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Totilas und sein Reiter Matthias Rath:Ungeklärte Beziehung

In Rotterdam sah man ein Paar, dessen Beziehung noch ungeklärt ist: Totilas machte Fehler im Grand Prix und widersetzte sich regelrecht im Grand Prix Special. "Heute war er nicht so bei mir, wie ich ihn brauche", sagte Rath. "Ich werde die Ritte heute mit meinem Vater analysieren." Das klang weichgespült, tatsächlich musste Rath Totilas zeigen, wer Herr im Haus ist, wie schon zu Beginn der Karriere einmal an Pfingsten in Wiesbaden.

Die Analyse führte in der Kür zu einer Art disziplinarischer Maßnahme: Strammer Zügel und ein insgesamt verkrampftes Pferd. Dabei hatten Vater und Sohn doch versucht, Totilas' natürliche Bewegungen zu zeigen. Braucht er doch eine feste Hand? Ist Rath dem Druck nicht gewachsen? Oder hat er einfach den passenden Knopf noch nicht gefunden? "Wir müssen wieder weg von den zirkusartigen Bewegungen", sagte Paul Schockemöhle.

Seine Kritik an Reiter Rath blieb zurückhaltend, ein Satz kann man aber auch als versteckte Drohung verstehen. Der dpa erklärte Schockemöhle zur Frage eines Reiterwechsels: "Möglich wäre das, aber aus meiner Sicht ist das nicht notwendig."

Dass mit Uthopia und Valegro in Rotterdam zwei Pferde auftauchen, die fast alles so gut können wie Totilas und manches sogar besser - das war nicht eingeplant. Erst wenn man Uthopia sieht, weiß man, was Totilas fehlt: die völlige Harmonie der Bewegungen, das Zusammenspiel aller Muskeln und Gelenke ohne Verkrampfung und Gestrampel. Ähnliches lässt sich von Valegro sagen. Beide Reiter werden in London von den Zuschauern getragen werden.

Pfiffe für Totilas blieben in Rotterdam übrigens aus. Irgendwie war er kein Thema mehr, und das ist vielleicht noch schlimmer. Für Totilas ist jetzt die Sportsaison erstmal zu Ende. Andererseits bleibt nun Zeit, nach neuen Wegen zu suchen, um Gehorsam und Harmonie zu vereinen. Dann wird aus den beiden vielleicht doch noch ein Traumpaar.

© SZ vom 23.08.2011/ebc
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