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Topnews:Anpfiff für das WM-Spektakel: Freude und Hoffnung

Johannesburg (dpa) - Ke Nako! Die Zeit der großen Zweifel ist vorbei. Jetzt rollt endlich der Ball. Die Welt blickt gespannt nach Südafrika, und der Gastgeber fiebert dem Anpfiff der historischen 19. Fußball-WM entgegen.

Das erste Turnier auf dem oft gebeutelten und benachteiligten Kontinent soll Milliarden Menschen auf dem ganzen Globus zeigen: "Afrika verdient unser Vertrauen". FIFA-Präsident Joseph Blatter hat diese Maxime für "sein Turnier" ausgegeben. "Es wird das größte Spektakel der Welt."

Das Turnier soll Afrika der Welt näher bringen und Südafrika nachhaltige Entwicklungschancen ermöglichen - weit über den Fußball hinaus. Die WM wird in jedem Fall Premieren-Charakter haben. "Es ist ein anderer Rhythmus, ein anderer Sound, ein anderer Blickwinkel", sagte Blatter am Vortag des Eröffnungsspiels zwischen Südafrika und Mexiko im imposanten Soccer City-Stadion von Johannesburg. "Es wird ein Fest der Menschlichkeit", versprach Blatter, mit tausendfachen Vuvuzela-Trompetentönen inklusive.

Trotz großen Sicherheitsbedenken, ungeklärter Transportprobleme und vieler logistischer Detailfragen: Nach Jahren der Skepsis mehren sich die Stimmen derer, die den 64 WM-Partien vom 11. Juni bis 11. Juli zuversichtlich statt ängstlich entgegensehen. "Der ganze Kontinent hängt dran. Er hätte es verdient, wenn alles funktioniert", sagte Deutschlands Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer vor dem Fest in zehn WM-Arenen in neun Städten zwischen Kapstadt am Südwest-Zipfel und Polokwane im Nordosten, unweit der Grenze zu Simbabwe. Der Architekt des deutschen Sommermärchens drückt Südafrika jedenfalls die Daumen.

Auch Bundestrainer Joachim Löw blickt trotz aller Anspannung und Fokussierung auf den eigenen ersten Auftritt am Sonntag in Durban gegen Australien auf das große Ganze. "Ich sehe der Veranstaltung hier in Südafrika unheimlich positiv entgegen. Ich bin sicher, dass in den Stadien eine tolle Atmosphäre herrschen wird", sagte Löw. Teammanager Oliver Bierhoff ergänzte: "Es geht auch darum, den Menschen in Südafrika zu zeigen, dass ihre Hoffnungen berechtigt sind."

Bei der spannenden Weltmeistersuche fühlt sich die DFB-Auswahl in der Rolle als Favorit zweiter Klasse jedenfalls wohl. Ohne den verletzten Kapitän Michael Ballack wird dem dreifachen Champion international nicht mehr der große Coup zugetraut. Nach Australien warten Serbien (18. Juni/Port Elizabeth) und Ghana (23. Juni/Soccer City) als Vorrundengegner in der Gruppe D.

Danach würde es die Auslosung gut mit Deutschland meinen. Die Top-Favoriten Brasilien und Spanien oder auch Titelverteidiger Italien drohen als Gegner frühestens im Halbfinale. Zuvor wären Frankreich, England oder Argentinien mögliche Kontrahenten. "Ich sehe keine übermächtige Mannschaft", sagte Beckenbauer.

Schon beim Confederations Cup 2009 zeigte sich, dass der Faktor Afrika nicht zu unterschätzen ist. Höhenlage, Winterwetter und drohender Lagerkoller in aus Sicherheitsgründen hermetisch abgeschotteten Teamhotels können auch Favoriten zum Straucheln bringen. Die fast schon rätselhafte Verletzungsserie potenzieller WM- Superstars von David Beckham über Ballack bis zu Didier Drogba trägt ihr Übriges bei. Ein klarer WM-Favorit ist nicht in Sicht. Magische Momente werden im Duell der Superstars vom Argentinier Lionel Messi und Portugals Cristiano Ronaldo erwartet. Doch wie schon 2006 könnte effektiver Kollektivfußball über die Kunst der Einzelkönner gehen.

In Südafrika mobilisieren sich derweil die fröhlichen Fußball- Massen, die voller Stolz ihre Bafana Bafana unterstützen. Das Abschneiden des Heimteams dürfte wesentlichen Einfluss auf die Turnier-Stimmung haben. Sollte erstmals bei einer WM der Ausrichter die Vorrunde nicht überstehen, müsste wenigstens ein anderes Team vom Gastgeber-Kontinent einspringen. "Ich würde mich freuen, wenn eine afrikanische Mannschaft weit kommen würde", sagte Blatter. Algerien, die Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun und Nigeria komplettieren den Afrika-Sixpack.

"Das ganze Land steht hinter Euch", versicherte Südafrikas Präsident Jacob Zuma dem eigenen Team. Der erste Mann im Staate erkannte instinktiv die Bedeutung der größten Sportveranstaltung in der Geschichte Afrikas und widmete das Turnier öffentlichkeitswirksam dem prominentesten und auf der ganzen Welt beliebtesten Südafrikaner: Nelson Mandela. Der Präsenz des Friedensnobelpreisträgers bei der Eröffnungsfeier am Freitag wird große Bedeutung beigemessen. "Er hat die WM nach Afrika gebracht", sagte Blatter, dessen Zukunft als FIFA- Präsident entscheidend mit dem WM-Erfolg verknüpft ist.

Wichtig ist, dass die Stadien pickepackevoll sind. Die misslichen Pannen beim international monatelang schleppenden Kartenverkauf sollen sich letztlich nicht ausgewirkt haben. 97 Prozent Absatz vermeldet die FIFA optimistisch - mehr als beim deutschen Sommermärchen.

Südafrika hat viel investiert. 36 Milliarden Euro wurden in Infrastrukturmaßnahmen gesteckt. In Durban entstand ein neuer Flughafen. Zwischen Johannesburgs Flughafen und Pretoria wird der Gautrain zwar erst nach der WM fahren, aber das Bruttoinlandsprodukt 2010 soll zu mehr als 20 Prozent dem großen Turnier zu verdanken sein, rechnet Finanzminister Pravin Gordhan vor.

Die FIFA rechnet mit Einnahmen von 2,8 Milliarden Euro. Ein satter Gewinn wird hängen bleiben. Den südafrikanischen Organisatoren wurde ein Gewinngarantie von 80 Millionen Dollar gegeben. Ein afrikanischer Weltmeister wäre für das Selbstbewusstsein der Menschen auf dem ganzen Kontinent sicher noch wertvoller.