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Topnews:"Aussies" in Sorge - Ghana gelandet, Serbien kommt

Johannesburg (dpa) - Die Familientragödie von Ersatzkeeper Brad Jones lässt Deutschlands Auftaktgegner Australien im WM-Countdown noch enger zusammenrücken.

"Wir sehen uns alle als eine Familie. Wir wollen jetzt auch für ihn spielen", sagte "Socceroos"-Kapitän Lucas Neill im Quartier in Muldersdrift. Nachdem Star-Angreifer Harry Kewell nach wochenlangen Leistenbeschwerden Grünes Licht für seinen Einsatz gegen die DFB-Auswahl gegeben hatte, musste der viermalige Ozeanien-Meister schon wieder eine Negativ-Nachricht hinnehmen.

Spielmacher Tim Cahill konnte nicht mit der Mannschaft trainieren und nur in Begleitung eines Betreuers im Schritttempo am Spielfeldrand laufen. Zuletzt hatte der 30 Jahre alte Regisseur vom FC Everton nach dem 1:3 gegen die USA über Nackenbeschwerden geklagt und war im Krankenhaus untersucht worden. Ob er gegen die Löw-Elf in Durban dabei ist, stand zunächst noch nicht fest.

Nur wenige Minuten nach der deutschen Reisegruppe traf der letzte Vorrunden-Kontrahent Ghana in Südafrika ein. Die Serben werden am folgenden Tag auf dem O.R. Tambo International Airport erwartet - dann beginnt für alle vier Mannschaften der Gruppe D die finale Vorbereitungsphase auf die Fußball-Weltmeisterschaft.

Einen emotional schwierigen Moment hatten die Australier am Wochenende zu verkraften. Torhüter Jones, dessen Sohn schwer erkrankt sein soll, hatte seine Teamkollegen verlassen und war nach Hause geflogen. Vor diesem Hintergrund sei sogar eine Fußball-WM "komplett unwichtig", meinte Neill nach Erhalt der "vernichtenden" Nachricht.

Bei der Pressekonferenz am Vortag hatten der Abwehrchef und Coach Pim Verbeek Schwierigkeiten, den Spagat zwischen dem Mitgefühl für Jones und der notwendigen Fokussierung auf den Auftakt gegen die DFB- Elf zu meistern. "Das ist größer als die WM", sagte Verbeek über Jones' "sehr ernste Angelegenheit", die er nach dem Training im kleinen Ruimsig-Stadion in Roodepoort nicht präzisieren wollte.

Doch wenn einem Team zuzutrauen ist, angemessen mit diesem Schicksalsschlag umzugehen und daraus sogar eine Jetzt-erst-recht- Mentalität zu entwickeln, dann den Australiern. Berti Vogts' alte Losung "Der Star ist die Mannschaft" trifft wohl auf kein anderes WM- Team so sehr zu wie auf den viermaligen Ozeanienmeister. "Der Großteil war schon vor vier Jahren dabei, wir sind wie Brüder. Wir verstehen uns alle gut und ich denke, das sieht man auch auf dem Platz", sagte Mittelfeldspieler Brett Emerton.

Kewell erwartet zum WM-Aufgalopp eine starke deutsche Elf. "Sobald sie in den Wettbewerbsmodus übergehen, schalten sie vier oder fünf Gänge hoch", sagte der Angreifer. Dann würde die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw das Team werden, "das scheinbar keiner schlagen kann. Aber wir werden bereit sein".

Bereit ist auch Deutschlands letzter Gruppengegner Ghana, der sechs Tage vor seinem Auftaktspiel gegen Serbien in Südafrika eintraf. Nach einer holprigen Vorbereitung im Trainingslager in Paris - negativer Höhepunkt war das WM-Aus von Superstar Michael Essien - haben sich die Ghanaer zuletzt neues Selbstvertrauen geholt. Die WM-Generalprobe gegen Lettland wurde mit 1:0 gewonnen, zudem konnte der gebürtige Berliner Kevin-Prince Boateng erfolgreich ins Team integriert werden. Es wird damit gerechnet, dass der frühere deutsche U-21-Nationalspieler gegen Serbien zur Startelf zählt.