Torhüter Gigi Buffon Mit einer Vespa-Eskorte nach Paris

  • Torhüter Gigi Buffon wechselt von Juventus Turin nach Paris zu Trainer Thomas Tuchel.
  • Gleichzeitig treibt Juventus der Einkauf von Cristiano Ronaldo um. Der Portugiese sprengt diesen Transfersommer mit seinem Wechsel.
Von Birgit Schönau

Stars werden so empfangen. Jedenfalls jene aus Italien. Eine Vespa-Armada eskortierte Gianluigi Buffon zu seinem ersten Training bei Paris St. Germain, Fans und Reporter auf knatternden italienischen Rollern, mit Fahnen und Gesängen: Gigi, einer von uns. Eine prächtige Sommersonne schien dazu, es war Montag, 9. Juli - exakt zwölf Jahre zuvor hatte der Italiener Buffon die Franzosen im WM-Finale von Berlin geschlagen.

Um danach mit Juventus in die zweite Liga abzusteigen, trainiert von Didier Deschamps, Frankreichs aktuellem Nationalcoach. Lange ist es her. Vor der WM in Russland war Buffon als Italiens Kapitän und Torhüter zurückgetreten, die Azzurri hatten sich nicht qualifiziert. Auch bei Juventus war nach 17 Jahren Schluss. Buffon ist 40, kein Alter für Paris. Sie haben ihn dort mit Kusshand genommen - und für ein Jahresgehalt von acht Millionen Euro.

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Sollen andere in Pension gehen, er zieht ins Ausland: Bonjour Gigi! Noch ein bisschen Rasen riechen, noch ein bisschen Geld verdienen, Letzteres ist nicht zu verachten, denn als Wäscheunternehmer (mit der Marke Zucchi) und Fußballpräsident (Carrara Calcio) hat Buffon auch schon Pleiten hinter sich. Nur das Strandbad in Marina di Massa, das läuft. "Une nouvelle aventure", ein neues Abenteuer, sucht er jenseits der Alpen, das Französisch kommt ihm schon recht flüssig über die Lippen.

Parma, Juventus, Paris, aller guten Dinge sind drei, in einer Karriere, die schon ein Vierteljahrhundert dauert und die Buffon noch nicht beenden wollte. "Ich bin Torwart und nicht Stürmer, ich muss nicht rennen." Aber sich auch heute noch dem Ball entgegenwerfen, in die Ecken fliegen, keine Hundertstelsekunde zu spät. "Mir geht's gut, physisch und mental, ich fühle mich wie, sagen wir, 33 oder 34." Beim ersten Training in Paris musste er das noch nicht beweisen. Die Bälle kamen schön, leicht und mittig, er fing sie alle. Zur Sicherheit zeigt das Fachblatt L'Équipe im hauseigenen TV-Programm noch Gigis EKG: Ein Rhythmus wie bei einem junger Vespafahrer im Frühling.

Buffon bei PSG. Man fasst es nicht. Nach einem Abschied voller Rührung und voller Tränen von seinem Herzensklub, der Juve, und von seinem Herzenspräsidenten Andrea Agnelli, nach großen Reden und entschlossenem Schulterklopfen macht er jetzt bei der Konkurrenz weiter. Was, wenn man sich in der Champions League trifft?

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"Das Leben kann einem schon seltsame Streiche spielen, aber ich hoffe doch, dass mir das erspart bleibt. Also bloß kein Finale gegen Juventus, es würde mir wehtun, zu verlieren, aber auch, zu gewinnen. Vorher, das wäre kein Problem. Im Finale bitte nicht." In der Gruppenphase würde der Torwart Juventus ohnehin kaum treffen, nach seinem Ausraster im Viertelfinal-Rückspiel bei Real Madrid gegen den Schiedsrichter ("Der hat eine Mülltonne, wo andere ein Herz haben"), wurde Buffon für drei Spieltage gesperrt. Vergleichbares war ihm noch nie passiert.