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Torwartfrage beim FC Bayern:Mein Stammplatz, dein Stammplatz

Thomas Kraft wird am Wochenende gegen Leverkusen voraussichtlich seinen Platz im Tor der Bayern an Jörg Butt abtreten müssen. Damit bestätigt sich ein Trend dieser turbulenten Bundesliga-Saison.

Uli Hoeneß hat es nicht so gemeint, aber er hat es gesagt. Er hat gesagt, "dass mit der Entscheidung, Jörg Butt aus dem Tor zu nehmen, die ganze Scheiße losging". Er hat gesagt, dass "durch die Kraft-Entscheidung Unruhe in der Abwehr entstanden ist". Gemeint hat Uli Hoeneß, dass Louis van Gaal, dieser unverschämte Mensch, die bayerische Vereinspolitik sabotiert hat, weil er Thomas Kraft berühmt gemacht und damit Manuel Neuers Verpflichtung erschwert hat. Aber was in der öffentlichen Wahrnehmung hängenblieb, war: Kraft. Scheiße. Unruhe in der Abwehr. Was hängenblieb, war: Der Kraft, der ist schuld.

Thomas Kraft und Jörg Butt

Torwart, wechsle dich: Am Wochenende wird Thomas Kraft voraussichtlich seinen Platz zwischen den Pfosten an Jörg Butt abtreten müssen.

(Foto: dpa)

Drei Monate ist Thomas Kraft, 22, jetzt im Tor des FC Bayern gestanden, und er hat in dieser Zeit schon fast ein ganzes Torwartleben durch. Er war schon alles in diesen drei Monaten. Er war der überraschend beförderte Nachwuchstorwart. Er war der Mann, der Inter Mailand zur Verzweiflung bringt. Er war der junge Keeper, der so gut ist, dass man den Neuer vielleicht gar nicht mehr braucht. Und jetzt kommt er aus dieser Geschichte raus wie das früh verheizte Talent, dessen grotesker Fehler in Nürnberg das Potenzial hat, es bis in die Jahresrückblicke zu schaffen.

Thomas Kraft fühle sich "sehr ungerecht behandelt", hört man aus Krafts Umfeld. "Das ging voll gegen mich", hat er in einer ersten Reaktion gesagt und sich ansonsten erstmal ein Schweigegelübde auferlegt. Was soll er auch sagen? Thomas Kraft ist ein Opfer, er ist ein Opfer, wie Michael Rensing eines war.

Der FC Bayern ist seit Oliver Kahns Abschied kein Milieu mehr für junge Torhüter. Seit Kahn durften die Keeper in München nicht mehr einfach Sportler sein. Rensing versuchte, das Kahn-Erbe anzunehmen, er versuchte, Spielstil und Gesten des großen Alten zu kopieren, und mit diesem gewagten Plan geriet er mitten hinein in die Klinsmann-Zeit, in der der Klub zu durcheinander war, um einem jungen Torwart Orientierung zu bieten.

Und Kraft hat nun das Glück und das Pech gehabt, von van Gaal gefördert zu werden; er konnte nichts dafür, dass seine Beförderung zum Politikum wurde, dass van Gaal mit dieser Personalie die Bosse irreparabel vergrätzte. Unter diesen Voraussetzungen hat Kraft ganz schön gut gehalten - das weiß auch Hoeneß, der den jungen Mann, wenn man van Gaal abzieht, durchaus schätzt.

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