bedeckt München 10°
vgwortpixel

Topnews:Gemischte WM-Gefühle in Townships

Kapstadt (dpa) - Sisa Yanta ist "natürlich ein großer Fan" von "Bafana Bafana". Aber ihre Vorfreude auf die WM im eigenen Land ist nicht ungetrübt. "Das ist nicht unsere WM, das ist was für die reichen Leute", sagt die 26-jährige etwas verlegen lächelnd.

In dem ärmlichen Viertel von Khayelitsha, einem Township nahe Kapstadt, ist von WM-Fieber nicht viel zu spüren. Im Unterschied zur heraus geputzten Stadt unterm Tafelberg oder zur Wirtschaftsmetropole Johannesburg wehen hier nicht überall die Fahnen Südafrikas, tragen nur wenige das gelbe Trikot der Nationalmannschaft. Die auffälligsten Spuren sind hier die Überreste verbrannter Reifen und an den Rand gekehrte Müll-Barrikaden. Denn Khayelitsha ist der Ort, der seit Wochen mit sozialen Protesten und Ausschreitungen Schlagzeilen macht.

Sisas Freund nickt ihren Worten mit verkniffenen Lippen zu. "Wir wollten einen kleinen Imbiss am Stadion aufbauen, wollten bei der WM etwas verdienen, aber das dürfen wir nicht", meint der 28-jährige Loleka Bongweri, der derzeit einen "Drecksjob", also einen miserabel bezahlten, in einem Mini-Telefonladen hat. Ihm erging es wie vielen tausend Landsleuten, die gehofft hatten, bei der WM mit Souvenirs, Garküchen oder Fan-Schals- und Fahnen Geld zu machen. Die strengen FIFA-Regeln stellten für die meisten unüberwindliche Hürden dar.

"Gewalt hilft nicht, aber man muss verstehen, wenn die Menschen zornig werden. Es geht um unsere Würde", begründet der 28-Jährige die militanten Demonstranten, die sich derzeit fast jeden Tag Straßenschlachten mit der Polizei liefern. "Von der WM spüren wir nichts. Kein Job mehr, nichts wird besser", wettert der 58-jährige Joseph Khanyiso.

Ein alter Aktivist der Regierungspartei ANC rechtfertigt indirekt die Gewalt: "Die Leute wissen doch, dass sie friedlich keine Aufmerksamkeit erregen" meint Thembe Lane Mgbozi (58), Besitzer einer kleinen Imbissbude. Der Politologe Ebrahim Fakir vom Politikinstitut EISA (Johannesburg) erklärt Gewalt und Vandalismus in Südafrika anders: "Eine Generation in den Townships, die den Kampf gegen die Apartheid gar nicht selbst erlebt hat, übernimmt die politische Kultur des Freiheitskampfes der Schwarzen, völlig ignorierend, dass es seit 16 Jahren eine Demokratie gibt", meinte er.

Es sei sehr viel weniger geworden mit der Kriminalität und der Gewalt in Khayelitsha, betont Mgobzi vor seinem kleinen, rot angemalten Wohnwagen sitzend, den er stolz als "Restaurant mit echt afrikanischem Essen" rühmt. "Früher hätte sich hier kein Weißer zeigen dürfen, heute kommen sogar Touristen".

Vor allem die gravierenden Probleme mit Strom und Abwässer wühlen die Menschen in dem Township auf, dennoch freuen sich viele auf die WM. "Wir sind alle stolz darauf, Gastgeber zu sein", sagt der 21-jährige Sozialarbeiter Needo Neonyana Donald. "Die WM wird die guten Leute in unserem Land stärken", meint er optimistisch.

"Ich freue mich riesig", sagt die 19-jährige Amanda Mfamela. Zur Überraschung der Umstehenden berichtet das hoch gewachsene Mädchen in seiner grünen Schuluniform, dass es eine WM-Eintrittskarte habe, sogar in Johannesburg beim Eröffnungsspiel Südafrikas gegen Mexiko. Umgerechnet 16 Euro hat die Schülerin dafür bezahlen müssen.

"Hier hat kaum jemand Tickets, das kann sich hier niemand leisten", sagt Mgbozi. Er rechne mit guten Geschäften, er will einen Fernseher vor seiner Bude aufstellen. "Wenn die WM erst mal angefangen hat, wird es hier auch alle packen. Schließlich sind wir alles Bafana Bafana Fans."