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Topnews:Häme und Spott nach Rehhagels peinlicher Premiere

Port Elizabeth (dpa) - Otto Rehhagels heiß ersehntes WM-Debüt als Anfang vom Ende? Nach der peinlichen Premiere auf der weltweiten Fußball-Bühne verharrte der 71-Jährige einsam und verlassen am Spielfeldrand, während die Südkoreaner überschwänglich ihren 2:0-Sieg feierten.

Mit konsterniertem Blick und einer leeren Flasche in der Hand stand Rehhagel da. Seine Altherren-Kicker hatten Fußball aus der Antike gezeigt - in Griechenland wird nun gespottet und der älteste Trainer der WM-Geschichte unverhohlen zum Rücktritt aufgefordert.

Rehhagel wirkte in Port Elizabeth ungewohnt kleinlaut. Der am Vortag noch mit Belehrungen und Weisheiten um sich werfende Trainer- Oldie hatte mit den Spielern in der Kabine erst gar nicht gesprochen und erklärte später: "Jetzt müssen wir uns erstmal sammeln und die Situation besprechen." Wie angeschlagen der Routinier war, zeigte die für völlig ungewohnte Einzelkritik an einem seiner einstigen Liebling Karagounis: "Er war nicht spritzig genug."

Mit unfreiwilliger Komik erklärte Rehhagel noch: "Solange nichts entschieden ist, hat man immer noch Möglichkeiten." Doch das WM-Aus ist absehbar - und damit das Ende seiner vor neun Jahren begonnenen Tätigkeit als Griechen-Coach.

"Herr Otto, es wird Zeit abzutreten. Denn umso länger du bleibst desto mehr fühlen wir uns gefangen", schriebt "Goalnews". Und die Sportzeitung "Exedra" rief die Spieler praktisch zur Rebellion auf. "Spielt alleine!", heißt es dort: "Der Trainer wird und kann sich nicht ändern."

Das Echo aus der Heimat verwundert angesichts des behäbigen Auftritts der Griechen kaum. Der Trainer-Oldie hat eine überalterte Mannschaft mit vier Europameistern von 2004 aufgeboten, die überfordert war und von den flinken Südkoreanern überlaufen wurde. Um gegen Argentinien und Nigeria noch die nächste Runde zu erreichen, benötigt Rehhagel ein mittleres Fußball-Wunder. Tatsächlich zeichnet sich indes ein ähnliches Debakel wie 1994 ab, als die Griechen ohne Punkt und ohne Tor ausschieden.

"Der Gegner hat die Chancen genutzt, wir nicht", lautete einer von Rehhagels Kommentaren. In Wirklichkeit war sein Team aber hoffnungslos unterlegen. Die Griechen wurden von den starken Südkoreanern nicht nur läuferisch überboten, sondern auch spielerisch auseinandergenommen. Rehhagels Mannschaft mit den Bundesligaprofis Angelos Charisteas und Theofannis Gekas Langsam agierte langsam und umständlich nach vorne und versuchte es mit langen, hohen Bällen. "Sie haben wie altgediente Veteranen gespielt", spottete die griechische Sportzeitung "Filathlos" und kommentierte: "Rehhagel lebt in seiner eigenen Welt."

Ausgerechnet der Erfinder der kontrollierten Offensive musste "kapitale Fehler in der Abwehr" kommentieren. Vor allem bei den Treffern von Lee Jung-Soo (7. Minute) und Park Ji-Sung (52.) sahen die Griechen alt aus. "Wären wir etwas besonnener gewesen, hätten wir noch mehr Tore geschossen", sagte Rehhagels südkoreanischer Kollege Huh Jung-Moo völlig zurecht.