bedeckt München
vgwortpixel

Tod von Formel-1-Fahrer Bianchi:"Jules hat bis zum Ende gekämpft"

Jules Bianchi

Nach 285 Tagen im Koma ist der französische Formel-1-Fahrer Jules Bianchi seinen schweren Kopfverletzungen erlegen.

(Foto: Mark Thompson)
  • Der Franzose Jules Bianchi, ein Talent der Formel 1, hat einen Rennwagen-Unfall nicht überlebt.
  • Die Betroffenheit in der Branche ist groß; seit mehr als 20 Jahren hatte es kein Todesopfer auf einer Rennstrecke mehr gegeben.
  • In der Geschichte der Königsklasse gab es bereits 32 tödliche Unglücke.

Zwei Jahrzehnte lang hat die Formel 1 gut mit dem Risiko gelebt, das vom Grundsatz her in ihr steckt. Gut leben heißt in diesem Fall: Niemand musste sein Leben bei einem Rennen auf der Strecke lassen. Bis zu diesem Freitag. Ein dreiviertel Jahr nach seinem Unfall beim Großen Preis von Japan hat der Franzose Jules Bianchi, der am 3. August 26 Jahre alt geworden wäre, seinen Kampf verloren und ist in einem Krankenhaus in Nizza seinen schweren Kopfverletzungen erlegen. Aus dem künstlichen Koma war er seit 285 Tagen nicht mehr aufgewacht.

"Es war schlimmer, als wenn er direkt gestorben wäre, es ist ein Qual", hatte Vater Philippe Bianchi bereits Mitte der vergangenen Woche gesagt, als sich der Gesundheitszustand seines Sohnes schon stark verschlechtert hatte. "Jules hat bis zum Ende gekämpft, wie er es immer gemacht hat, aber gestern ist sein Kampf zu Ende gegangen", heißt es am Samstag in der Mitteilung der Familie. Bianchi fuhr zwar für ein Hinterbänkler-Team, galt aber als eines der größten Talente der Formel 1.

"Ciao Jules, du wirst für immer in den Herzen von Ferrari sein", twitterte die Scuderia, bei der Bianchi einen Fördervertrag als Rennfahrer hatte. Der Slogan #ForzaJules, der auf vielen Helmen und Rennwagen klebte, ist jetzt nur noch ein trauriges Andenken.

Dass der Marussia-Pilot überhaupt lebend aus dem Wrack seines Rennwagens geborgen werden konnte, grenzte an ein Wunder. Der 5. Oktober 2014 war ein rabenschwarzer Tag in der Geschichte der Königsklasse, die seit 1950 insgesamt 32 Todesopfer zu beklagen hat. Wegen eines aufziehenden Taifuns hatten die Rennställe an den Veranstalter appelliert, den Start vorzuverlegen. Doch die Japaner weigerten sich, und so war es bei dem zwischenzeitlich unterbrochenen WM-Lauf am Ende beinahe dunkel, als wieder Starkregen einsetzte.

Dreizehn Runden vor dem eigentlichen Rennende war zunächst Sauber-Pilot Adrian Sutil in Kurve sieben havariert, wo starke Sturzbäche die ohnehin nicht ungefährliche Piste kreuzten. Das Auto Sutils hing gerade am Haken eines Bergekrans, als Bianchi trotz doppelt geschwenkter gelber Warnflaggen plötzlich durch das Kiesbett schoss. Er prallte so stark gegen den schweren Radlader, dass dieser um ein paar Meter versetzt wurde und der Sauber-Rennwagen vom Haken fiel. Offenbar haben beim Unfallablauf neben dem Aquaplaning noch Fahr- und Reaktionsfehler des Piloten eine Rolle gespielt.