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Topnews:"Ke Nako": WM-Fieber hat Südafrika nun im Griff

Johannesburg (dpa) - Eine Woche noch, dann wird Afrikas erste Fußball-Weltmeisterschaft in Johannesburgs weltbekanntem Township Soweto angepfiffen. Das WM-Fieber steigt, die Kap-Nation stimmt sich mit Flaggenmeeren auf die anreisenden Besucher aus aller Welt ein.

Künstler, Schüler und Musiker üben fleißig für die Auftakt-Show und das Eröffnungskonzert, und am Himmel über Pretoria trainieren die Air Force-Piloten akrobatische Formationen für die Eröffnungszeremonie. Selbst Taxifahrer radebrechen bereits am Flughafen Johannesburg auf Deutsch: "Wie geht's? Welkomen in Südafrika!" Die ersten WM-Teams sind eingetroffen, und von wirklich großen Problemen ist bisher noch nichts bekanntgeworden.

Der WM-Slogan "Ke Nako" (Es ist an der Zeit) bekommt auf einmal völlig neue Bedeutung. "Es gibt nichts mehr für uns zu tun, jetzt können wir uns zurücklehnen und die 32 (Spiel-)Tage genießen", erklärte ein sichtlich zufriedener FIFA-Generalsekretär Jerôme Valcke. Dem nationalen Cheforganisator Danny Jordaan ist die Erleichterung anzumerken, dass die Zeit des Zweifels nun endlich beendet ist. Immer wieder hatte er in den vergangenen Jahren die gleichen Fragen nach der rechtzeitigen Fertigstellung von Stadien oder der Infrastruktur im Lande beantworten müssen.

"Es ist einfach wunderbar die Trendwende bei den Zweiflern zu beobachten, die sich nun in Gläubige wandeln", betonte ein sichtlich ermattet wirkender Jordaan. Schon vor dem Anpfiff gilt die erste WM auf afrikanischem Boden als Erfolg für die FIFA. Der zunächst schleppend angelaufene Kartenverkauf hat spürbar angezogen und den der WM 2006 übertroffen: Die Stadien sind fast ausverkauft. "Ich bin zuversichtlich, dass wir Geschichte geschrieben haben; wir haben gehalten, was wir versprochen haben", warf sich Cheforganisator Irvin Khoza in die Brust.

Doch Glanz und Elend liegen wie so oft in Südafrika auch bei der WM häufig nur einen Steinwurf entfernt. Unbeirrt vom sportlichen Großereignis brodelt zudem an vielen Orten weiterhin der Volkszorn. Viele Südafrikaner auf dem Lande fühlen sich ausgegrenzt vom städtischen Glanz; sie wollen akzeptable Behausungen mit Strom und funktionierenden Abwassersystemen. Die Frustration vieler Township- Bewohner bricht sich unbeirrt vom sportlichen Großereignis weiter Bahn. Randale und Streiks dürften vor allem fernab der glänzenden WM- Standorte auch in den kommenden Wochen weitergehen, fürchten Beobachter.

Während die FIFA die WM als hochprofitabel bezeichnete, hat die Debatte über den wirtschaftlichen Nutzen für das Gastgeberland gerade erst eingesetzt. Die Wirtschaft dürfte nach Ansicht von Ökonomen durch die erhofften WM-Impulse wieder Fahrt aufnehmen - die positiven Signale des ersten Vierteljahrs mit einem überraschend starken Wirtschaftswachstum gelten dabei als ermutigend. Heimische Experten gehen von einer Sonderkonjunktur aus, erwarten aber auf der Guthaben-Seite eher gesellschaftliche denn wirtschaftliche Vorteile.

Die WM trage 2010 zwischen 0,2 und 0,4 Prozent zum Brutto- Inlandsprodukt bei - das wären zwischen 5 und 10 Milliarden Rand (5 bis 10 Mio Euro). "Das scheint eine geringe Rendite für die Investitionen der Regierung in Höhe von 40 Milliarden Rand", urteilt das Fachmagazin "Financial Mail", das sich die Frage stellte: "War es das wert?" Um mit einem klaren "JA" zu antworten: "Abgesehen von den aktuellen wirtschaftlichen Vorteilen und dem potenziellen Gewinn im Tourismus gibt es auch verborgene Nutzen, wie den Schub für das Nationalgefühl und den Zusammenhalt zwischen den Rassen; dafür kann man einfach keinen Preis ansetzen!"