Torsten Fröhling bei 1860 München Erfrischend klare Worte

Neu bei 1860 München, zunächst bis zum Saisonende: Torsten Fröhling.

(Foto: dpa)

Erste Wahl war er nicht, trotzdem geht Torsten Fröhling mit Elan an seine Aufgabe als Trainer des TSV 1860 München. Bei seiner Vorstellung wählt er klare Worte. Ganz im Gegensatz zu Sportchef Poschner.

Von Florence Niemann

Betont lässig schritten 1860-Sportchef Gerhard Poschner und Torsten Fröhling ins Innere der weiß-blauen Pressebox an der Grünwalder Straße. "Wenige, dafür aber klare und deutliche Worte", kündigte Poschner an. Die Vorstellung des am späten Montagabend beförderten Trainers, der bislang die U21 trainierte, sollte keine große Sache werden.

Er sei überzeugt, in Torsten Fröhling als neuen Cheftrainer bis zum Saisonende die richtige Wahl getroffen zu haben. Punkt. Fröhling sei ein Macher, einer der die Ärmel hochkremple und positive Energie vermittle. Eben das, was seine Mannschaft jetzt brauche. Punkt.

Ganz so klar war die Sache beim TSV 1860 in den vergangenen Tagen nicht - wie auch, denn bei den Münchnern geschehen klare, vorhersehbare Dinge doch eher selten. Der Zweitligist rangiert mit 18 Zählern auf einem Relegationsplatz, punktgleich mit dem Tabellenvorletzten. Und für Poschner ist es immerhin der dritte Trainerwechsel in seiner nicht mal einjährigen Funktion als Sportchef. Klar, dass da so langsam Fragen aufkommen.

Gewaltig schiefgelaufen

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Wer sagte ab: Neuhaus oder Ismaik?

Statt klarer und deutlicher Worte verstrickte sich Poschner immer wieder. Längst war natürlich durchgesickert, dass Fröhling nicht gerade Poschners erste Wahl nach der Demission von Markus von Ahlen war. "Doch, doch", erklärte Poschner zögerlich, "aber man muss doch mit vielen sprechen und alle Optionen prüfen." Uwe Rösler (zuletzt bei Wigan Athletic), Mike Büskens (Fürth und Düsseldorf) sowie Uwe Neuhaus (lange bei Union Berlin) hatten Poschner dem Vernehmen nach abgesagt.

Bei Neuhaus waren die Umstände am spannendsten. Neuhaus selbst begründete seine Absage mit den chaotischen Zuständen bei den Münchnern, er wolle "nicht unter diesen Umständen" zusagen. Im Umfeld des Klubs heißt es indes, 1860-Investor Hasan Ismaik habe aus der Ferne eine mögliche Verpflichtung von Neuhaus verhindert.

Was stimmte denn nun? "Beides vielleicht", sagte Poschner und ließ alles Weitere unkommentiert. Er sei schließlich "nur für den Sport zuständig, nicht für die Politik", die hinter verschlossenen Türen stattfände. Um seine eigene Person mache er sich aber keine Sorgen. "Meine Zukunft spielt hier keine Rolle", sagte er. Dass er Fröhling als Cheftrainer ernannt habe, sei einzig und allein seine Entscheidung gewesen: "Dazu stehe ich."

Fröhling debütiert ausgerechnet gegen St. Pauli

Der ehemalige U21-Coach zeigte sich indes wenig beeindruckt von den Diskussionen. "Am wichtigsten ist, dass die Mannschaft Spaß hat. Wenn man keinen Spaß hat, lernt man nichts und dann funktioniert auch nichts", sagte der 48-jährige. 1860 habe eine qualitativ gute, technisch versierte Mannschaft, sagte Fröhling. Diese Mannschaft müsse nur lernen, einfachen Fußball zu spielen. Sein Credo: "Ergebnisse sind entscheidend, da kann einer schnattern, wie er will."

Der TSV 1860 ist Fröhlings erste große Station als Trainer. Lange war er zuvor in den Jugendabteilungen des HSV und bei Holstein Kiel tätig. In Kiel saß er für drei Spiele immerhin als Interimstrainer der Drittliga-Mannschaft auf der Bank. Zuvor als Profi spielte Fröhling beim Hamburger SV und beim FC St. Pauli. Letzterer Klub kommt am Samstag zu Fröhlings Heimpremiere in die Fröttmaninger Arena. "Das ist beinahe witzig", sagte Fröhling, denn bei St. Pauli habe er seine "erfolgreichste, längste und schönste Zeit" verbracht.

Seinem früheren Herzensverein die Punkte zu überlassen, komme allerdings nicht in Frage. Er sei ein Siegertyp, sagte Fröhling, kein Verlierer. "Ich lasse nicht mal meinen Sohn beim Schach gewinnen", sagte er, "und der ist zwölf." Für den TSV 1860 waren das schon erfrischend klare Worte.