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Unterstützung für Tönnies:"Was jetzt mit ihm gemacht wird, halte ich nicht für in Ordnung"

Rheinischer Fußballgipfel

Düsseldorf-Trainer Friedhelm Funkel (r.) und Gladbach-Manager Max Eberl.

(Foto: dpa)
  • Clemens Tönnies bekommt Unterstützung aus der Bundesliga.
  • Düsseldorf-Trainer Friedhelm Funkel etwa verurteilt auf einer Veranstaltung die rassistischen Aussagen des Schalker Aufsichtsratschefs. Er plädiert aber auch für eine zweite Chance für Tönnies.
  • Zustimmung erhält Funkel von Max Eberl, Armin Veh und Simon Rolfes.

Friedhelm Funkel hielt ein flammendes Plädoyer für eine zweite Chance für Clemens Tönnies, die neben ihm sitzenden Max Eberl, Armin Veh und Simon Rolfes nickten zustimmend. Die prominenten Bundesliga-Vertreter verurteilten zwar die rassistischen Aussagen des Schalker Aufsichtsratschef, sie befürworteten allerdings eine Rückkehr des milliardenschweren Unternehmers nach der selbst verordneten dreimonatigen Auszeit.

"Die Hexenjagd, die auf ihn veranstaltet wird, muss irgendwann mal aufhören", sagte Trainer Funkel von Fortuna Düsseldorf am Rande des Fußball-Gipfels der Rheinischen Post dem Sport-Informations-Dienst. "Clemens hat eine Aussage getätigt, die nicht geht. Er hat sich in der Wortwahl vergriffen. Was jetzt mit ihm gemacht wird, halte ich nicht für in Ordnung. Er wird ja regelrecht geschlachtet", hatte Funkel während der Veranstaltung zuvor erklärt.

Tönnies habe einen "schweren Fehler" gemacht. Diesen Fehler habe er "eingestanden und sich entschuldigt", so Funkel weiter: "Es bringen Leute mit einem Samurai-Schwert Menschen um. Da wird zwei Tage drüber berichtet, dann ist es vergessen. Wir müssen alle ein bisschen runterkommen."

"Wenn man Fehler macht, muss es auch weitergehen können"

Zustimmung erhielt Funkel von Eberl, Veh und Rolfes. "Er hat etwas gesagt, was man nicht sagen soll. So etwas sagt man nicht und das weiß er. Wenn ein Satz sein ganzes Leben kaputt macht und er nicht mehr auftreten kann, dann ist das maßlos übertrieben", sagte Manager Veh vom 1. FC Köln.

Sportdirektor Eberl von Borussia Mönchengladbach betonte, dass "die Empörung auch bei uns da war". Man müsse einem Menschen aber die Möglichkeit geben, "wieder aufzustehen." Leverkusens Sportdirektor Rolfes pflichtete ihm bei. "Wenn man Fehler macht, muss es auch weitergehen können", sagte der Ex-Nationalspieler.

Tönnies hatte bei der Festveranstaltung zum "Tag des Handwerks" in Paderborn eine Rede zum Thema "Unternehmertum mit Verantwortung - Wege in die Zukunft der Lebensmittelerzeugung" gehalten. Der Schalke-Boss empfahl dabei die Finanzierung von Kraftwerken in Afrika und sagte: "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren."

Tönnies entschuldigte sich danach und kündigte an, seinen Posten drei Monate ruhen zu lassen. Diesem Vorschlag wurde durch den Ehrenrat entsprochen. Dass Tönnies das Strafmaß selbst festsetzen konnte, sorgte für Verwunderung. Die Schalker Fans hielten vor dem Pokalspiel beim SV Drochtersen/Assel (5:0) am vergangenen Samstag ein Plakat mit der Aufschrift "Wir zeigen Tönnies die Rote Karte" hoch.

Schauspieler Peter Lohmeyer hat derweil persönliche Konsequenzen aus der Affäre um Tönnies gezogen und ist als Mitglied ausgetreten. "Schalke 04 war immer ein Vorreiter im Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus, und darauf war ich immer sehr stolz. Jetzt wird das durch den Metzger infrage gestellt, und das macht mich sauer - und traurig", sagte der 57-Jährige dem Magazin 11Freunde.

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