Toni Kroos:Die gekrönte Passmaschine

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Champions League: Toni Kroos nach dem Finale 2022

War mit den Interview-Fragen nach dem Finale nicht einverstanden: Toni Kroos.

(Foto: Matt Wilkinson/Imago)

Fünf Champions-League-Siege - so viel wie kein anderer deutscher Spieler. Toni Kroos gelingt Historisches und neben seinem ZDF-Interview geht ein bisschen unter, dass er auch im Moment des Triumphes gar nicht frei von Selbstkritik ist.

Von Javier Cáceres, Paris

Der TV-Reporter Nils Kaben war nicht der einzige, der sich am Samstag nach dem Champions-League-Finale einen Rüffel von Toni Kroos einfing. Mehr noch: Der ZDF-Mann befand sich in bester Gesellschaft. Am Sonntag zirkulierte ein Video von der Kabinen-Feier von Real Madrid, und zu sehen war, wie Eden Hazard einem Buben - offenkundig einer der Söhne von Kroos - zur Feier des 1:0-Sieges von Real gegen Liverpool ein bisschen Champagner in den Becher schütten wollte. Kroos hob den Zeigefinger; der belgische Nationalspieler nahm die Flasche wieder weg. Der Fall war erledigt - und bewegte sich also unterhalb jener Welle, die Kroos' Disput mit dem ZDF-Mann Kaben machte.

Kroos hatte nach der Partie ein Live-Interview abgebrochen. "Du hattest jetzt 90 Minuten Zeit, dir vernünftige Fragen zu überlegen. Ehrlich. Und jetzt stellst du mir zwei solche Scheiß-Fragen", blaffte Kroos. Als er kurz vor halb drei in der Früh mit dem Trikot unterm Sakko durch die Mixed Zone lief, wurde Kroos auf die Szene angesprochen.

"Ich fordere nicht mehr Respekt. Ich fordere nach einem gewonnenen Finale und meinem fünften Champions-League-Titel eher positiv angelegte Fragen", sagte er - und meinte damit den Umstand, dass der ZDF-Reporter auch über die Bedrängnis reden wollte, in die Real Madrid gegen Liverpool geraten war. Sprach's und korrigierte sich selbst: "Was heißt ich fordere die - ich hatte die eher erwartet." ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann stellte sich im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur vor seinen Mitarbeiter: "Grundsätzlich waren die Fragen berechtigt und kein Grund, das Interview abzubrechen."

Kein deutscher Profi hat so viele Königsklassentriumphe wie die Passmaschine aus Greifswald

Der Vorgang überraschte nicht zuletzt deshalb, weil Kroos gar nicht mal frei von Selbstkritik ist. Zur nun mit dem Titel gekrönten Champions-League-Saison sagte er beispielsweise: "Ich glaube, dass wir in keiner K.-o.-Runde über 180 Minuten die bessere Mannschaft waren." Er bezog sich dabei auf die Aufholjagden gegen Paris Saint-Germain, den FC Chelsea und Manchester City, die Real den Finaleinzug bescherten. "Dass wir in der Lage waren, schwierige Situationen zu überstehen, hat uns stärker gemacht, hat uns immer wieder einen neuen Push gegeben, dran zu glauben", sagte Kroos. Und ja: "Am Ende geht es um das Vertrauen, das dir dieses Wappen gibt - und der Míster", also Trainer Carlo Ancelotti.

Im Ergebnis ist Kroos nun einer von insgesamt neun Madrid-Spielern, die fünf Champions-League-Titel geholt haben. Kein deutscher Profi hat so viele Königsklassentriumphe wie die Passmaschine aus Greifswald. Anders als etwa Luka Modric und Karim Benzema - oder Marcelo und Gareth Bale, die Madrid verlassen werden -, hat Kroos jedoch nicht alle Titel mit Real Madrid geholt. Seinen ersten Champions-League-Triumph feierte er 2013 mit dem FC Bayern, damals gegen eine Mannschaft, die wie nun der FC Liverpool von Jürgen Klopp trainiert wurde: Borussia Dortmund.

Gegen Liverpool lastete viel Verantwortung auf Kroos; Klopps Team betrieb einen hohen Aufwand, um Luka Modric zu bändigen, das gab Kroos mehr Freiheiten. Kroos hatte 92 Ballkontakte, Modric kam auf 61. Kroos hatte eine Passgenauigkeit von 92 Prozent; Modric lag vier Prozentpunkte drunter. Als die Partie am Ende war, lag Kroos bäuchlings auf dem Rasen, als Modric ihn erblickte, legte er sich auf seinen deutschen Mittelfeldkollegen, umarmte ihn wie ein Liebender. Es war, als ob sie den Moment festhalten wollten. Wegen all dem, was da kommt: "Wenn wir nach dem Urlaub das erste Freundschaftsspiel verlieren, werden wir kritisiert werden", sagte Kroos lachend, oder, um ihn zu paraphrasieren, echte "Scheißfragen" hören.

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