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Torsten Frings:Ein Lutscher für Darmstadt

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"Ich brenne auf die Herausforderung": Torsten Frings, hier in einem Spiel im Jahr 2009, übernimmt sein erstes Traineramt.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Sein erstes Traineramt ist eigentlich eine unmögliche Herausforderung. Andererseits: Was hat Torsten Frings bei Darmstadt 98 schon zu verlieren?

Torsten Frings hat schon einmal an einem Fußballmärchen mitgeschrieben, er wählte damals grobe Worte: "Wir geh'n jetzt raus und hau'n die Scheißer weg", rief der gesperrte Nationalspieler im Jahr 2006 seinen DFB-Kollegen vor dem WM-Halbfinale gegen Italien hinterher. Geklappt hat das nicht, die "Scheißer" gewannen 2:0, aber dem Publikum blieb immerhin ein deutsches "Sommermärchen" in Erinnerung, mit Frings in einer der Hauptrollen.

Ein zweites Wunder wäre nun vielleicht zu viel von Torsten Frings verlangt, auch wenn es diesmal nicht um ein WM-Finale, sondern nur um den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga geht: Frings wird Trainer bei Darmstadt 98 - so lautete die überraschende Schlagzeile am Dienstagnachmittag, mit der die jüngste Personalrochade dieser Saison verkündet wurde. Es ist Frings' erste Station als Cheftrainer - und beim Tabellenletzten der Bundesliga dürfte es keine einfache werden.

Bundesliga Torsten Frings wird Trainer bei Darmstadt 98
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Torsten Frings wird Trainer bei Darmstadt 98

Der abstiegsgefährdete Bundesligist vertraut dem früheren Nationalspieler sein Traineramt an. Es ist Frings' erste Station als Chefcoach.

Letzter Tabellenplatz, Tordifferenz minus 19

"Ich brenne auf die Herausforderung in diesem speziellen Klub, der mit seinen besonderen Attributen bestens zu meiner Persönlichkeit passt", ließ Frings in einem Statement verlauten. Der 40-Jährige tritt in Darmstadt als Nachfolger des Anfang Dezember entlassenen Norbert Meier mit einem Vertrag bis zum 30. Juni 2018 an, übergangsweise war Nachwuchschef Ramon Berndroth eingesprungen. Mit "besonderen Attributen" dürfte Frings jene Eigenschaften meinen, die ein Klub haben sollte, wenn es ihm an finanziellen Mitteln fehlt, und die den SV Darmstadt in den vergangenen Jahren unbestritten ausgemacht haben: Fleiß, Wille, Teamgeist.

So schaffte der Klub in der vergangenen Saison, seiner ersten in der Bundesliga nach mehr als dreißig Jahren, als Aufsteiger mit einer eher altmodischen Auffassung von Fußball den Klassenerhalt. Dann verließen Leistungsträger wie Sandro Wagner den Klub - und auch der Bonus des Underdogs war irgendwann aufgebraucht. Inzwischen steht Darmstadt mit acht Punkten und einer Tordifferenz von minus 19 auf dem letzten Platz. Nicht einmal die Fußballlehrer Bruno Labbadia und Holger Stanislawski hatten Lust, in dieser Situation dort das Traineramt zu übernehmen.

So ergab sich für Frings die erste große Chance als Trainer. Bislang arbeitete er lediglich als Assistent von Viktor Skripnik in Bremen. Als der Ukrainer im September entlassen wurde, verlor auch Frings seinen Job. "Wir sind überzeugt, dass er auch ohne die große Trainererfahrung zeigen wird, dass er die Aufgabe mit Sachverstand, Ehrgeiz und Teamfähigkeit bestens lösen kann, so wie es andere Beispiele im Profifußball bereits bewiesen haben", sagte Darmstadts Präsident Rüdiger Fritsch.

Frings' Ruf, den er sich zunächst als Stürmer, später als defensiver Mittelfeldkämpfer bei Werder Bremen, Borussia Dortmund und dem FC Bayern erwarb, darf den Darmstädter Profis schon einmal als Vorbild in Sachen Einstellung dienen. Je einen Kreuzbandriss erlitt Frings in seiner Karriere in jedem Knie, jedesmal kam er zurück. Zweimal gewann er den DFB-Pokal, einmal wurde er Deutscher Meister. Mit der deutschen Nationalmannschaft verlor er die Endspiele der WM 2002 und der EM 2008, dazwischen lag der oben beschriebene Kabinenauftritt, auf den der dritte Platz bei der WM 2006 folgte.