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Topnews:Letztes Zittern um WM-Tickets: McCarthy raus

Hamburg (dpa) - Urlaubs-Fahrkarte statt WM-Ticket: England verzichtet auf Super-Talent Theo Walcott und Carlos Alberto Parreira schockte die Fans des Gastgebers. Wenige Stunden vor dem Nominierungsende strich Südafrikas Nationaltrainer den Rekordtorschützen Benni McCarthy aus dem WM-Aufgebot.

"Es ist für jeden Coach eine schwere Entscheidung, den endgültigen Kader zu benennen", erklärte der 32-Jährige Angreifer von West Ham United, "ich bin sicher, er hat sie nicht ohne Kopfschmerzen getroffen". Parreira verzichtete in seinem 23-Mann-Aufgebot zudem auf Torhüter Rowen Fernandez vom Zweitligisten Arminia Bielefeld.

Groß war auch der Frust beim 21 Jahre alten Walcott. "Ich bin unheimlich enttäuscht", bekannte der Flügelstürmer des FC Arsenal. Neben ihm fanden auch die Verteidiger Leighton Baines und Michael Dawson sowie die Mittelfeldspieler Tom Huddlestone, Scott Parker und Adam Johnson keine Berücksichtigung im endgültigen Kader von Nationalcoach Fabio Capello. Der umstrittene Angreifer Emile Heskey erhielt den Vorzug vor Darren Bent, der in der abgelaufenen Premier- League-Saison 24 Treffer für den FC Sunderland erzielt hatte.

Während einige Stars bis kurz vor Fristablauf um ihr Ticket zittern mussten, kam Nordkorea als sechster der 32 Teilnehmer in Südafrika an. Mit der endgültigen Nominierung startet auch Griechenlands Nationaltrainer Otto Rehhagel in die heiße Vorbereitungsphase. Wie angekündigt berief er die Deutschland-Profis Theofanis Gekas (Hertha BSC) und Angelos Charisteas (1. FC Nürnberg) für die WM. Zum Aufgebot gehört auch der frühere Frankfurter Verteidiger Sotirios Kyrgiakos (FC Liverpool).

Die selbstbewussten Serben bauen auf fünf Profis aus der 1. und 2. Bundesliga. Im WM-Kader stehen der Dortmunder Abwehrspieler Neven Subotic, die Mittelfeldakteure Zdravko Kuzmanovic (VfB Stuttgart), Zoran Tosic (1. FC Köln), Gojko Kacar (Hertha BSC) und Außenverteidiger Antonio Rukavina (1860 München).

Auch beim ersten deutschen Gruppengegner Australien steigt die Zuversicht. Die "Aussies" bezwangen im vorletzten Testspiel in Roodepoort den WM-Teilnehmer Dänemark mit 1:0 (0:0). Den einzigen Treffer erzielte der ehemalige Bundesliga-Legionär Joshua Kennedy (71.). Zudem macht Schlüsselspieler Harry Kewell (Galatasaray) bei seiner Genesung große Fortschritte und soll am Donnerstag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.

Wenig überraschend fährt Lucas Barrios von Borussia Dortmund mit Paraguay zur WM. Nach zwei Treffern in zwei Einsätzen ist die Kritik an der Einbürgerung des gebürtigen Argentiniers längst verklungen. Neben Barrios erhielten auch sein Vereinskollege Nelson Valdez und der Wolfsburger Jonathan Santana den Zuschlag für den WM-Kader der Südamerikaner. Mit zwei Bundesliga-Profis will sich die Elfenbeinküste in den Vordergrund spielen. Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson nominierte Arthur Boka (VfB Stuttgart) und Guy Demel (Hamburger SV) neben den Stars Didier Drogba (Chelsea FC) und Yaya Touré (FC Barcelona). Der Reduzierung von 30 Spielern auf 23 fiel unter anderem Bakari Koné von Olympique Marseille zum Opfer.

Der Verzicht auf McCarthy dürfte dagegen für hitzige Diskussionen in Südafrika sorgen. Seit Jahren spaltet der Angreifer vom englischen Erstligisten West Ham wegen seiner Treffsicherheit (32 Länderspieltore) und seiner Eskapaden die Fußball-Gemeinde. "Meine Rolle ist nun, die Jungs zu supporten", sagte er.

Die WM-Mission von Nigeria geriet zumindest kurzzeitig ins Stottern. Der Flug von London wurde nach übereinstimmenden Medienberichten aus Sicherheitsgründen abgesagt. Der Pilot der Maschine habe vor dem Abheben eine Fehlfunktion bemerkt. Die Spieler mussten wieder aussteigen und eine weitere Nacht im Hotel am Flughafen schlafen.

Für den Transport des begehrten WM-Pokals wurde unterdessen von Designern sogar eine luxuriöse Box entworfen. Das britische Topmodel Naomi Campbell verstaute die bedeutendste Fußball-Trophäe der Welt vor der Reise nach Südafrika in einem nagelneuen Koffer. "Eine so wertvolle Trophäe wie der FIFA WM-Pokal verdient einen Reisekoffer, der ebenso elegant und prestigeträchtig ist", begründete FIFA-Präsident Joseph Blatter die Maßanfertigung.

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