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Topnews:Zoff um "obszöne" WM-Prämien - Spanier ganz vorne

Johannesburg (dpa) - Sie sind nicht nur der Topfavorit bei den Wettanbietern, sondern auch die Prämienkönige: Spaniens Nationalspieler könnten bei der WM den ganz großen Reibach machen.

Der spanische Fußball-Verband hat Xavi und Co. die Rekord-Summe von 600 000 Euro in Aussicht gestellt, sollten die hochgehandelten Europameister erstmals mit der WM-Trophäe nach Hause kommen. Und prompt hagelte es Kritik. Als "überzogen, beschämend und obszön", geißelte der linker Politiker Joan Ridao die getroffene Vereinbarung.

Dass in Zeiten einer globalen Finanzkrise üppige Handgelder für Fußball-Millionäre nicht allerorten auf Verständnis stoßen, mussten auch die Italiener erfahren. Obwohl sich die 250 000 Euro, die jedem "Squadra Azzurra"-Profi im Falle der Titelverteidigung zustehen, gemessen an den spanischen Dimensionen geradezu bescheiden lesen, ist die Aufregung groß.

Angesichts der Wirtschafts- und Finanzlage Italiens forderte der Minister für Vereinfachung der Gesetze, Roberto Calderoli, eine Kürzung der Prämien - und traf damit auf den erbitterten Widerstand der Nationalspieler. Stellvertretend für seine Kollegen ergriff Torhüter Gianluigi Buffon das Wort und blaffte zurück: "Vor jeder WM werden die Politiker wach und greifen uns an. Wenn es aber gut läuft, sind sie still. Damit muss mal Schluss sein!"

Auch die Argentinier wollen sich von derlei Störfeuern nicht aus dem Tritt bringen lassen. Hinter Krösus Spanien liegt das Team um Weltfußballer Lionel Messi im Prämien-Ranking auf dem zweiten Platz. 510 000 Euro soll es für jeden Maradona-Schützling geben, falls die "Albiceleste" zum dritten Mal den WM-Pokal holt. Rund 470 000 Euro könnten die zum Favoritenkreis zählenden Engländer einstreichen, 445 000 Euro die Spieler des fünfmaligen Champions aus Brasilien. Etwa 300 000 Euro winken den Franzosen, die damit 50 000 Euro mehr als die Kicker von Bundestrainer Joachim Löw kassieren würden.

Während in vielen Ländern Profis und Verbände oft erbittert über die Höhe der Prämien gestritten und einige Verbandsbosse gar mit ihrem Rücktritt gedroht hatten, gingen die Debatten im deutschen Lager vergleichsweise geräuschlos über die Bühne. Nach "fairen und offenen Verhandlungen", so die DFB-Spitze, einigte man sich auf eine Titel-Prämie von je 250 000 Euro. Die Endspiel-Teilnahme würde für jeden der 23 WM-Akteure und für alle Mitglieder des Trainerteams je 150 000 Euro bringen. Der Einzug ins Halbfinale wird mit 100 000 Euro vergütet, für den Vorstoß ins Viertelfinale werden 50 000 Euro gezahlt. Zuvor würden die Spieler leer ausgehen.

Dies ist beim letzten Gruppengegner Ghana anders. Jeder Profi der "Black Stars" würde im Falle eines Achtelfinal-Einzugs mit knapp 100 000 Euro (117 000 Dollar) belohnt, berichtete das Portal "afrikansoccer.com". Insgesamt lasse sich die Regierung die WM-Mission 19 Millionen Dollar kosten. "Das brauchen wir, um das Team adäquat auf die vor ihm liegende Aufgabe vorzubereiten", sagte Sportminister Akua Sena Dansua.

Von derlei Verständnis können Spaniens Europameister nur träumen. Nicht nur Vertreter spanischer Linksparteien, sondern auch ein Großteil der Bevölkerung lehnt die Rekord-Boni ab. 93 Prozent der Befragten der Zeitung "El Mundo" hatten nach Bekanntgabe die Prämien als "exzessiv" beurteilt, auf der "Marca"-Homepage votierten 84,9 Prozent gegen die getroffene Vereinbarung.