Toni Sailer ist tot Der schwarze Blitz

Ski-Olympiasieger, Filmstar, Sängerknabe: Toni Sailer ist eine Legende der 1950er und 1960er Jahre, am Montag starb er mit 73 Jahren an Krebs.

Von Wolfgang Gärner

Das Bild wird unvergesslich bleiben: wie Anton Engelbert Sailer, genannt Toni, den Tofana-Schuss hinuntersticht - die Keilhosen gegen das Flattern im Fahrtwind unterm Knie mit Lederriemen abgebunden, auf dem Kopf eine minimal abgepolsterte Lederhaube, für die die Bezeichnung Helm ein Hohn war.

Toni Sailer erlag im Alter von 73 Jahren einem Krebsleiden.

(Foto: Foto: dpa)

Bei seinen anderen Rennen von Cortina d'Ampezzo trug er eine legendäre weiße Zipfelmütze, und er gewann alle drei Wettbewerbe, wurde 1956 zum unangefochten Olympiasieger in sämtlichen damals ausgetragenen alpinen Ski-Disziplinen (Abfahrt, Riesenslalom, Slalom). Damit begündete er einen Nimbus, der ihn heraushob über alle Epigonen egal, ob sie Stenmark, Tomba, Killy oder Maier heißen. Am Montag erlag Toni Sailer in Innsbruck 73-jährig einem Krebsleiden.

Das Einzigartige an der Ski-Karriere des gelernten Glasers und Spenglers aus Kitzbühel war, dass sie so makellos war, obwohl sie nur fünf Jahre währte - mehr Zeit brauchte Sailer nicht, um sich als Sportler zu vollenden.

Zwei Jahre nach dem Triumph von Cortina startete er noch bei den Heim-Weltmeisterschaften in Bad Gastein ("nur, um zu beweisen, dass meine Erfolge von Cortina keine Eintagsfliege waren"). Er gewann Abfahrt, Riesenslalom und Kombination und musste im Slalom als Zweiter hinter seinem Kitzbüheler Klubkollegen Josl Rieder die einzige Niederlage in einem Titelrennen hinnnehmen. Im folgenden Sommer trat er, 22-jährig, zurück.

Der Weltcup kam für ihn neun Jahre zu spät, insofern hinken alle Vergleiche mit den Größen der Neuzeit, aber die Klassiker wurden auch vorher schon ausgetragen. In denen setzte Sailer Maßstäbe mit fünf Siegen am Lauberhorn in Wengen und dreien zuhause am Hahnenkamm.

Er war der "schwarze Blitz" (der weiße war sein blonder Kitzbüheler Spezi Anderl Molterer), und nicht aus Zufall gab dieser Ehrenname 1958 den Titel für einen der damals bekanntesten Filme Sailers. Seine zweite Karriere im Showbiz hatte schon im Jahr nach Cortina begonnen, als man seine frappierende Popularität bei den Japanern ausnützte zu dem Epos "König der silbernen Berge". Es folgten mehr als 20 weitere Streifen - im "Schwarzen Blitz" wirkte er neben Maria Perschy, Dietmar Schönherr und Gustav Knuth.

Sailer spielte alles, egal, ob Klamotten wie 1971 "Tante Trude aus Buxtehude" (mit Rudi Carrell und Ilja Richter) oder im Theater den "Tod eines Handlungsreisenden". Aus Sailers japanischer Ära ist als erster Tonträger "Am Fudschijama blüht kein Edelweiß" hinterlassen - was er später gerne als Selbstparodie zum Besten gab. Er hatte aber tatsächlich ganz seriös Gesangsunterricht genommen, um fit zu sein für das Genre des Musikfilms. In diesem war er seinerzeit populär und erfolgreich wie keiner mehr nach ihm aus dieser Branche - bis Hansi Hinterseer kam, der nächste Kitzbüheler Showstar, der aus dem Schnee kam.

Nach seiner Zeit als Unterhaltungskünstler begann Sailer eine dritte Karriere: Er gab von 1972 bis 1976 den Cheftrainer und konnte diese Arbeit als erledigt betrachten, als Franz Klammer Olympiasieger am Patscherkofel geworden war. Sailer ging nach Kanada, baute dort Ski, heiratete in Vancouver (seine Frau starb vor neun Jahren), kam zurück und prägte den modernen Skisport als Chef im Alpinkomitee des Weltverbandes Fis.

Sailer machte vor allem am Hahnenkamm, der inzwischen längst Gral und Hochamt des Weltcup geworden war, den Rennleiter, 20 Jahre lang, von 1986 bis 2006. Im letzten dieser Jahre war er schon deutlich von der Krankheit gezeichnet, aber er kämpfte weiter.

Nun ist der Kampf des Anton Engelbert Sailer aus Kitzbühel zu Ende. Es bleibt der Nimbus eines Unerreichten, der Ruf vom schwarzen Blitz aus Kitz.

Symbolfigur für Austria

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