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Topnews:Frankreich vor WM "zermürbt" - "Große Baustelle"

La Réunion/George (dpa) - Der Vize-Weltmeister ist in Not: Eine Woche vor ihrem WM-Debüt ist die Fußball-Nationalelf von Frankreich mit einem blamablen 0:1 gegen China im Gepäck nach Südafrika gereist.

Die Männer um Bayern Münchens Dribbelkönig Franck Ribéry trafen niedergeschlagen am Kap ein. "Wir sind zermürbt", räumte der beim Spiel auf der Insel La Réunion eingewechselte Stürmer Matthieu Valbuena ein. Der umstrittene Raymond Domenech versuchte gar nicht erst, die Lage schönzureden. Es habe an "Frische und Spontanität" gefehlt.

Daheim ließen die Medien kein gutes Haar an der "Équipe Tricolore", die in Südafrika zunächst gegen Uruguay antreten muss. Das Team sei "eine große Baustelle", schrieb die Zeitung "Le Parisien". Eine "miserable Vorstellung" sah das Traditionsblatt "Le Figaro", während "Le Progrès" in eine "düstere Zukunft" für den Weltmeister von 1998 blickt. Das Fachmagazin "France Football" ist "schrecklich beunruhigt", weil die Franzosen sowohl als Team als auch als Individualitäten "nichts gezeigt haben". Etwas Trost kam von Chinas Trainer: "Wir wurden unterschätzt. Aber Frankreich ist sehr stark, es wird sicher das Finale erreichen", meinte Gao Hong Bo, der mit seinem Team in der FIFA-Weltrangliste nur Rang 84 belegt.

Das Tor des Abends auf der Insel La Réunion im Indischen Ozean hatte Mittelfeldspieler Deng Zhuoxiang per Freistoß in der 68. Minute erzielt. Die in Bestbesetzung und mit dem neuen 4-3-3-System angetretenen "Bleus" blieben vor 16 000 Zuschauern im Stade Michel- Volnay in Saint-Pierre vor allem in der Offensive alles schuldig. In der ersten Halbzeit kamen die Hausherren bei ihrem ersten Spiel überhaupt auf der Insel zu keiner Torchance.

Nach dem Freistoßtor von Deng starteten die Franzosen in den letzten 20 Minuten einen verzweifelten Sturmlauf. Dabei vergaben Thierry Henry (71.) und William Gallas in der fünften und letzten Minute der Nachspielzeit die beiden besten Torgelegenheiten. "Eine grausame Enttäuschung", so "France Football".

Vor der Niederlage gegen China hatte es für Frankreich einen überzeugenden 2:1-Sieg gegen Costa Rica in Lens sowie ein 1:1 mit eher schwacher Leistung in Tunesien gegeben. Gegen China ließ Domenech zum ersten Mal seit der WM 2006 dieselbe Stammformation zweimal hintereinander auflaufen. Der Sturm mit Sidney Govou, Nicolas Anelka und Ribéry auf links enttäuschte auf der ganzen Linie. Auch das Mittelfeld mit Yoann Gourcuff, Jérémy Toulalan und Florence Malouda konnte keine Akzente setzen. Die Abwehr um "Chef" William Gallas und Startorwart Hugo Lloris zeigte Lichtblicke.

Am 5. Juni landeten die Franzosen noch vor Sonnenaufgang auf dem Flughafen in George, einer Stadt in der Provinz Westkap. Begrüßt wurde der WM-Finalist von 2006 von einem Blasorchester sowie einigen Fans und bezog danach sein Quartier im 50 Kilometer entfernten Knysna. Nach dem Debüt gegen Uruguay trifft Frankreich in der Vorrundengruppe A auf Mexiko und auf Gastgeber Südafrika.