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Topnews:Harsche Kritik an WM-Ball - Buffon: "Eine Schande"

Düsseldorf (dpa) - "Furchtbar", "schrecklich", "ungeeignet" - mit drastischen Worten haben zahlreiche Profis ihren Unmut über den WM-Ball "Jabulani" bekundet. Wie schon vor den vergangenen Endrunden taten sich vor allem die Torhüter als strenge Kritiker des Sportgeräts hervor.

Das angeblich flatterhafte Wesen veranlasste den Italiener Gianluigi Buffon (Juventus Turin), immerhin viermal Welttorhüter des Jahres, zu einem vernichtenden Urteil: "Ich glaube, dass es eine Schande ist, ein so wichtiges Turnier mit solch einem Ball zu spielen." Sein brasilianischer Kollege Julio César (Inter Mailand) flüchtete sich gar in Sarkasmus: "Er gleicht den Bällen, die man im Supermarkt kauft."

In bester Tradition kamen die wenig schmeichelhaften Kommentare zumeist von Profis, die nicht von "adidas" ausgerüstet werden. Der fränkische Sportartikel-Produzent stellt das Sportgerät schon seit der Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko. Wie seinen Kollegen aus Italien und Brasilien schwant auch dem englischen Keeper David James (FC Portsmouth) für die Endrunde in Südafrika wenig Gutes: "Es wird Tore bei dieser WM geben, die bei früheren Turnieren nie gefallen wären."

Eigentlich sollte mit "Jabulani" die Diskussion um Flatterbälle zu Ende gehen. Der Hersteller hatte ihn bei der WM-Auslosung im vorigen Dezember als den "rundesten" und "besten" Ball gepriesen, den es je gab. Demnach soll die neu entwickelte Außenhaut mit lediglich acht zusammengeschweißten Platten ein stabiles Flugverhalten und eine perfekte Griffigkeit bei allen Bedingungen gewährleisten.

Von der Kritik einiger Top-Torleute zeigte sich adidas-Sprecher Thomas van Schaik überrascht. Seit der Vorstellung des Balls im Dezember seien alle bisherigen Rückmeldungen positiv gewesen. Auch Michael Ballack (FC Chelsea) geriet damals in Schwärmen: "Fantastisch, der Ball macht genau das, was ich will. Es gibt keine Ausreden mehr."

Mit dieser Einschätzung sollte der bei der WM zum Zuschauen verurteilte verletzte deutsche Nationalspieler nicht recht behalten. So machte Serbiens Manndecker Nemanja Vidic (Manchester United) den Ball für seinen Fehler verantwortlich, der zum peinlichen 0:1 im WM-Test gegen Neuseeland geführt hatte. Nicht nur bei den Torhütern wächst der Unmut: "Der Ball ist ein Desaster, auch für Angreifer", klagte der italienische Angreifer Giampaolo Pazzini (Sampdoria Genua), "du springst zum Kopfball hoch, er macht eine Bewegung und du verpasst ihn."

Wirklich neu sind solche Diskussionen nicht. Ähnliche Kommentare wurden in den vergangenen Jahren vor fast allen großen Fußball-Turnieren laut. Schließlich ist der Sportartikel-Markt hart umkämpft. Der rund 120 Euro teure Ball soll zu einem ähnlichen Bestseller werden wie sein WM-Vorgänger "Teamgeist", der immerhin 15 Millionen mal verkauft wurde.

"Er ist zwar ein bisschen härter. Das tut zwar ein bisschen weh, aber dafür geht er richtig ab, wenn man ihn richtig trifft", befand Mario Gomez. Der Nationalspieler aus München hat gleich doppelt Grund, sich positiv über "Jabulani" zu äußern: Zum einen trägt er Sportkleidung mit drei Streifen. Zum anderen war er der erste Profi, der mit dem neuen WM-Ball ins Schwarze traf.