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Torhüter-Duelle:Kampf der Egozentriker

Kahn gegen Lehmann, Stein gegen Schumacher, Köpke gegen Illgner - der Streit um die Nummer 1 im Tor der deutschen Nationalmannschaft bewegte häufiger die Fußballnation.

Sebastian Winter

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Tilkowski? Fahrian? Tilkowski!

Seit seinem Debüt 1957 in Amsterdam war der reaktionsschnelle Hans Tilkowski (l.) im deutschen Tor eigentlich gesetzt. Überraschenderweise nominierte Bundestrainer Sepp Herberger den jüngeren Wolfgang Fahrian 1962 für die WM. Vier Jahre später war jedoch Tilkowski die Nummer eins bei der Fußball-Weltmeisterschaft in England. Gegen ihn schoss Geoff Hurst im Finale in London das "Wembley-Tor" zum 3:2 der Engländer, die das Spiel schließlich mit 4:2 gewannen.

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Nigburs Verletzungen sind Schumachers Chance

Norbert Nigbur (l.) bestritt mit der Nationalmannschaft zwischen 1974 und 1980 nur sechs Spiele, zu groß war die Dominanz des unumstrittenen Sepp Maier. 1980 sollte bei der Europameisterschaft in Italien endlich Nigburs große Stunde schlagen, doch der bei den Fans als "Elfmetertöter" bekannte Torwart verletzte sich. Schlimmer noch: Er verlor seinen Stammplatz an Harald "Toni" Schumacher und kehrte nie mehr in die Nationalelf zurück. Weder über Stein noch über Maier äußerte sich Nigbur negativ. "Wir haben im Training viel geflachst und immer ein gutes Verhältnis gehabt", sagte Nigbur einmal über seine Konkurrenten.

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Egos der Achtziger

Die Weltklasse-Torhüter Toni Schumacher (l.) und Uli Stein fielen durch etliche Eskapaden auf. Bei der WM 1982 schlug Schumacher dem Franzosen Patrick Battiston bei einem Zusammenprall rücksichtslos zwei Zähne aus, Battiston brach sich außerdem einen Wirbel. Schumacher bot ironisch an, für die Kosten der Zahnkronen aufzukommen, entschuldigte sich später aber immerhin. Der ob seiner Ersatzrolle frustrierte Uli Stein wiederum nannte bei der WM 1986 seinen Teamchef Franz Beckenbauer in Anlehnung an dessen Suppen-Werbespot aus den Sechziger Jahren einen "Suppenkasper" und wurde vorzeitig nach Hause geschickt. Nach nur sechs Einsätzen waren Steins Tage im Nationalteam damit schon wieder gezählt. Doch auch Schumachers Karriere dauerte nicht viel länger: Nachdem er sich in seinem Buch "Anpfiff" kritisch über Doping im Fußball geäußert hatte, musste er 1987 aus dem Nationalteam zurücktreten.

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Jugend vor Alter

Durch die Skandale von Stein und Schumacher war der Weg für den ruhigeren, mitnichten braveren Eike Immel (l.) frei. Er durfte bei der EM 1988 im eigenen Land im Tor der Deutschen stehen, kehrte der Nationalmannschaft nach einem Streit mit Teamchef Franz Beckenbauer schon wenig später aber den Rücken. Beckenbauer hatte in der Qualifikation zur Fußball-WM 1990 dem jungen Bodo Illgner den Vorzug gegeben und das Duell damit beendet, bevor es richtig begann. Wie seine Vorgänger lieferte Immel allerdings aus seinem Privatleben Stoff für Schlagzeilen. Er fuhr schnelle Autos zu Schrott, beteiligte sich an illegalen Glücksspielen und wurde wegen des Ankaufs von Kokain angeklagt. 2008 ging Immel wegen finanzieller Schwierigkeiten ins Dschungelcamp.

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Rivalen der Neunziger

Kölns Bodo Illgner (l.) und Nürnbergs Andreas Köpke verband eine Dauerrivalität - nicht nur in der Nationalelf: Dass Köpke 1992 ausgerechnet Illgner im Spiel der Nürnberg gegen Köln einen Elfmeter ins Netz setzte, stieß Illgner bitter auf. Auch Köpkes CD mit dem Titel "Nummer 1" trug nicht zur Kuschelstimmung zwischen den beiden Torhütern bei. Köpkes Zeit in der Nationalmannschaft sollte vor der WM 1994 kommen, als er Illgner aus dem Tor verdrängt zu haben schien. Doch kurz vor dem Turnier berief Bundestrainer Berti Vogts zur Überraschung aller Illgner als Nummer eins. Vogts bereute seine Entscheidung später: "Mein Fehler war, dass ich auf den falschen Torhüter gesetzt habe." Nach dem verlorenen Viertelfinale gegen Bulgarien bei der WM in den USA trat Illgner aus der Nationalelf zurück, der Weg war frei für Köpke.

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Die K&K-Dynastie

Andreas Köpke (l.) holte 1996 nach einer starken Leistung mit der deutschen Nationalmannschaft den Europameister-Titel. Doch schon damals saß ihm ein junger, ehrgeiziger Konkurrent im Nacken: Oliver Kahn. Dem Blondschopf gelang es aber trotz großer Ambitionen noch nicht, Köpke bei der WM 1998 in Frankreich aus dem Tor zu verdrängen. Das ärgerte ihn. Abends, so berichtete er einmal, habe er im Hotelzimmer ins Bettkissen gebissen, um seinen Frust zu bewältigen. Nach der Niederlage Deutschlands im WM-Viertelfinale Kroatiens und dem Rücktritt Köpkes aus der Nationalelf blieb Kahn dennoch bissig - er wurde Stammkeeper. 1999 und 2001 wurde er zum "Welttorhüter des Jahres" gewählt, bei der WM in Japan und Südkorea kürte man ihn trotz seines entscheidenden Patzers im Finale gegen Brasilien zum "Besten Spieler der WM". Ironie der Geschichte: Köpke war als Torwarttrainer maßgeblich an der Entscheidung beteiligt, Kahn vor der WM 2006 zur Nummer zwei zu degradieren.

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Das Duell der Duelle

Oliver Kahn (l.) und Jens Lehmann trieben den Kampf um die Nummer eins auf die Spitze. Dialoge zwischen den Alphatieren wurden fast ausschließlich über die Medien ausgetauscht. "Lehmann hat nichts dazugelernt", ätzte der verletzte Kahn schon 1999, als Lehmann ihm seinen Stammplatz streitig machte. Vor der EM 2004 forderte Bundestrainer Völler die Streithähne sogar öffentlich auf, sich auszusprechen. Kahns Verwunderung, nicht als Nummer eins bei der WM 2006 zu spielen, war groß. Trainer Klinsmann hatte sich für Lehmann entschieden und so Kahn die Heim-WM als krönenden Abschluss seiner Karriere verwehrt. Kahn stellte sich - anders als von vielen Experten erwartet - dennoch in den Dienst der Mannschaft. Als er Lehmann vor dem Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen Argentinien die Hand reichte und ihm Glück wünschte, wurde dies als Geste der Versöhnung und des großes Sportsgeistes gedeutet . Das Spiel um Platz drei gegen Portugal sollte Kahns umjubeltes Abschiedsspiel werden, während Lehmann auch nach seinem Rücktritt nach der EM 2008 noch immer mit einem Einsatz bei der WM 2010 liebäugelt.

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Der Dreikampf

Bundestrainer Joachim Löw verfolgt ein ähnliche Strategie wie sein Vorgänger Jürgen Klinsmann: Auch Löw legt sich nicht auf eine Nummer eins fest, weshalb derzeit drei Kandidaten auf die Position des Stammtorhüters bei der WM 2010 in Südafrika hoffen dürfen: René Adler, Tim Wiese oder Manuel Neuer. Die besten Chancen hat derzeit René Adler.

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