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Toto-Pokal im Fußball:Hiller hält dreimal

11.10.2019, Fussball Toto-Pokal 2019/2020, Viertelfinale, TSV 1860 München - SpVgg Unterhaching, Stadion an der Grünwal

Ineinander verschlungen: Phillipp Steinhart vom TSV 1860 München und Moritz Heinrich von der SpVgg Unterhaching (im roten Trikot) kämpfen um den Ball.

(Foto: imago images/MIS)

Erfahrung macht den Unterschied: Der TSV 1860 setzt sich im Elfmeterschießen gegen Unterhaching durch.

Natürlich sei das im Elfmeterschießen immer auch Glückssache, sagte Prince Owusu, als er vom Feiern aus der Kurve in den Kabinengang trat. "Aber wir haben auch gesehen", sagte er, "dass wir einen starken Keeper haben." Der besagte Keeper des TSV 1860 München konnte sich während der 90 Minuten im Toto-Pokal-Viertelfinale gegen die SpVgg Unterhaching zwar nicht oft auszeichnen, dafür aber danach: Marco Hiller hielt drei Elfmeter, und so konnten die Sechzig-Anhänger unter den 11 100 Besuchern nach einem 4:3 den Einzug ins Halbfinale feiern. "Unsere Quote ist unterirdisch", haderte Unterhachings Trainer Claus Schromm mit den verschossenen Elfmetern, 1860-Coach Daniel Bierofka hingegen erzählte, dass Hiller auch im Training einen starken Eindruck mache bei Strafstößen: "Von daher hatte ich gar kein schlechtes Gefühl." Dass Hiller sehr spät ins Rampenlicht geriet, lag nicht an ihm, sondern daran, dass es lange Zeit wenig Torraumszenen gab. Das Weiterkommen im Toto-Pokal war beiden Vereinen nicht wichtig genug, um ihre beste Startelf aufs Feld zu schicken. Aber es war ihnen zumindest so wichtig, um nicht mit ganz großem Risiko nach vorne zu spielen. So entwickelte sich eine erste Halbzeit, die keine Derby-Atmosphäre versprühte, weil beide Teams auf Fehlervermeidung setzten. So konnte selbst ein von Hachinger Fans mitgebrachtes Transparent im Grünwalder Stadion für Aufregung sorgen: Auf dem stand, dass die Sechziger im Unterhachinger Sportpark "nichts zu suchen" hätten - derzeit wird in der Stadtpolitik ja diskutiert, wohin die Sechziger für den Fall eines längeren Stadionumbaus ausgelagert werden sollen.

Während die Sechziger das etwas gefährlichere Umschaltspiel zeigten und nach einer Viertelstunde durch Prince Owusu zur ersten Chance kamen, holten die Unterhachinger die gefährlicheren Standards heraus. Die Freistöße der ersten Halbzeit brachten zwar nichts ein, dafür aber die erste Ecke der Gäste: Die Flanke von Sascha Bigalke köpfelte Florian Dietz ins Netz (41.). Der 21 Jahre alte Angreifer, im Sommer von Werder Bremen II gekommen, stand in der dritten Liga noch nie in der Startelf, hatte aber bereits im Pokal-Achtelfinale gegen Türkgücü München (3:2) einen Treffer vorbereitet. Beinahe wäre Owusu noch vor der Pause das 1:1 gelungen, er schoss aber aus nächster Nähe Unterhachings Ersatzkeeper Steve Kroll an, der im Pokal spielen darf. Später ärgerte sich Unterhachings Torschütze: "Wir hatten das Spiel gut im Griff, wir hätten auf das zweite Tor gehen müssen."

Sechzigs Trainer Bierofka reagierte auf den Rückstand, indem er Sascha Mölders für den gelb-rot-gefährdeten Leon Klassen ins Spiel brachte; aber auch der erfahrenste Sechziger und etatmäßige aggressive leader konnte erst einmal keine Derby-Akzente setzen.

Obwohl den Sechzigern offensiv auch weiterhin nicht allzu viel einfiel, gelang etwas überraschend aber doch der Ausgleich: Prince Owusu kam Torwart Kroll zuvor und köpfelte eine Flanke von Phillipp Steinhart ins kurze Eck (64.). Doch das Tor schien vor allem die Unterhachinger zu beflügeln, plötzlich konnten die Löwen den Drittliga-Tabellenführer nicht mehr vom eigenen Tor fernhalten: Dietz köpfelte nach einem Konter zunächst vorbei (68.), fünf Minuten später aus kurzer Distanz an die Latte. Es war die letzte richtig gute Chance in einer Partie, die keinen Sieger verdient hatte. Das Regelwerk sieht ein sofortiges Elfmeterschießen vor, dieses fand vor der Westkurve statt, also vor den Löwen-Fans. Und das Elfmeterschießen gewannen die Sechziger dann souverän. Zwar schoss Daniel Wein seinen Ball über die Latte und in die Westkurve. Doch weil Hiller drei Schüsse hielt, musste der fünfte Sechziger gar nicht mehr antreten. Letztlich hatte sich es gelohnt, Erfahrung einzuwechseln: Timo Gebhart kam in der 87. Minute ins Spiel und traf. Auf der anderen Seite war Unterhachings sicherer Elfmeterschütze Bigalke kurz zuvor vom Platz gegangen. Damit ist das Halbfinale des Verbandspokals komplett: Neben 1860 stehen die Würzburger Kickers als zweiter Drittligist unter den letzten Vier, dazu kommen mit Viktoria Aschaffenburg und dem FC Memmingen zwei Regionalligisten. Die Auslosung findet Anfang Dezember statt, das Halbfinale im April.

Der Gewinner des Toto-Pokals ist dann bekanntlich für den DFB-Pokal qualifiziert. Die ersten Vier der 3. Liga sind es freilich auch, insofern ist die Niederlage für den aktuellen Tabellenersten aus Unterhaching nun auch nicht so dramatisch.