs.

Der Preisaufschlag zwingt Tottenham bei der Refinanzierung des Projekts zum Haushalten. Das belastet das Binnenklima. In dieser Saison haben die Londoner keine wesentlichen Verstärkungen verpflichtet. Generell gab Tottenham Hotspur - das zum Großteil einem Investmentunternehmen gehört, dessen Miteigentümer Daniel Levy dem Klub vorsteht - zuletzt nur unwesentlich mehr an Ablöse aus, als eingenommen wurde. Mehr oder weniger klaglos haben die Beteiligten den Sparkurs über Jahre akzeptiert - und können dafür jetzt noch nicht einmal vom Effekt der neuen Arena profitieren, obwohl ihn die Mannschaft gerade nötig hätte.